Einbrüche in Beuel Weniger als 30 Prozent werden aufgeklärt

BEUEL · "Achtung!" steht über der Tür. "Dieses Objekt wird videoüberwacht." Kfz-Händler Achim Unger hat aufgerüstet. Neben den Warnhinweisen gibt es eine Alarmanlage, Videokameras, Stahltüren.

 Viermal wurde in den vergangenen zwei Jahren bei Autohändler Achim Unger eingebrochen.

Viermal wurde in den vergangenen zwei Jahren bei Autohändler Achim Unger eingebrochen.

Foto: Johanna Heinz

Und das Geld aus der Kasse nimmt Unger jeden Abend mit, auch wenn es außerhalb seines Geschäfts nicht versichert ist. Seit er mit seiner Firma "Autoproject" im April 2013 an die Königswinterer Straße in Beuel-Ost gezogen ist, wurde bereits viermal bei ihm eingebrochen. "Wenn ich dann die Aufkleber 'Riegel vor' der Polizei-Kampagne sehe, fällt mir nichts mehr ein", sagt er.

Unger ist nicht der Einzige, der im Beueler Gewerbegebiet über Einbrüche klagt. Im vergangenen Frühjahr hatten sich Mitglieder der Beueler Wirtschafts-Interessengemeinschaft (BWI) unter anderem über dieses Problem bei Stadt und Polizei beschwert. Und erst in der vergangenen Woche ist die Firma Beda Opfer eines großangelegten Einbruches geworden, ein Großhandel für Dachdeckungsbaustoffe, dessen Niederlassung sich ebenfalls an der Königswinterer Straße befindet, knapp 500 Meter von Ungers Autohandel entfernt. Alle Rohre und Teile aus Kupfer haben die Diebe in der Nacht zu Donnerstag aus dem Lager gestohlen. "Der Wert des Metalls ist im Moment sehr hoch, wir wissen noch nicht genau, wie viel das erbeutete Kupfer wert ist", so Geschäftsführerin Anne Janssen. "Es handelt sich aber bestimmt um einen hohen zweistelligen Tausenderbetrag."

Offenbar stiegen die Einbrecher über das Tor auf das Gelände, schlugen die Scheibe des einzigen Fensters zur Lagerhalle ein. Von innen lassen sich die Hallentore öffnen. Die Gabelstapler, die nachts dort stehen, müssten aus Sicherheitsgründen mit Zündschlüsseln ausgestattet sein, sagt Christian Stein, Leiter der Niederlassung. Die Einbrecher nutzten einen der Gabelstapler, um das massive Einfahrtstor aufzuhebeln, sie beluden einen wahrscheinlich gestohlenen Sprinter mit dem Metall, befüllten dessen Tank noch mit Diesel aus einem auf dem Gelände parkenden Lastwagen.

"Dafür haben sich die Täter sogar noch einen unserer Gartenschläuche zurechtgeschnitten", erklärt Stein. Für den Fall, dass sie gestört werden, hatten die Einbrecher anscheinend eine Leiter an der hinteren Mauer des Geländes platziert, um über die Bahnschienen flüchten zu können. Doch das war nicht nötig. "Es ist mir ein Rätsel, warum niemand etwas gemerkt hat", so Janssen. Die Täter scheinen vorher alles genau ausgekundschaftet zu haben. "Sie scheinen eine Seelenruhe gehabt zu haben."

Nach dem dritten Einbruch, als der Tresor mit 12.000 Euro ausgeräumt worden sei, habe die Polizei ihm zu einer Alarmanlage geraten, sagt Unger. Doch als die dann anschlug und er die Polizei rief, habe es sich wohl um einen Fehlalarm gehandelt. Konsequenz: Unger musste 110 Euro für die ergebnislose Anfahrt der Beamten bezahlen. Beim nächsten Alarm sei er selbst hingefahren, habe Stimmen im ersten Stock gehört und erst dann die Polizei gerufen, mit der Bitte, nicht aus Richtung Beueler Bahnhof anzufahren. "Doch ein Streifenwagen kam genau aus dieser Richtung, der Beamte rüttelte am Tor, und die Einbrecher sind über die Gleise geflüchtet. Beim nächsten Einbruch regele ich das selbst", sagt Unger.

Die Bonner Polizei konnte sich auf Anfrage nicht detailliert zu dem Fall äußern. Generell hat es in Beuel 2013 laut Polizeistatistik 17 Geschäftseinbrüche gegeben. "In 2014 haben wir im gesamten Beueler Bereich einen Anstieg verzeichnet", sagt Sprecher Frank Piontek. Nur zwischen 20 und 30 Prozent der Fälle werden aufgeklärt. "Es gibt häufig keine Zeugen. Die Einbrecher sind sehr schnell, wie im Fall des Kupferdiebstahls professionell organisiert und die Beute häufig nicht gekennzeichnet", sagt Piontek. In Beuel war es für Beda der erste Einbruch. Doch an anderen Standorten hätten Diebe schon öfter zugeschlagen, sagt Janssen, trotz Videoüberwachung und Alarmanlage. "Das Ärgerliche ist, dass die Täter so oft ungestraft davonkommen."

Einige Mitglieder der Wirtschafts-Interessengemeinschaft hatten im Frühjahr angekündigt, gemeinsam einen privaten Sicherheitsdienst zu engagieren. "Diese Idee ist erst einmal vom Tisch, weil es einigen Betroffenen einfach zu teuer ist", sagte der Vorsitzende Ralf Becker auf Anfrage. Beda-Geschäftsführerin Janssen hat genau diese Konsequenz gezogen: Von nun an schaut eine private Firma zwei- bis dreimal pro Nacht auf dem Gelände an der Königswinterer Straße nach dem Rechten.

0 Die Ermittler fragen: Wer hat in der Nacht zum vergangenen Donnerstag an dem Firmengelände in der Königswinterer Straße verdächtige Tätigkeiten beobachtet? Hinweise an die Polizei unter Tel. 0228/150.