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Hilfe durch Beueler Verein: Wie Sehbehinderte ihr Leben in Bonn empfinden

Hilfe durch Beueler Verein : Wie Sehbehinderte ihr Leben in Bonn empfinden

Blinde und sehbehinderte Menschen stehen im Alltag vor besonderen Herausforderungen. Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen, wo sie noch Verbesserungsbedarf in Bonn und der Region sehen.

Als Eberhard Schuppius 2009 seine Diagnose erhielt, plagte ihn die Sorge, dass er sein Rentnerleben fortan zu Hause verbringen muss. Der 75-Jährige leidet an einer Krankheit, die Makuladegeneration genannt wird. Hierbei geht die Sehfähigkeit allmählich verloren. „Das war eine ziemliche Verunsicherung für mich, als ich davon erfuhr. Vor allem, weil man ja nicht weiß, was auf einen zukommt“, beschreibt Schuppius seine Gefühlswelt. Als Beamter sei er viele Jahre im Ausland unterwegs gewesen – seinen Ruhestand verbringt er in Sankt Augustin. Bereits 2011 sei die Sehbehinderung bereits so fortgeschritten gewesen, dass der Pensionär ohne Hilfsmittel nicht mehr Lesen und Schreiben konnte. „Ich kann meine Umgebung nur noch sehr unscharf wahrnehmen. Ich sehe zum Beispiel keine Gesichter mehr“, berichtet Schuppius.

In seiner Not wandte er sich 2012 an den Blinden- und Sehbehindertenverein Bonn/Rhein-Sieg. „Ich hatte die Befürchtung, dass ich von nun an meine Zeit am Fenster verbringen muss und nicht mehr viel unternehmen kann.“ Schuppius nahm daraufhin an Selbsthilfetreffs teil. „Ich habe dort nette Menschen getroffen und viel über technische Hilfsmittel gelernt, die mir im Alltag helfen.“ Schilder aller Art etwa lasse er sich von seinem Smartphone vorlesen. Bei einem Ärztehaus, wo zumeist mehrere Praxen verortet sind, sei das eine nützliche Errungenschaft. „Ich habe die Möglichkeit wiedergewonnen, mich weitestgehend im öffentlichen Raum zu bewegen oder Veranstaltungen zu besuchen.“ Bei der Eingewöhnungszeit habe ihm der Verein mit vielen Gesprächen geholfen. Aber auch vom Verein organisierte Veranstaltungen wie Museumsführungen, haben Schuppius wieder Freude am Leben vermitteln können. „Ich bin sehr froh, Mitglied des Vereins zu sein“, betont er.

Teilweise gehe es in der Vereinsarbeit darum, ältere Menschen vor dem Altenheim zu bewahren, erklärt Sabine Franke, Mitarbeiterin im sozialen Dienst. „Sie glauben, dass sie zu Hause nicht mehr zurechtkommen. Aber da können wir in Gesprächen Mut machen.“ Technische Errungenschaften wie etwa das Smartphone werden so immer wichtiger für Menschen mit Sehbehinderungen. „Ich höre darüber Radio und lese Zeitungen“, sagt Schuppius. Das Smartphone habe ihm eine gewisse Selbständigkeit zurückgebracht.

Verein zählt 300 Mitglieder

Der Blinden- und Sehbehindertenverein habe mehr als 300 Mitglieder, sagt der stellvertretende Vorsitzende Marco Mers. Der 48-Jährige ist von Geburt an blind, kann nur helle und dunkle Kontraste voneinander unterscheiden. Im Großen und Ganzen geht es dem Verein gut, resümiert Mers mit Blick auf die Corona-Jahre. „Natürlich hatten wir mit der Herausforderung zu kämpfen, den Mitgliedern weiterhin ein Beratungsangebot zu ermöglichen.“ Wegen der Coronaschutzmaßnahmen waren zeitweise keine persönlichen Treffen mehr möglich. Über eine Whats-App-Gruppe seien die Mitglieder aber in Kontakt geblieben und hätten weiterhin Erfahrungen und Informationen ausgetauscht. „In der Gruppe gibt es einen offenen und zwanglosen Austausch, bei dem jedes Mitglied seine Sorgen und Anregungen teilen kann.“ Mittlerweile seien die Treffen aber wieder im vollen Gange. Immer dienstags biete der Verein im Helmholtz-Gymnasium ein Gymnastikkurs an. Monatlich gebe es außerdem ein Tischball-Training – im Gegensatz zur Sportart Tischtennis macht der Ball bei diesem Spiel rasselartige Geräusche.

Angesprochen auf die Bewegungsfreiheit im öffentlichen Nahverkehr, lobt der stellvertretende Vorsitzende den regelmäßigen Austausch mit den Stadtwerken Bonn (SWB). „Wir würden uns bei den Haltestellen noch mehr Tonansagen wünschen, die einen heranfahrenden Bus ankündigen“, sagt Mers. In Vergangenheit sollen Sehbehinderte an den Haltestellen einfach stehengeblieben sein, weil sie nicht wussten, welche Buslinie gerade eingefahren war, so Mers. „Wir sind aber davon überzeugt, dass die meisten Fahrer und Fahrerinnen hier aufmerksam sind.“ Mit den Stadtbahnen fahre es sich hingegen problemloser.

Ein besonderes Hindernis im Stadtgebiet seien für viele Sehbehinderte auf den Fußwegen stehende Poller. Um auf diese Gefahr hinzuweisen, hatte der Verein einigen Pollern kontrastreiche Mützen aufgesetzt. Mit Blick auf die gelebte Toleranz in Bonn hat Mers nur lobende Worte: „Die Bonner sind sehr rücksichtsvoll und hilfsbereit. Im Großen und Ganzen funktioniert es sehr gut“, sagt der 48-Jährige. Selbiges erlebt auch Schuppius. „Ich bekomme im Bus immer einen Platz angeboten und auch die Busfahrer sind rücksichtsvoller geworden“, sagt der Rentner.

Nicht zuletzt deshalb ermuntert Mers Menschen mit Sehbehinderung dazu, regelmäßig am öffentlichen Leben teilzunehmen. „Wir können nur dann wahrgenommen werden, wenn wir uns auch wahrnehmbar machen“, erklärt Mers. Weitere Informationen zum Verein gibt es hier: www.bsv-bonn.de