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Benefiz-Matinee in der Brotfabrik: Verstörende Schilderungen aus Syrien

Benefiz-Matinee in der Brotfabrik : Verstörende Schilderungen aus Syrien

Benefiz-Matinee für Flüchtlingsfamilien in der Brotfabrik stößt auf reges Interesse. Weitere Spenden werden benötigt

Benefizveranstaltungen leben von reger Teilnahme und die gab es gestern in der Brotfabrik eindeutig. Die Unterstützungskampagne für zwei syrische Flüchtlingsfamilien hatte zu kurzen Vorträgen, einer Dichterlesung und einem abwechslungsreichen Musikprogramm geladen und die Besucher strömten in Scharen herbei.

Gastredner Rupert Neudeck, Gründer der Flüchtlingshilfe "Cap Anamur", sah sich anerkennend um: "Dass es möglich ist, an einem Sonntagmittag so viele Leute zusammenzubekommen, ist ein gutes Zeichen". Der Pionier auf dem Gebiet praktischer Mitmenschlichkeit reist am Donnerstag an die türkische Grenze zu Syrien, um von dort aus den Bau dreier Schulen im zerbombten Bürgerkriegsgebiet zu steuern.

Seine verstörende Schilderung eines früheren Aleppo-Besuchs machte deutlich, warum so viele Syrer auf der Flucht sind: "Wir haben die Wirkung einer 400-Kilo-Vakuumbombe erlebt, die mitten in der Stadt mehrere Häuser inklusive ihrer Bewohner in den Boden gestampft hat."

Auch die herzergreifenden Gedichte des syrischstämmigen Lyrikers Hussein Habasch, der seit 1984 in Bonn lebt, ließen das Publikum den Atem anhalten: "Töten, Hass, Rache, Intoleranz sind die Wahrheit der Finsterkeit. Wie weit sind wir davon entfernt?", fragte er darin.

Fausi Mousstafa ist froh, die jeweils vierköpfigen Familien seines Bruders und seiner Schwägerin jetzt außerhalb Syriens in Sicherheit zu wissen. Nun geht es darum, sie aus der Türkei in ihre neue Heimat Beuel zu bekommen. "Wie schnell das klappt, entscheidet das Konsulat", erklärte Mousstafa. "Hoffentlich dauert es nicht mehr so lange, denn sie haben dort keine richtige Unterkunft, sondern müssen sich jeden Tag irgendwo neu einquartieren."

Sigrid Figge von der Beueler Initiative gegen Fremdenhass, die sich der Familienzusammenführung der Mousstafas verschrieben hat, hoffte, dass sich die Besucherzahl der Matinee in einer reich gefüllten Spendenbox widerspiegeln wird, aus der dann auch die Flüge bezahlt werden können.

"Finanziell gesehen stehen wir knapp vor der Hälfte", rechnete sie. "Für beide Familien zusammen brauchen wir etwa 45.000 Euro pro Jahr und bisher haben wir 22.000 Euro gesammelt. Am wichtigsten überhaupt sind für uns Daueraufträge, damit wir irgendwie in die Zukunft planen können." Fausi Mousstafa und seine Frau Saba richten ihre Hoffnungen zunächst einmal auf den 21. Juli. "Dann wird das Baby ein Jahr alt und wir wünschen uns, dass wir den Geburtstag alle zusammen hier feiern können."

Infos, auch zum Spendenkonto, unter beuelerinisyrienfluechtlinge.wordpress.com oder bei Susanne Rohde unter der Telefonnummer 0228/461316