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Mit Michelin-Stern ausgezeichnet: Wie ein Spitzengastronom das Bonner Restaurant Yunico führt

Mit Michelin-Stern ausgezeichnet : Wie ein Spitzengastronom das Bonner Restaurant Yunico führt

Christian Sturm-Willms führt seit acht Jahren das Bonner Restaurant Yunico im Kameha Hotel. Der Zwei-Meter-Mann hat es in dieser Zeit nicht nur zum Michelin-Stern gebracht, sondern 2017 auch zum Aufsteiger des Jahres.

Christian Sturm-Willms ist wohl das, was man eine Kante nennt. Zwei Meter misst der Koch des Yunico, das vor fünf Jahren mit einem Michelin-Stern für seine Mischung aus französischer und japanischer Küche ausgezeichnet wurde. „Finessenreich“ sei die dargebotene Kochkunst im oberen Stockwerk des Kameha Grand Hotels, urteilten die Kritiker, kräftig sind die Unterarme des maßgeblich an dieser Würdigung beteiligten Küchenchefs.

Und alleine die Vorstellung erheitert, dass der groß gewachsene, gebürtige Brandenburger regelmäßig nach Thailand reist, um asiatischen Nachwuchsköchen etwas beizubringen. „Es ist nicht immer einfach, das in Asien gesprochene Englisch zu verstehen. Aber das Erstaunliche beim Kochen ist ja, dass man auch mit Händen und Füßen das Wesentliche rüberbringen kann“, sagt Sturm-Willms.

Sturm-Willms lernte im Kranz Park Hotel in Siegburg

Der 32-Jährige wuchs in Siegburg auf. Dort lernte er auch, im Kranz Park Hotel. Einen bodenständigen Schweinebraten zuzubereiten, ist ihm nicht fremd. Es sei die Grundbasis des Handwerks gewesen, die ihm in Siegburg vermittelt wurde. Anschließend zog er weiter zu Restaurants auf Rügen, Sylt und ins österreichische Hintertux. Dann fing er im Kameha an. Vor acht Jahren, mit Mitte zwanzig also wurde er Küchenchef im Yunico, das zuvor Yu Sushi Club hieß. „Die Qualität war gut, aber unter dem Namen wäre auf höherem Kochniveau wohl nichts zu reißen gewesen“, sagt Sturm-Willms, der ledig ist und keine Kinder hat. Vor seiner Zeit am Bonner Bogen habe er keine Berührungspunkte mit der japanischen Küche gehabt. „Wenn Sie mir vor 15 Jahren gesagt hätten, dass ich irgendwann asiatisch kochen würde, hätte ich Ihnen den Vogel gezeigt.“

Die Neugierde sei es gewesen, die ihn in dieses kulinarische Abenteuer getrieben habe und die Lust darauf, europäische und japanische Esskultur gekonnt miteinander zu verbinden, „zwei Welten miteinander zu verknüpfen, nennt es Christian von Ahlefeld beschreibt, der seit vergangenem Herbst das Kameha leitet, und für den das Yunico kulinarisches Aushängeschild für das Hotel ist.

Auch der Ehrgeiz war es, der Sturm-Willms seinerzeit zur Umgestaltung der Speisekarte und des Restaurants hin zu einem geordneteren, geradlinigeren Ambiente. Klein, fein, hochpreisig. 35 Sitzplätze hat das Yunico.

Vor drei Jahren war Sturm-Willms „Aufsteiger des Jahres“

Sturm-Willms ist einer, der reden kann, wenn er gefragt wird, und der schweigen kann, wenn es ihm notwendig erscheint. Sein Team sei wesentlich am Erfolg der vergangenen Jahre beteiligt, betont der Küchenchef, den der Restaurantführer Gault-Millau vor drei Jahren zum „Aufsteiger des Jahres“ kürte. Das Anherrschen und Kleinmachen der Angestellten, mit denen sich manch altgedienter Koch als Quelle des Erfolgs brüstet, ist Sturm-Willms Sache nicht. „Alle sollten zufrieden sein. Wenn es die Angestellten nicht sind, werden es die Gäste auch nicht sein.“ Zur Mannschaft gehören auch zwei Auszubildende. „Mit ihnen zu arbeiten macht mir großen Spaß, weil man sie noch formen kann“, sagt Sturm-Willms. Im Betrieb selbst, so beschreibt es der Spitzenkoch, gehe es weitgehend ruhig und konzentriert zu. „Jeder weiß, wie ein Broccoli zu kochen ist. Das muss ich niemandem erklären.“ Ob Austern von der japanischen Insel Hokkaidō oder Wolfsbarsch aus der Region: Was im Yunico auf den Tisch kommt, variiert von Tag zu Tag. Es hängt auch davon ab, welche frische Ware Sturm-Willms zur Verfügung steht. Die Spezialität des Hauses heißt Omakase. Aus dem Japanischen übersetzt heißt das so viel wie: „Ich überlasse es Ihnen“. Gemeint ist Sturm-Willms, der Küchenchef. Der Mann, der seinen Job für einen der besten der Welt hält.