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Händler ärgern sich über das Ordnungsamt: Streit um Lieferwagen am Beueler Wochenmarkt ist beigelegt

Händler ärgern sich über das Ordnungsamt : Streit um Lieferwagen am Beueler Wochenmarkt ist beigelegt

Die Bezirksverwaltungsstelle Beuel vermittelte beim Streit mit dem Ordnungsamt: Die Händler des Wochenmarkts dürfen jetzt samstags den städtischen Parkplatz hinter dem Rathaus nutzen.

„Wenn man mich hier nicht mehr will, dann gehe ich“, kommentierte Ferdinand Voigt am Samstag den Auftritt von Mitarbeitern des Ordnungsamtes Ende August auf dem Beueler Wochenmarkt vor dem Rathaus. Er habe durchaus Anfragen von anderen Märkten, auf denen er sein frisches Obst und Gemüse vom eigenen Bauernhof in Rheinland-Pfalz verkaufen könnte.

Der 73-Jährige ist der dienstälteste Händler auf dem Wochenmarkt. Er ist seit 25 Jahren in Beuel dabei, seit die Politik auf Drängen von Bürgern diesen Markt in die Wege leitete. Keine Sorge, vorläufig bleibt er den Beuelern erhalten: Laut Stadt hat man eine Lösung für das Problem gefunden.

Und darum ging es: Auf dem Markt sollen keine Fahrzeuge abgestellt werden, die nicht zum Betreiben eines Standes erforderlich sind, damit sie nicht noch mehr Platz wegnehmen – der ist ohnehin knapp bemessen. Das betrifft laut Stadt besonders Fahrzeuge von Mitarbeitern an den Marktständen. Voigt hat auch Helfer, die mit dem Auto kommen und diese irgendwo abstellen. Die Mitarbeiter vom Ordnungsamt monierten ihm zufolge, dass auch der Kühlanhänger samt Zugwagen, den er seit Jahren hinter seinem Stand abstellt, dort nichts zu suchen habe.

Streit war ein Missverständnis

„Ich war ein bisschen sprachlos“, sagte Voigt. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes hätten betont, dass sie ihre Anweisung hätten, und vorgeschlagen, er könne den Anhänger ja irgendwo anders parken, etwa an der Nordbrücke, so berichtete er. Absurd: Aus dem Anhänger holt Voigt regelmäßig frische, weil gekühlte Ware – darauf muss er immer zugreifen können.

Auch anderen Händlern erging es ähnlich, etwa Blumenhändler Arno Peters, der immerhin seit 23 Jahren kommt. Er ist froh, dass sich die Angelegenheit geregelt hat, denn auch er legt aus dem Fahrzeug neben seinem Stand regelmäßig Ware nach. „Wo sollte ich parken?“ Wenn der Wagen nicht mehr dort stehen dürfte, könnte er den Stand nicht mehr betreiben. Eine Kundin, die alles mitbekommen hatte, brachte bei der Bezirksverwaltung Beuel den Stein ins Rollen, erzählte Voigt. Letztlich hätte sich Christian Siegberg, Leiter der Bezirksverwaltungsstelle Beuel, auch entschuldigt – es sei ein Missverständnis gewesen. Woher die „Anweisung“ der Ordnungsamtsmitarbeiter kam, wisse angeblich niemand, so Voigt. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagte er. Seit dem Vorfall gehört das Wort „Tohuwabohu“ zu seinem Wortschatz, er verbindet es mit diesem Durcheinander. Die Lösung für das Problem mit den Fahrzeugen der Marktmitarbeiter ist, dass sie einen Chip für den beschrankten Parkplatz hinter dem Rathaus bekommen, der samstags nicht von Verwaltungsmitarbeitern gebraucht wird.

Ein Drittel mehr Umsatz

Voigt kommt gerne zum Beueler Markt, wo er ihm zufolge eine stetige Umsatzsteigerung erfahren hat. „Die Beueler Bürger verlangen Qualität zu fairen Preisen.“ Die liefert er, dafür hat er viel Geld in die Hand genommen. „Markt zu machen, ist kein Zuckerschlecken“, sagte er. „Da muss man hinterstehen.“ Die Beueler dankten ihm seine Mühen während des Corona-Lockdowns: „Da habe ich besser verkauft als je zuvor.“

Das kann auch Landwirt Stephan Erkelenz bestätigen, der seit mehr als 20 Jahren den Metzger-Stand in Beuel betreibt. „Seit Corona haben wir ein Drittel mehr Umsatz.“ Das gute Wetter habe wohl dazu beigetragen. „Und die Leute waren genervt von den eigenen vier Wänden“, vermutete er. Aber in die engen Supermarkt hätten viele nicht gewollt. „Für viele war der Wochenmarkt das Highlight der ganzen Woche.“

Vom Tohuwabohu eine Woche zuvor hat er wenig mitbekommen. Nur die Ordnungsamtsmitarbeiter hat er gesehen, die auch recht harsch Kunden ermahnt hätten, die Maske zu tragen, erinnerte sich Erkelenz. Vorher sei das Ordnungsamt in der ganzen Coronazeit nicht einmal auf dem Wochenmarkt gewesen.

Er hat in Beuel überwiegend Stammgäste, die er oft namentlich kennt, und nur wenig Laufkundschaft. Der Markt sei natürlich recht klein, der Platz begrenzt – auch in Bad Godesberg verkauft er, der Markt ist viel größer. Früher war Erkelenz auch mit seinem Stand am Krankenhaus, bevor der Wochenmarkt komplett vor das Rathaus Beuel zog. „Da gab es einen Fischmarkt, aber der wurde aus Altersgründen aufgelöst.“ Es sei schade, dass es dafür keinen Ersatz gebe. „Es ist schwer, Nachwuchs zu finden.“