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Neue Nutzung für Trafo-Haus: Umzug in die Turmstation

Neue Nutzung für Trafo-Haus : Umzug in die Turmstation

Eine Lösung für die Raumnot bietet sich für die Schützenbruderschaft St. Sebastianus in Küdinghoven. Wenn die Bezirksvertreter in Beuel zustimmen, können die Schützen das alte Trafo-Gebäude am Dorfplatz nutzen.

Mit Unbehagen sah die Küdinghovener Schützenbruderschaft St. Sebastianus dem Jahresende entgegen: Bis spätestens zum 31. Dezember müssen sie die dem Dorfplatz nahe gelegene Garage räumen, die sie seit mehr als 25 Jahren nutzen. Hier lagern sie nicht nur die Lafette für das einzige Großkalibergewehr des Vereins, sondern auch zahlreiche Geräte und Utensilien, die meist nur zum jährlichen Schützenfest vor dem Pfingstfest gebraucht werden. Doch jetzt zeichnet sich eine Lösung ab: Demnach können sich die Küdinghovener Vereine auf die Nutzung der Turmstation auf dem Dorfplatz freuen. 

„Dass wir nun voraussichtlich noch näher zu unserem Hochstand auf dem Dorfplatz rücken, ist ein Glücksfall“, sagt Alexander Gierlich, Vorsitzender der ältesten Schützenbruderschaft Bonns. 1333 wurden die Küdinghovener Schützen erstmals erwähnt. „Wenn alles klappt“, so Fenja Wittneven-Welter, SPD-Stadtverordnete für Ramersdorf, Küdinghoven und Oberkassel, „dann ist das eine schöne Geschichte.“

Sie beginnt damit, dass die Stadtwerke Bonn das 1956 für rund 3300 DM erstellte Trafo-Häuschen, das sich am Rand des Küdinghovener Dorfplatzes befindet, nicht mehr benötigten. Als Ersatz für diese Netzstation wurde an der Kirchstraße bereits eine moderne Kompaktstation errichtet. „Ein Retrofit der Turmstation hätte sich für uns nicht als wirtschaftlich dargestellt“, teilt Veronika John von den Stadtwerken auf Anfrage mit.

Die Turmstation sei damals errichtet worden, um die umliegenden Häuser über Freileitungsanschlüsse zu versorgen, die allerdings auch heute noch auf Bonns rechter Rheinseite zu finden sind. Durch die Bauhöhe des Turms konnte die Freileitung unterhalb des Daches befestigt und an das Stromnetz angeschlossen werden. „Da die BonnNetz seit der Übernahme des Netzgebiets von der Westnetz jedoch zunehmend auf Verkabelung setzt, was insbesondere dem Wunsch der Stadt Bonn entspricht, wird die Bauform der Anlage so nicht mehr benötigt“, so John.

Noch gibt es 34 Turmstationen im Bonner Stadtgebiet. Dem gegenüber stehen etwa 1250 moderne Netzstationen und 600 Anlagen für Großkunden. Jedes Jahr wird inzwischen eine zweistellige Zahl von Turmstationen abgebaut.

Die Erfahrung, dass eine Umnutzung der ausgedienten Trafo-Stationen nicht immer einfach ist, machte bereits die Beuelerin Daniela Kinkel mit ihrer „Kunigunde“ (der GA berichtete). Der Wunsch, den in Mehlem ausgemusterten Turm, den sie vor acht Jahren kaufte, zur Ferienwohnung für Radtouristen auszubauen, wurde von Stadt und Politik im Hinblick auf das reine Wohngebiet abgelehnt. Folglich wird nun aus „Kunigunde“, die ihren Namen von der gleichlautenden Straße erhielt, an dem sie steht, ein Wohnhaus mit mehr als 50 Quadratmetern Fläche auf zwei Ebenen und einem Anbau. Als sogenanntes Tiny House liegt das Bauvorhaben voll im Trend des Zeitgeistes. Und: Sobald sie irgendwo eine alte Station sehe, sagte Kinkel dem GA, „halte ich drauf“. Allerdings seien viele Objekte nicht für Wohnzwecke geeignet, so die Turmliebhaberin.

Diese Einschätzung dürfte auch für das Küdinghovener Trafo-Häuschen zutreffen. Die Stadtwerke wollten es abreißen und das Grundstück an die Stadt zurückgeben. Alexander Gierlich erfuhr davon und sprach seine Stadtverordnete auf den künftigen Leerstand auf dem Dorfplatz an. „Es war nicht einfach, die Verantwortlichen zu finden, die vonseiten Stadt und Stadtwerke zuständig waren“, so Wittneven-Welter.

Doch als diese erste Hürde genommen war, sei alles ganz einfach und kooperativ gewesen. Man traf sich vor Ort und besichtigte das Turmhaus. Wie bei „Kunigunde“ gibt es auch bei dem noch namenlosen Turm, der in Anlehnung an den Schutzpatron der Schützenbruderschaft in Zukunft „Sebastianus“ heißen könnte, einen Zwischenboden, der die Grundfläche von etwa 3,3 mal 3,3 Metern verdoppelt. Nach Vorstellung der Bruderschaft sollte der knapp acht Meter hohe Turm sowohl ihren Zwecken als Lagerraum dienen, als auch den weiteren Vereinen Küdinghovens, die auf dem Dorfplatz aktiv sind, zur Verfügung stehen können. Übrigens: Um einem möglichen Missverständnis vorzugreifen, stellt Gierlich klar, dass in dem Turm keine Waffen jedweder Art gelagert werden sollen.

Die Junggesellen des Ortsteils dürften sich über einen Abstellraum genauso freuen wie beispielsweise auch der Boule-Verein, der den attraktiven Platz an der Kirchstraße mit seinen Sandwegen, Wiesen und dem Spielplatz für den Wurf auf die Cochonnet oder Schweinchen genannte Zielkugel mit den eisernen Boulekugeln nutzt. „Durch die Nutzung verschiedener Vereine“, so Wittneven-Welter, „dürfte einer Zustimmung durch die Bezirksvertretung nichts mehr im Wege stehen.“

Der Antrag sieht vor, dass die Stadt den Turm von den Stadtwerken übernimmt und die Schützen den Turm grundmietfrei nutzen können. Im Gegenzug soll die St. Sebastianus Schützenbruderschaft die Nebenkosten tragen und den Turm instand halten.

Schon jetzt hofft Brudermeister Gierlich zudem darauf, dass die Vereine und ortsansässigen Handwerker in großer Zahl und tatkräftig bei der Sanierung des Turms zur Stelle sein werden.