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Turn- und Sportverein: TuS Oberkassel feiert sein 125-jähriges Bestehen

Turn- und Sportverein : TuS Oberkassel feiert sein 125-jähriges Bestehen

Der TuS Oberkassel wird in diesem Jahr 125 Jahre alt – und blickt auf seine Gründung zurück. Heute steht der Verein vor neuen Herausforderungen, kann sich aber auf die Treue seiner Mitglieder verlassen.

Kaum fünf Jahre ist es her, dass der damalige Bonner Oberbürgermeister Ashok Sridharan seinem Grußwort in der Festschrift zu 120 Jahren Turn- und Sportverein Oberkassel (TuS Oberkassel) ein Zitat von Joachim Ringelnatz voranstellte: „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine, kürzt die öde Zeit, und er schützt uns durch Vereine vor der Einsamkeit.“ Kaum eine Formulierung könnte heute passender für das Sportangebot des TuS Oberkassel sein, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert. Für den Sommer war bereits eine mit vielen Veranstaltungen prall gefüllte Festwoche in Planung. Vom Sport- und Spielefest auf dem Sportplatz, über einen Jedermann-Lauf durch Oberkassel, bis hin zu einem Festabend in der Jupp-Gassen-Halle für den bereits Bands wie „MAM“ oder „Druckluft“ reserviert waren.

„Wir hatten im vergangenen Jahr schon viel Arbeit in die Vorbereitung gesteckt“, sagt Ute Kampffmeyer. Statt auf dem Sportplatz, wo ein Gespräch mit dem GA inmitten einer trainierenden Kinderschar vorgesehen war, sitzt die TuS-Übungsleiterin nun wegen verschärfter Corona-Regeln in gebotenem Abstand mit Horst Derenbach auf einem Trampolin inmitten ihres Wohnzimmers. Von dort aus schickt sie zweimal wöchentlich einen Livestream in die Wohnungen der Vereinsmitglieder, die dankbar ihre Angebote zu hochintensivem Intervall- oder Faszientraining wahrnehmen. Schnell hat sich der rund 900 Mitglieder starke Verein auf die kontakt- und berührungslosen Zeiten eingestellt. Neben der Möglichkeit, auch Zumba im Livestream zu erleben, sind inzwischen etliche Anleitungs- und Mitmachvideos auf der Homepage des Vereins zu finden (www.tus-oberkassel.de). Mit dem Motto „Mehr als nur Sport…“, was sich der Verein zum 125. Jahr seines Bestehens gegeben hatte, wird er auch dem Ringelnatz-Gedanken, dass Sport die „öde Zeit“ verkürzt, auf seine Weise gerecht. „Unsere Mitglieder wissen das zu schätzen“, sagt Derenbach (79), der seit 38 Jahren als Erster Vorsitzender die Geschicke des Vereins lenkt. Er sei stolz darauf, sagt er, dass es kaum Mitglieder gebe, die aufgrund der Corona-Pandemie den Verein verlassen hätten. „Ich bin dankbar dafür, dass wir auch in schwierigen Zeiten so gut zusammenhalten“, freut er sich. Schließlich sei der Verein auf die Mitgliedsbeiträge angewiesen, um sich auch weiterhin „so hervorragende Trainer und Übungsleiter“ leisten zu können, wie er betont. Nur so konnten die Handball- und die Tischtennisabteilungen zu „Aushängeschildern“ des TuS Oberkassel werden. Das war bei seiner Gründung vor nun bald 125 Jahren nicht absehbar. Zu Kaiser Wilhelms Zeiten waren es zunächst nur 18 sportbegeisterte Oberkasseler, die sich am 22. November 1896 zu einem Bund aktiver Turner zusammenschlossen. „Große Gestalten waren dabei“, fasste Derenbach schon zum 100. Geburtstag des Vereins zusammen. Er erinnert sich in der damnaligen Jubiläumsschrift an einige der Vereinsvorsitzenden aus der Nachkriegszeit: Als er mit 16 Jahren dem TuS Oberkassel beitrat, war noch Herbert Schonauer, der spätere Bürgermeister von Oberkassel, Erster Vorsitzender. „Ein engagierter Mann, dem es gelang, die Wunden aus Kriegs- und Nachkriegszeit Zug um Zug zu heilen und den Verein auf die Neuzeit einzustellen“, so Derenbach. Es folgten Ludwig Werker, Johannes Lieberwirth und Hans Lepper, bevor Derenbach 1983 den Vorsitz im TuS übernahm.

Verein gehört zur Familie

„Der Verein ist auch Teil meiner eigenen Geschichte“, sagt Kampffmeyer auf die Frage, was der TuS für ihr Leben bedeutet. „Er gehört zu meiner Familie.“ Mit fünf Jahren ist die heute 58-jährige Übungsleiterin zunächst zum Kindertanzen des TuS Oberkassel und bald schon zu der Show- und Gardetanzgruppe Nixen vom Märchensee gekommen, die damals wie auch heute noch von ihrer Mutter Christa Obermeier geleitet wird. „Die Nixen vom Märchensee gehören zu Oberkassel wie der Dom zu Köln“, heißt es auf der Webseite des Vereins. Bald wird auch für die vier- bis 14-jährigen Mädchen und Jungen ein virtuelles Training angeboten, auf das man sich schon freut. „Obwohl sich viele kleinere Kinder im bereits zweiten Corona-Jahr schon total an das Abstandhalten während der Präsenztrainings gewöhnt haben“, sagt Kampffmeyer nachdenklich. Schließlich hätten einige ihren Sport noch gar nicht anders kennengelernt.

„Kinder und Jugendliche sind das Kapital eines jeden Vereins“, sagt Derenbach, der in der Kinder- und Jugendarbeit neben den Breitensport- und Leichtathletikangeboten seines Vereins immer einen Schwerpunkt gesehen hat. In der nächsten Vorstandssitzung, die möglichst nicht mehr virtuell stattfinden soll, wird Derenbach voraussichtlich seinen Vereinsvorsitz an – sofern ihre Wahl bestätigt wird – Kampffmeyer übergeben. Für ihn, der sich voller Begeisterung an die legendären Zeiten des Vereins erinnert, der an Jahre denkt, wo Norbert Blüm Schirmherr des gerade 100 Jahre alten Vereins wurde und wo man sich zu Schiffstouren auf den Rhein begab, wird es nicht einfach sein, seinen Verein in andere Hände abzugeben. „Doch wenn es so kommt“, sagt Kampffmeyer, „wird es einen weichen Übergang geben.“ Gerne möchte sie für den Verein von den reichen Erfahrungen Derenbachs profitieren.