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Märchenstunde und Sterbebegleitung in Beuel: Viele Möglichkeiten für ein Ehrenamt im Seniorenheim

Märchenstunde und Sterbebegleitung in Beuel : Viele Möglichkeiten für ein Ehrenamt im Seniorenheim

Von Ausflugsbegleitung bis Einzelbetreuung: Im Evangelischen Seniorenzentrum Theresienau gibt es vielfältige Möglichkeiten, ehrenamtlich tätig zu werden.

Es ist ein Ehrenamt, das zwangsläufig mit endgültigen Abschieden verbunden ist, aber Ingeborg Brix übt es dennoch gerne aus. Einmal in der Woche kommt sie ins evangelische Seniorenzentrum Theresienau und betreut eine bestimmte Bewohnerin. Das macht sie seit 2011, in der Zeit hat sie nacheinander mit sechs Personen Zeit verbracht. „Dabei entsteht eine starke Bindung“, sagt die 76-Jährige.

Märchenstunde und Sterbebegleitung in Beuel: Viele Möglichkeiten für ein Ehrenamt im Seniorenheim
Foto: Stefan Knopp

Brix ist eine von 24 Ehrenamtlichen, die sich in der Einrichtung engagieren. Sie sind für die Heimleitung unverzichtbar und werden über den 1967 gegründeten Ehrenamts-Verein für das Seniorenzentrum koordiniert. „Ohne das Wohlwollen dieser Menschen und die Zusammenarbeit mit dem Verein wäre das nicht so erfolgreich gewesen“, betont der stellvertretende Heimleiter Darius Fischer, der auch für die Ehrenamtler zuständig ist. Das Ehrenamt, sagt er, sei ein wichtiger Baustein im Betrieb.

Märchenstunde und Sterbebegleitung

Die Bandbreite der Tätigkeiten ist groß: Zum Beispiel gibt es viermal im Monat eine Märchenstunde, angeboten von einer Ehrenamtlichen. Zweimal im Monat kommt jemand und begleitet das nachmittägliche Kaffeetrinken mit Kaffeehausmusik, es gab auch schon mal regelmäßige Malgruppen und dergleichen. Andere begleiten Bewohner zu Arztbesuchen oder auf Ausflüge, manche wollen keinen Kontakt zu den Senioren und unterstützen das Haus etwa bei der Pflege des Außengeländes, Aufgaben, die laut Fischer am Ende auch wichtig sind. Einige helfen in der Cafeteria aus, bei deren Aufbau auch Brix geholfen hat. Und dann gibt es ihre Tätigkeit, die Begleitung von Bewohnern.

In der Regel geht sie mit dieser Person raus, spaziert am Rhein entlang oder durch die Siedlungen, dann wird erzählt und geplaudert. Auch zum Karnevalszug in Oberkassel begleitet sie die Senioren. Wenn es aufs Ende zugeht, geht sie ans Sterbebett, hält die Hand und verabschiedet sich. „Einmal habe ich noch etwas vorgelesen, da hat mich die Frau erkannt“, so Brix. Und sie geht selbstverständlich zu den Beerdigungen. Ganz fremd ist ihr das nicht. „Ich habe in einer Apotheke auf dem Land gearbeitet, da bekommt man auch einen sehr großen Bezug zu den Leuten.“ Irgendwann erhält sie dann eine neue Person, die sie begleitet.

Nach ihrem Ruhestand hatte sie zunächst eine ältere Person für einen sozialen Dienst in Oberpleis betreut, danach wurde sie bei einer Veranstaltung auf dem Bonner Marktplatz auf die Theresienau aufmerksam. Jetzt ist sie im elften Jahr dabei – warum macht sie das? Zum einen, um beschäftigt zu sein, aber: „Man bekommt ja auch etwas zurück“, sagt sie. Die Anerkennung der Bewohner und der Angestellten gebe ihr viel. In der Pandemie habe ihr diese Aufgabe sehr gefehlt.

Das Ehrenamt verändert sich

„Wir haben die Interessen und Vorstellungen ausgelotet und geschaut, wofür wir Frau Brix einsetzen können“, erzählt Fischer. Denn die Ehrenamtler werden dort eingesetzt, wo sie am besten passen. „Wir haben kein Raster“, sagt er. Das führe dazu, dass man nicht nur Ruheständler, sondern auch Mittzwanziger im Kader habe. „Manchmal entwickelt sich aus der Interessenlage der Ehrenamtlichen ein neues Betätigungsfeld“, so Ehrenamtsbegleiterin Sarah Schaper. Bastel-, Brettspiel- oder Bewegungsgruppen, vieles ist möglich. „Wir haben festgestellt, dass das Ehrenamt dabei ist, sich zu verändern“, sagt sie. Die Bereitschaft ist oft nicht mehr so langlebig, mehr projektbezogen, eine Entwicklung, die ja auch viele Vereine vor Herausforderungen stellt.

„Wir unterstützen jeden Ehrenamtler auf seinem Weg“, verspricht Fischer. „Die Leute sollen sich willkommen fühlen.“ In der Pandemie war es nicht leicht, den Kontakt zu halten. „Da ist alles auf den Kopf gestellt gewesen“, sagt der stellvertretende Heimleiter. Aber die meisten Ehrenamtler blieben der Einrichtung treu. „Es gab in den Lockdowns immer wieder Anfragen: Wann kann ich wieder kommen?“, erinnert sich Schaper. Man habe versucht, Besuche nach Möglichkeit und Hygienerichtlinien zuzulassen, erklärt Fischer. Auch von den Bewohnern gab es durchaus Anfragen, weil sie die Begleiter vermissten und Gottesdienste ausfielen, bei denen Freiwillige von außer Haus mitwirken. „Da hat man richtig gemerkt, wie die Ehrenamtler in die Abläufe eingebunden sind.“

Das Seniorenzentrum Theresienau unterstützt deshalb die Initiative des Freiwilligendienstes Bonn-Beuel, der mit einer Online-Präsentation neue Menschen fürs Ehrenamt begeistern möchte. Denn freiwillige Helfer kann man immer gebrauchen. „Es reicht, wenn man einmal in der Woche für 45 Minuten kommt und Händchen hält oder Mensch-ärgere-dich-nicht mit den Leuten spielt“, sagt Fischer. „Oft ist eben weniger mehr.“