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Totensonntag und Corona in Bonn: So wird auf Bonner Friedhöfen getrauert

Totensonntag in Bonn : Wie funktioniert das Trauern auf Friedhöfen in Corona-Zeiten?

Auf den Beueler Friedhöfen besuchen viele Menschen am Totensonntag die Gräber ihrer Angehörigen. Sie bringen Blumen und Lichter mit. Auch in Corona-Zeiten waren viele Bonner unterwegs, um zum Beispiel an den Gräbern zu trauern.

Friedhöfe sind Orte der Stille, aber manchmal ist es schön, wenn diese Stille durchbrochen wird. Auf dem Beueler Friedhof am Platanenweg hörten Besucher am Totensonntag vormittags Musik. Die Schwestern Ursula und Barbara Flory hatten Klarinette und Posaune mitgebracht und spielten an vier Gräbern Verstorbener, die ihnen nahe standen, Lieder. Eine herzliche Art des Gedenkens, für das die beiden von anderen Friedhofsbesuchern Dank und Lob bekamen.

Schon seit mehreren Jahren stellen sich an diesem evangelischen Gedenktag (siehe Infokasten) mit Instrument und Notenständer auf. Einer der Verstorbenen sei Mitglied im Posaunenorchester gewesen, in dem sie auch spielen, berichteten die Florys. In manchen Jahren seien sie auch schon mal zu dritt oder zu viert auf dem Friedhof gewesen. Eigentlich würden sie auch an Allerheiligen zur Gräbersegnung auf den Friedhöfen in Duisdorf spielen. „Das ist in diesem Jahr abgesagt worden, obschon die Zusammenkunft unter freiem Himmel stattfindet.“

Corona mache es schwierig, angemessen zu trauern. „Was Menschen tröstet, ist zusammenzukommen, gemeinsam zu trauern und verarbeiten zu können“, sagte Ursula Flory. Doch das sei in dieser Form derzeit eben nicht möglich. „Auch Trauerbegleitung findet viel weniger statt.“

Ermahnung zum Abstandhalten

Am Totensonntag ließen sich die Menschen nicht vom Trauern abhalten. Auf den Friedhöfen herrschte zwar Betrieb wie die Jahre sonst, aber es waren doch kontinuierlich Menschen unterwegs. Einige besuchten nur kurz die Gräber Angehöriger, andere waren für umfangreiche Pflegearbeiten gekommen oder um wenigstens frische Blumen an die Gräber zu bringen. So wie Marianne Werner, die diese Blumen extra bei der Friedhofsgärtnerei neben dem Beueler Friedhof bestellt hatte.

Sie brachte die Blumen zum Grab ihres Mannes, der vor 18 Jahren während einer Fahrradtour zur Beueler Partnerstadt Mirecourt starb. Für sie als Protestantin ist  der Totensonntag natürlich der Anlass, sich um sein Grab zu kümmern. Wegen des Virus zu Hause zu bleiben, kam für sie nicht in Frage. „Ich nehme die Corona-Zeit, wie sie ist. Ich tue nicht, was ich nicht darf, mache aber sonst das, was ich für richtig halte.“

Sie trug den Mund-Nasen-Schutz – mit einem Aufdruck, der an die Partnerschaft Beuel-Mirecourt erinnert, das hätte ihrem Mann gefallen. An den Friedhofseingängen wird auch gemahnt, den Abstand einzuhalten. „Hier kann man sich ja gut aus dem Weg gehen“, meinte Marianne Werner.

In Pützchen an der Karmeliterstraße trauerten viele Menschen, darunter auch eine Frau und ihre Mutter um ihren im Juni verstorbenen Vater beziehungsweise Mann. Sie seien, weil das so frisch ist, noch regelmäßig hier, sagten sie. „So schnell kann man das nicht abhaken“, sagte die Mutter. „Wir sind prinzipiell eine Stunde am Tag draußen unterwegs“, erklärte die Tochter. Da liege der Friedhof auf dem Weg. Sie wolle ihre Mutter mobil halten, vor allem in Corona-Zeiten. „Wenn sie nur im Haus sitzt, baut sie körperlich ab, das will ich nicht riskieren.“

Moment der Besinnung

Auch in Schwarzrheindorf herrschte rege Grabpflegeaktivität. Auf vielen Ruhestätten prangten frische Blumen in leuchtenden Farben. Ein Ehepaar hielt vor dem Eingang, der Mann nahm drei Grablichter aus dem Kofferraum - der Vorrat war jedoch noch größer. Es gelte, fünf Gräber auf drei Friedhöfen zu pflegen, erklärte er.

Die Handgriffe, die Aufgaben und der ruhige Moment des Gedenkens - das ist bei den Friedhofsbesuchern überall ähnlich. In Holzlar allerdings kämpft Sebastian Salzwedel an der  Grabstätte seines Vaters und seiner Großeltern mit dem Laub. Dort, wo sich der Gottesacker an den Rand des Ennertwaldes schmiegt, gibt es viel Arbeit wegen der Blätter, und was der Wind sonst noch alles aus dem Wald anweht. Salzwedels Vater ist in diesem Jahr verstorben. Deshalb sei er derzeit oft dort, aber der Totensonntag sei ein besonderer Anlass.

Trauern sei in Corona-Zeiten nicht anders als sonst, wobei er von sich sagte, eher pragmatisch an die Sache zu gehen: Gedenken durch Grabpflege. „Man verbindet im Grunde das Besinnliche mit dem Praktischen“, so der Holzlarer. „Jeder verarbeitet den Tod anders. Aber er gehört nun mal zum Leben.“

Größere Gedenkveranstaltungen gab es am Totensonntag auf der rechten Rheinseite nicht. Lediglich auf dem Bonner Nordfriedhof versammelten sich die im Bonner Bund der Vertriebenen vereinigten Landsmannschaften zum Totengedenken mit Kranzniederlegung. Damit wollte sie wie jedes Jahr Angehörigen ost- und sudetendeutscher Familien eine Möglichkeit der Trauer bieten und an die durch Flucht und Vertreibung fern der Heimat Verstorbenen erinnern.