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Serie „Ehrenamt in Beuel“: Verein LeA will Demenzkranken glückliche Momente bescheren

Serie „Ehrenamt in Beuel“ : Verein LeA will Demenzkranken glückliche Momente bescheren

In der GA-Serie „Ehrenamt in Beuel“ stellt der GA den Verein Lebensqualität im Alter (LeA) vor. Hier werden Freiwillige gesucht, die in unterschiedlichen Funktionen Menschen mit Demenz begleiten.

Die Erinnerungen an das gemeinsame Familienleben, an Geburtstage, Urlaube oder die Einschulung der Kinder scheinen vergessen. Die Eheleute, Väter oder Mütter können sich bei fortschreitender Demenz oft nicht mehr wie gewohnt mitteilen, ihre Persönlichkeit verändert sich. Es ist eine Belastung für die ganze Familie, auch für die Enkel. Der Verein Lebensqualität im Alter (LeA) mit Sitz in Beuel bietet Angehörigen Unterstützung im Alltag an und betreut Erkrankte an zwei Tagen in der Woche. Ohne Ehrenamtliche wäre dieses Angebot nicht denkbar.

LeA-Treff heißt das Betreuungsangebot für Menschen mit Demenz. Der große Raum ist wie ein gemütliches Wohnzimmer eingerichtet, die Begrüßung der Gäste, so nennen die LeA-Mitglieder und Ehrenamtlichen die Besucher, ist herzlich. An einem großen Tisch können die Gäste malen, Spiele spielen oder gemeinsam Kaffee und Kuchen genießen. Immer dienstags von 11 bis 17 Uhr und donnerstags von 15 bis 18 Uhr öffnet der Treff – wenn die aktuellen Pandemie-Regeln es erlauben. Vor der Ausbreitung des Corona-Virus sind etwa 15 Gäste regelmäßig gekommen. Ehrenamtliche Fahrer holen sie ab und bringen sie zum Haus in der Straße An der Wolfsburg.

1,6 Millionen Betroffene bundesweit

Derzeit leiden nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) fast 1,6 Millionen Deutsche an Demenz. Pro Jahr erkranken deutschlandweit etwa 300.000 Menschen, bis 2050 könnte die Gesamtzahl der Betroffenen einer Prognose des BMBF zufolge auf drei Millionen Menschen ansteigen.

Die Zunahme der Krankheitsfälle spüren auch die Organisatoren im Verein LeA. In Zusammenarbeit mit der Freiwilligenagentur in Bonn, einer Einrichtung der Stadt, sucht der Verein Ehrenamtliche, die mithelfen, die Gäste – je nach Vorkenntnis – zu begleiten. Das müssen nicht nur Interessierte sein, die durch ihren Beruf, etwa im sozialen Bereich, entsprechend vorgebildet sind. Wichtig ist es dagegen, offen und empathisch für die Begegnung mit den Erkrankten zu sein. „Wir suchen zum Beispiel Menschen, die sich mit Computern auskennen, die uns als Fahrer unterstützen würden, die mit unseren Wagen auch mal zum Tanken oder Tüv fahren. Auch das hilft uns sehr“, sagt Birgit Ratz, Vorsitzende des Vereins LeA. Und sollten sich in den nächsten Wochen und Monaten genug Interessierte für eine Begleitung im Treff melden, wäre die Einrichtung eines dritten Tags denkbar, so Ratz.

Ehrenamtliche aus Beuel

Ebenfalls über die Freiwilligenagentur hat Helmut Fleßing (77) aus Beuel den Weg zum LeA-Treff gefunden. Bereits seit 2013 unterstützt er das Angebot als Fahrer: Er holt die Gäste ab und bringt sie wieder nach Hause. „Für mich ist das eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich habe viel dazugelernt und erlebe die Gäste, aber auch die Angehörigen, als sehr dankbar“, sagt Fleßing. Auch er hatte beim Einstieg keine Vorerfahrung. „Ich habe früher beim Bundeskartellamt gearbeitet und auch sonst nicht so viel mit sozialen Angeboten zu tun“, sagt Fleßing. Überrascht hätten manche Bekannte auf sein Engagement im LeA-Treff reagiert. „Sie fragten, ob ich tatsächlich kein Geld dafür bekomme“, berichtet Fleßing.

Auch für die Ehrenamtliche Sabine Graaf (65) ist das Geld nicht ausschlaggebend, sondern die Hilfe für andere. „Ich mache das bewusst ohne Geld, denn helfen macht Freude“, sagt die Diplom-Pädagogin aus Beuel. Sie verfügt über Vorerfahrung, leitete beispielsweise ein sozial-psychiatrisches Zentrum. Seit zehn Jahren ist sie Mitglied bei LeA, seit ihrem Vorruhestand 2020 unterstützt sie den Treff und berät dort Angehörige und schult neue Mitarbeiter.

Sinnvolle Angebote schaffen

Die Idee des LeA-Treffs ist nicht nur die Entlastung, in unterschiedlichen Angeboten sollen sich die Gäste sinnvoll beschäftigen können, Momente vielleicht als glücklich empfinden. Das kann in vielen Fällen auch die Erinnerung anregen. So gab es bis zum Beginn der aktuellen Pandemie eine Zusammenarbeit mit dem Tanzhaus Bonn. „Die Musik eignet sich gut, Verstecktes hervorzubringen. So manche unserer Gäste finden keine Worte, erinnern sich aber an Tanzschritte“, sagt Graaf. Ein weiteres Beispiel ist die bisherige Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum im dortigen Angebot „Farben im Kopf“.

„Viele unserer Angebote, wenn nicht alle, wären ohne Ehrenamtliche nicht denkbar. Für uns ist Ehrenamt kein Luxus“, sagt Ratz. Neben dem LeA-Treff bietet der Verein Plätze in vier Wohngemeinschaften (WGs) mit einer durchgehenden Betreuung an. Eine WG ist seit 2011 in Pennenfeld, zwei gibt es seit 2018 in Brüser Berg, eine seit Juni 2021 in Pech. Insgesamt 26 an Demenz erkrankte Personen werden hier in Zusammenarbeit mit einem Pflegedienst betreut. Zehn Ehrenamtliche engagieren sich derzeit im Verein LeA, dazu gibt es 35 Kräfte, die eine Aufwandspauschale erhalten, einen Minijob haben oder sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

Wieviel Spaß das Ehrenamt machen kann, verdeutlicht Ratz anhand einer Helferin: Mit 91 Jahren kam sie – vor Beginn der Pandemie – einmal monatlich zum Klavierspielen in den LeA-Treff. „Ihre Lebensfreude ist spürbar, und das überträgt sich auch auf unsere Gäste. Und es zeigt, dass wir starre Bilder von alten Menschen aufbrechen können, auch bei Menschen mit Demenz“, sagt Ratz.