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Theater Bonn dreht Film auf dem Gelände der Rhein-Sieg-Eisenbahn

Kästner und Fontane als Fluchtgeschichte : Theater Bonn dreht Film auf dem Gelände der Rhein-Sieg-Eisenbahn

Es geht um das Unterwegssein, um Flucht und um Lyrik: Auf dem Gelände der Rhein-Sieg-Eisenbahn dreht das Theater Bonn einen Film. Die Beteiligten erklären, was sie später damit vorhaben.

Hollywoodflair in Beuel auf dem Gelände der Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE): „Ton ab“, lautete das Kommando des Regisseurs. „Ton läuft“, die Antwort des Toningenieurs. „Kamera ab“ – „Kamera läuft“, der kurze Dialog mit dem Kameramann. Schließlich nicht „Go“ oder „Action“, sondern ein einfaches „Bitte“ sagte der Regisseur Yunus Wieacker. Schauspielerin Linda Belinda Podszus begann zu spielen.

 Das Theaterteam, von links: Milosz Zmiejewski (Ton), Yves Hzek (Kamera), Yunus Wieacker (Regie), Nadja Groß (Dramaturgie), (davor) Linda Belinde Podszus (Schauspielerin), Samina Celotti (Bühne/Kostüm), (davor) Marte Rohde-Weisert (Requisite) Joachim Großmann (Geschäftsführer RSE).
Das Theaterteam, von links: Milosz Zmiejewski (Ton), Yves Hzek (Kamera), Yunus Wieacker (Regie), Nadja Groß (Dramaturgie), (davor) Linda Belinde Podszus (Schauspielerin), Samina Celotti (Bühne/Kostüm), (davor) Marte Rohde-Weisert (Requisite) Joachim Großmann (Geschäftsführer RSE). Foto: Rainer Schmidt

Das Theater Bonn drehte einen 35-minütigen Film, der nach seiner Fertigstellung Lehrerinnen und Lehrern an Schulen im Großraum Bonn für den Deutschunterricht zur Verfügung gestellt wird. „Da Schülerinnen und Schüler im Moment nicht zu uns ins Theater und wir nicht zu ihnen in die Klassen kommen können, lag es nahe, diesen literarischen, unterrichtsrelevanten Stoff auf digitalem Wege zugänglich zu machen“, erläutert Nadja Groß, die für die Dramaturgie zuständig ist. „Zur Nachbereitung wird ein Workshop per Zoom angeboten, in dem die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit den Theaterpädagoginnen und immer mindestens einem Teammitglied der Produktion über das Gesehene sprechen können.“

„Doaa und das Meer, eine Ballade über das Unterwegssein“, lautet der Titel. Den Text geschrieben und den Film inszeniert hat der Theaterregieassistent Yunus Wieacker, der nun Regie führt. „Doaa und das Meer“ ist seine erste eigene Regiearbeit am Theater Bonn.

Die Theaterproduktion, die sich dem inhaltlichen Abiturschwerpunkt „unterwegs sein“ mit der Lyrik von der Romantik bis zur Gegenwart widmet, ist speziell für Schulklassen konzipiert. Für die Textfassung wurden Gedichte deutscher Autoren wie Erich Kästner, Theodor Fontane oder Joseph von Eichendorff mit der teilfiktiven Fluchtgeschichte einer jungen Syrerin, Doaa, verschnitten und in Balladenform verfasst.

„Die Verschneidungen der Themen und Textsorten ermöglichen es, eine Brücke zu schlagen von der europäischen zur arabischen Welt und aufzuzeigen, dass Menschen egal welcher Zeitepoche und kultureller Identität durch dieselben und zutiefst menschlichen Themen wie Liebe, Einsamkeit, Wehmut, Trauer oder unbändigem Lebenswillen verbunden sind“, sagt Wieacker zu seinem Werk.

Die Szenen wurden binnen zwei Tagen auf dem Gelände der RSE in Beuel gedreht. „Diese Kooperation war ein echter Glücksfall für die Theaterproduktion, denn der Ort bietet mit seinem melancholisch anmutenden Abstellgleis, den Waggons und den alten, historischen Holzschuppen sowie dem grünen Wildwuchs so viel Atmosphärisches an, dass es kaum klassische Theaterausstattung brauchte“, erläuterte Nadja Groß.

Dass es in einer Szene auch mal schneite, das war dann Theaterzauber. Man habe das Gelände schon mal in einer früheren Produktion gesehen und schätzen gelernt. „Der Anfrage des Theaters habe ich sofort zugestimmt“, sagte Joachim Großmann, Geschäftsführer der RSE. „Wenn wir in diesen Zeiten dem Theater und den Schulen helfen können, dann tun wir das gerne.“ Seinem Geschäftsführerkollegen Walter Zienow blieb es schließlich vorbehalten, den alten roten Schienenbus VT25 in die kameragerechten Positionen zu fahren und für entsprechende „Action“ zu sorgen.