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Leihhühner zu Gast im St. Adelheidisstift: Täglich frische Eier und die Kindheit vor Augen

Leihhühner zu Gast im St. Adelheidisstift : Täglich frische Eier und die Kindheit vor Augen

Zwei Wochen lang konnten sich die Bewohner des St. Adelheidisstifts an zahmen Hennen im Gartengehege erfreuen. Die zutraulichen Tiere wecken bei ihnen positive Gefühle und sorgen für willkommene Abwechslung im von Corona beeinflussten Alltag.

Sie waren der Hit bei den Bewohnern des Seniorenhauses St. Adelheidisstift: fünf zutrauliche Leih-Hennen, die zuletzt im Gartengehege der Einrichtung wohnen durften. Zwei Wochen lang konnten sich die Rentner zusammen mit den Betreuern um die Tiere kümmern.

„Haben Sie schon einmal ein grünes Ei gesehen?", fragt Susanne Müller eine Seniorin im Gartenstuhl und zeigt auf das außergewöhnliche Exemplar in der Glasschale. „Zwischen den braunen Eiern erkennt man es nicht so gut." Die Dame ist sichtlich überrascht, als sie die hellgrüne Farbe des Eis erkennt, als die Betreuerin es in der Hand hält. „Wir haben täglich frische Eier", sagt die Betreuerin. Daraus ließen sich auch schöne Kuchen-Aktionen veranstalten. Waffeln, Poffertjes, Pfannkuchen - die Bewohner entscheiden mit, was es zum Nachmittagskaffee im Garten gibt.

Anwesenheit der Tiere inspieriert zu Gesprächen

„Wie die Hühner auf der Stange“ sitzen gleich acht Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenheims in einer Reihe vor dem Zaun und schauen gespannt auf den gackernden Besuch im Gehege. „Alle sind begeistert, es gibt jetzt noch mehr unterhaltsame Gespräche, die Tiere inspirieren dazu“, sagt Müller, die den sozial-kulturellen Bereich im Adelheidisstift leitet. Viele Senioren kennen die Haltung von Hühnern aus ihrer Kindheit und Jugendzeit, berichtet sie. „Das ist wirklich klasse, denn unsere Bewohner wissen am besten, wie man die Tiere richtig füttert und pflegt, und geben uns viele Tipps."

Die Idee mit den Leihhühnern hatte Müller selbst vor einiger Zeit, sie wollte die Bewohner im Corona-Alltag positiver zu stimmen. Viele der rund 90 Menschen, die im Seniorenhaus leben, haben Demenz. Bei der Krankheit sind es besonders die Erinnerungen aus jungen Jahren, die im hohen Alter noch gut erhalten bleiben. So wecken die zutraulichen Tiere auch bei ihnen positive Gefühle.

Hennen ziehen weiter in andere Einrichtungen

Da aufgrund der Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen nur wenige Besucher gleichzeitig in Altenheimen erlaubt sind, freuen sich die Bewohner in Vilich über einen Spaziergang im Garten, wo sie sich am Kräuterbeet erfrischen, oder dem Klangspiel lauschen können. Umso geselliger war es nun mit dem tierischen Besuch. Doch dieser ist nun erst einmal wieder auf Tour, mal in einem Kindergarten, mal in einer Schule. Und vielleicht bald auch mal wieder im St. Adelheidisstift.

Um den Sommer für die Bewohner weiterhin mit schönen Momenten zu füllen, bietet das Aktivitäten-Programm der Einrichtung seinen Bewohnern weiterhin eine dankbare Abwechslung zur Corona-Isolation. "Normalerweise machen wir Urlaubsreisen an die Mosel oder andere schöne Urlaubsziele", sagt Müller. Dieses Jahr fallen die Pläne allerdings flach. Stattdessen gibt es ein abwechslungsreiches Programm vor Ort.

„Urlaub ohne Koffer“ soll für Abwechslung sorgen

Eine Kosmetikstunde, gemeinsam im Garten musizieren, oder vielleicht doch eine Rikscha-Tour am Wochenende? "Urlaub ohne Koffer" lautet das diesjährige Motto des Seniorenheims. "Viele kommen aus der Nähe und freuen sich, wenn sie mal an ihrem alten Zuhause vorbeifahren können."

Etwa zeitgleich mit den Hennen waren auch einige Bewohner aus einem Altenheim in Bad Münstereifel kurzzeitig im Adelheidisstift untergekommen, denn ihre Einrichtung musste wegen der Flutkatastrophe evakuiert werden. Inzwischen konnten sie wieder nach Hause zurückkehren.