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Tod von Hans Lennarz: Niemand prägte Beuel so nachhaltig - Nachruf

Nachruf : Niemand prägte Beuel so nachhaltig wie Hans Lennarz

Hans Lennarz ist tot. Der ehemalige Beueler Bezirksvorsteher ist am Donnerstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Sein Tod stimmt viele Menschen im Stadtbezirk traurig.

Seit dem Wochenende tragen die Städtepartnerschaftswappen auf dem Mirecourtplatz am Rheinufer Trauerflor. Damit verneigt sich der Partnerschaftsverein Beuel-Mirecourt vor seinem verstorbenen Ehrenvorsitzenden Hans Lennarz. Der bei nahezu allen gesellschaftlichen Gruppierungen des Stadtbezirks beliebte ehemalige Bezirksvorsteher ist am Donnerstag im Alter von 85 Jahren friedlich eingeschlafen. Auf Wunsch der Familie berichtet der GA erst jetzt.

 Ob in der Politik, im Karneval, bei Pützchens Markt, im Heimatmuseum oder bei der Städtepartnerschaft mit Mirecourt in Frankreich – Hans Lennarz hat seine Handschrift im Stadtbezirk an vielen Stellen des gesellschaftlichen Lebens hinterlassen. Er war ein Original, ein wandelndes Geschichtsbuch, ein Geschichtenerzähler und ein Mensch, dessen Humor ansteckend war. Hans Lennarz war eine Persönlichkeit, die wie kaum eine andere mehr als ein halbes Jahrhundert lang Beuel geprägt hat.

Hans Lennarz und die Kommunalpolitik: Er war Polit-Urgestein, war fast 50 Jahre im Dauereinsatz für Beuel. 1961 wurde er in den Rat der Stadt Beuel gewählt. Er war der letzte noch lebende Ratsherr der bis 1969 eigenständigen Stadt Beuel. 2009 verabschiedete er sich aus der Politik. Zuvor war er über viele Jahre Bezirksvorsteher von Beuel.

Hans Lennarz und die Städtepartnerschaft: Er zählte zu den wenigen offiziellen Zeitzeugen, die 1965 den historischen Glockentausch zwischen Mirecourt und Beuel – der Ursprung der Freundschaft zwischen beiden Städten – miterlebt haben. 2000 gründete Lennarz in Beuel den Städtepartnerschaftsverein, dessen Ehrenvorsitzender er war. 2019 wurde das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft groß gefeiert. Aus diesem Anlass wurde auf Initiative von Lennarz das Rondell am Rheinufer in Mirecourtplatz benannt. Der Text auf der Infotafel stammt aus seiner Feder.

Hans Lennarz und Pützchens Markt: Als er 2009 seinen Rückzug aus der Politik verkündete, ließen ihm die Schausteller und der Stadtbezirk eine besondere Ehre zuteilwerden: Der Weg entlang des Bayernzelts wurde auf den Namen Hans-Lennarz-Allee getauft. Wolfgang Hürter, langjähriger politischer Weggefährte und damaliger Bezirksbürgermeister, sagte bei der Enthüllung des Straßenschilds: „Diese Ehre hast Du Dir verdient. Pützchens Markt ist ein Hauptbestandteil Deines kommunalpolitischen Wirkens.“ Bis zu seinem Tod war Hans Lennarz in Sachen Kirmes aktiv: Als Mitglied des Vereins Pützchens Markt hilft sammelte er immer noch Geld für den Kinder- und Waisentag am Kirmesmontag ein. Dass der Jahrmarkt 2020 coronabedingt ausgefallen war, bedauerte Lennarz sehr, fand die Entscheidung aber richtig. Die Entscheidung, ob das Volksfest in diesem Jahr stattfinden kann, erlebt er nun nicht mehr mit.

Hans Lennarz und das Heimatmuseum: Seit 1999 wirkte er dort als Museumsleiter. Sein Wissen über Beuel befähigte ihn für dieses Amt. Lennarz war sozusagen ein Heimatlexikon auf zwei Beinen. Weil seine Gesundheit es 2020 noch zugelassen hat, wurde er noch einmal für eine weitere Amtszeit als Leiter des Museums gewählt. Er war allseits anerkannter Ansprechpartner in Sachen Beueler Historie. Sein Credo lautete: „Ich möchte mein Wissen und meine Erfahrung gerne weitergeben – an diejenigen, die es wollen.“

Hans Lennarz und der Karneval: Aktiv war er bis zuletzt noch im Elferrat der Schwarz-Gelbe Jonge, fuhr Jahr für Jahr im Weiberfastnachtszug durch Beuel. Was auch ihm nicht gelungen ist: Als Bezirksvorsteher hat er an Weiberfastnacht die Macht im Rathaus nie behalten können.

Hans Lennarz und die Familie: Er war Familienmensch durch und durch – auch wenn er in seiner aktiven Zeit wenig zu Hause war. Ehefrau Mar­gret hat in seiner Abwesenheit an der Stiftsstraße 24 die Regie geführt. Fast 55 Jahre waren die beiden ein eingespieltes Team. Vor acht Jahren starb sie ganz überraschend.

„Hans Lennarz war ein Beueler Urgestein. Mit ihm verlässt uns ein wichtiges Stück Beueler und Bonner Stadtgeschichte. Seine Verdienste um das kommunale Gemeinwohl und die deutsch-französische Aussöhnung sind weitreichend“, sagte Guido Déus (CDU), ehemaliger Beueler Bezirksbürgermeister und heutiger Landtagsabgeordneter. Guido Pfeiffer, Fraktionschef der Beueler Grünen, erklärte: „Der Stadtbezirk Beuel verliert einen außergewöhnlichen Menschen.“

Anlässlich seines 85. Geburtstags im vergangenen Jahr fragte der GA ihn, was er sich von der Zukunft erwartet? Seine Antwort lautete: „Ich hoffe, dass wir uns alle bald wieder treffen und vor allem das Vereinsleben wieder hochfahren können.“ Und fügte an: „Ich will noch mehr loslassen. Mein Tatendrang kommt zum Erliegen. Alles hat seine Zeit, und meine Zeit habe ich gehabt“. Jetzt hat er losgelassen  für immer.