Auszeichnung für Theater Uhu Szenen aus dem Warteraum zwischen Leben und Tod

Beuel · Ein Theaterstück aus Bonn sorgt überregional für Aufsehen. Mit „Enter Transit“ hat das Theater Uhu aus der Brotfabrik den Deutschen Amateurtheaterpreis gewonnen. Als Extra gibt es noch einen besonderen Auftritt.

 Das Ensemble des Theaters Uhu in einer Szene ihres Stücks „Enter Transit“.

Das Ensemble des Theaters Uhu in einer Szene ihres Stücks „Enter Transit“.

Foto: Theater Uhu

Besser hätte es für das Theater Uhu nicht laufen können: Mit dem Stück „Enter Transit“ wurde die Theatergruppe Preisträgerin beim achten Deutschen Amateurtheaterpreis „Amarena 2024“ und ausgewählt für das erste Amateurtheater-Festival NRW in Iserlohn. Damit setzte sich das 2008 in der Brotfabik gegründete Ensemble aus Beuel gegen eine starke Konkurrenz durch.

Für die Platzierungen in fünf verschiedenen Kategorien gingen beim Amarena-Wettbewerb rund 120 Bewerbungen ein. Durchgesetzt hat sich das Theater Uhu schließlich in der Rubrik „Ältere“, obwohl es sich als künstlerische Heimat und Theaterlabor für alle unter Hundert versteht. Das Stück, entwickelt von Volker Maria Engel und dem Theater-Uhu-Ensemble, wird am 23. Juni in Iserlohn und am 20. September in Hamburg gezeigt.

„Über diesen Erfolg haben wir uns natürlich sehr gefreut“, sagt Christiane Goepel, Vorsitzende des Theaters Uhu. Es sei ein besonderes Erlebnis zu erfahren, dass „wir mit Themen wahrgenommen werden, die nicht leicht zu entwickeln sind“, erklärt sie.

Das Thema ist keine leichte Kost

Mit „Enter Transit“ präsentieren die Schauspielerinnen und Schauspieler keine leichte Kost, schließlich wird das Leben als Zeit in einem Warteraum präsentiert. „Trotzdem kann zwischendurch immer wieder gelacht werden“, versichert Goepel und ergänzt: „Lichtgestaltung, musikalische Atmosphäre und eindrucksvolle Videosequenzen ziehen intensiv in ihren Bann und helfen, eindrucksvolle Bilder und Szenen aufzunehmen.“ Angesprochen werden dabei Themen wie Rastlosigkeit, Ziellosigkeit, Flucht, Armut, Krieg, Entwurzelung, Beziehungssuche und Macht.

Auf der Bühne laufen Reisende mit ihren Rollkoffern aneinander vorbei. Es entwickelt sich ein babylonisches Stimmengewirr aus Selbstgesprächen, Telefonaten und Lautsprecherdurchsagen. Und plötzlich herrscht Stille. Enter Transit. Es öffnet sich ein Warteraum für Gestrandete, vereint und doch getrennt durch das Warten – auf die nächste Abfahrt, die große Liebe, auf das Wunder

In der Begründung des Kuratoriums des BDAT (Bund Deutscher Amateur Theater) zur Auszeichnung heißt es: „Der Text des Stückes, der aus Improvisationen klassischer Texte entstanden ist, bemüht sich in eindrucksvoller Weise um eine Antwort auf die Frage, was klassische Texte uns heute noch sagen können. Dadurch, dass die Zeit zwischen Geburt und Tod im Format eines Warteraums abgehandelt wird, thematisiert dieses Theaterstück die Hilflosigkeit des Menschen.“

Gemeinsame Arbeit an Szenen und Stück

Aber was macht das Stück besonders? „Vor allem die gemeinsame intensive Stückentwicklung. Die Arbeit mit Text- und Szene-Verschränkungen und das generationsübergreifende Spiel. Viele Wechsel zwischen Ernst, Groteske und Komik durch die sehr individuelle Ausarbeitung der Typen machen den Reiz aus“, sagt Goepel. Auf dem Doppelerfolg will sich das Theater in Zukunft jedoch nicht ausruhen. Mittlerweile präsentiert das Ensemble mit „Café Oblivion“ ein neues Stück. Auch darin geht es um das Thema Abschiednehmen.

Aufgeführt wird „Enter Transit“ in Bonn letztmalig am Mittwoch, 19. Juni, um 20 Uhr im Theatersaal der Brotfabrik. Karten gibt es über Bonnticket, weitere Informationen unter theateruhu-bonn.de.

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