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Geschäftsleute berichten über aktuelle Lage: Umsatzeinbußen von bis zu 75 Prozent wegen Corona in Beuel

Geschäftsleute berichten über aktuelle Lage : Umsatzeinbußen von bis zu 75 Prozent wegen Corona in Beuel

Über ihre aktuelle Lage und Erfahren mit dem zweiten Lockdown berichten drei Beueler Geschäftsleute. Sie stellen auch fest: Kunden sind für Angebote dankbar.

Der Kontakt zu den Kunden fehlt ihnen allen. Bianca Quadt, Markus Gajewski und Norbert Schumacher erleben den zweiten Lockdown sehr ähnlich. Die drei Geschäftsleute müssen erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen, aber sie wollen nicht klagen. „Ich bin mir sicher, dass es Einzelpersonen und Familien gibt, die es deutlich schwerer trifft als mich“, sagt Bianca Quadt im Gespräch mit dem GA.

Die Eigentümerin des Geschäfts „Schreiben – Lesen – Spielen“ in der Friedrich-Breuer-Straße bietet ihre Verkaufsprodukte auf vielen verschiedenen Wegen an: Click & Collect, Call & Collect, Facebook, Instagram und per E-Mail. „Die Kunden sind sehr dankbar, dass sie bei uns bestellen können und wir die Ware an der Geschäftstür übergeben“, so Quadt. Den Januar schließt sie im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einem Verlust von mehr als 70 Prozent ab. „Wir kommen über die Runden, weil ich Geld dazubuttere. Aber das tue ich gerne, weil ich weiß, dass sich unsere Lage bald wieder deutlich verbessern wird“, erklärt Bianca Quadt. Kurzarbeit hat sie nicht angemeldet und auch kein Personal entlassen.

Über mehrere Kanäle in Kontakt mit Kunden

Markus Gajewski, Chef des Kommunikationsunternehmens Handy Loft in der Kreuzstraße, steht ebenfalls mit seinen Kunden über zahlreiche Kanäle in Kontakt: „Das funktioniert ganz gut. Wir haben bislang alle Kundenwünsche erfüllen können. Aber der Umsatz des Unternehmens ist stark eingebrochen. „Ich gehe davon aus, dass wir nur 25 Prozent des Vorjahresergebnisses erreichen“, so Gajewski.

Werner Koch, Vorsitzender der Gewerbe-Gemeinschaft Beuel, bestätigte: „Die meisten unserer Mitglieder verzeichnen Einbrüche von bis zu 75 Prozent.“ Er habe noch keinen Überblick darüber, ob Beueler Geschäfte schließen müssen.

Norbert Schumacher, der von seinen Kunden Nobbi genannt wird, empfindet ähnlich: „Die soziale Schiene, die fehlt. Das bin ich gar nicht mehr gewohnt, hier alleine zu sein.“ Sein Plattenladen an der Marienstraße unweit des Sankt-Josef-Hospitals ist nicht nur wegen seines sagenhaften Angebots von mehr als 100 000 Secondhand-Schallplatten eine Kultstätte für Vinyl-Liebhaber. „Irgendwo ist das auch ein Treffpunkt von Musikverrückten“, sagt der Mann mit dem langen blonden Haarschopf. „Das ist alles so völlig komisch.“

Er reicht einem Kunden ein paar Platten durch die Ladentür. Es ist ein Arzt, der seinen Namen nicht erwähnt haben will. „Die Musik ist das, was mir durch diese Zeit und durch den Stress hilft“, sagt der und winkt mit ein paar „Kultplatten von Edgar Winter“. Er schaut auf die Cover, und seine Gesichtszüge bekommen einen lächelnd-zufriedenen Ausdruck.

„Ich bin von so vielen Stammkunden angeschrieben worden, dass ich mich entschlossen habe, einen Bestell- und Abholservice anzubieten“, sagt Nobbi. Die Kunden können montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr unter ☎ 02 28/46 65 95 anrufen und Platten oder CDs bestellen und diese später an der Marienstraße 21 abholen.

Die Stimmung sei bei vielen seiner Kunden schlecht, vor allem bei den Singles, die den ganzen Tag im Homeoffice sitzen und dann auch noch die Freizeit in den selben vier Wänden verbringen. Das bekomme er immer wieder zu hören. „Aber der Lockdown zieht mich auch ein bisschen runter“, gibt Nobbi unumwunden zu, während er eine Kiste mit Schallplatten aus dem Weg räumt. Sein Rezept gegen den Corona-Blues? „80er-Jahre-Musik. Ich höre zurzeit fast nur Platten aus dieser Zeit: Simple Minds, Bruce Springsteen, Dire Straits, Pink Floyd. Und natürlich Mountain. Die reißen doch jeden sofort aus jedem Tief.“

Überall in seinem Geschäft stapeln sich Kisten voller Schallplatten. „Jetzt habe ich wenigstens Zeit, die letzten Ankäufe von Sammlungen zu sichten und sortieren“, erklärt Nobbi, der seinen Laden mittlerweile schon seit mehr als 25 Jahre an diesem Standort betreibt. Die Wünsche und Vorlieben seiner Stammkunden kennt er so gut, dass er beim Durchschauen das eine oder andere Schätzchen beiseitelegt. An der Theke liegen einige Platten mit Zetteln versehen. Zum Beispiel „Headhunter“ von der schweizerischen Hard-Rock-Band Krokus mit einem metallenen Totenkopf auf dem Cover. „Ich weiß genau, dass ich damit einem Kunden eine Riesenfreude machen kann“, sagt Nobby.

„Und Jazz wird unheimlich gefragt. Die Klassiker von Miles Davis bis Dave Brubeck werden viel gefragt – viel mehr als sonst. Anscheinend hilft Jazz auch beim Corona-Blues“, sagt Nobby und lacht, während er eine Tasche mit Singles packt. Für wen sind die? „Die bekommt mein Single-König“, sagt er schmunzelnd. Er habe da einen ganz besonderen Stammkunden, der in einer Betreuten Wohneinrichtung lebe und kaum rauskomme. Den fahre er einmal in der Woche besuchen und schenke ihm die kleinen Schallplatten – ein besonderer Service in aktuellen Zeiten von Corona.