1. Bonn
  2. Beuel

Im Wohnwagen der Schausteller: Zuhause auf Rädern

Im Wohnwagen der Schausteller : Zuhause auf Rädern

Geräumiges Wohnzimmer mit schwarzer Ledergarnitur, ein Bad mit Fliesen und Wanne: Bei den Markmanns sieht es aus wie in einer gewöhnlichen Drei-Zimmer-Wohnung - eine Wohnung auf Rädern allerdings.

Denn die Schausteller-Familie, die auf Pützchens Markt Fahrgeschäft wie "Octopussy", "Nessy", den "Hexentanz" und den Ausschank "Pützchens-Markt-Treff" betreibt, ist mit ihrem nagelneuen Wohnwagen vor anderthalb Wochen angereist.

"Markmann und Söhne" steht in goldener Schrift auf dem Gefährt geschrieben, das in der Länge 17 Meter misst. 2,5 Meter breit ist der Wagen, den die Traditionsfirma Pfaff im sächsischen Buchheim gefertigt hat, ausgefahren wird er doppelt so breit. Vor einem halben Jahr hat die Familie sich den Wohnwagen gekauft - er kostet soviel wie ein kleines Einfamilienhaus.

Auf nur 48 Quadratmetern leben Hubert Markmann, seine Frau Claudia, Tochter Romina (17) und Hund Charly während der Saison, also jeweils rund neun Monate im Jahr. Der 25-jährige Sohn Marcel schläft in seinem eigenen Camper. Ausgestattet ist das kleine Haus auf Rädern mit Wasserversorgung, Waschmaschine und Trockner, doppelt isolierten Fenstern und Fußbodenheizung. Und auf den Komfort seiner großen Couch möchte Hubert Markmann auch ungern verzichten verzichten.

So unterschiedlich wie die Buden und Fahrgeschäfte auf Pützchens Markt sind auch die Wohnwagen der Schausteller. Gemütlicher geht es bei Karl Römer, genannt ""Karlemann" zu. Sein kleiner Camper steht in mitten vieler anderer abseits auf der Stellfläche. Der 67 Jahre alte Mann in grauer zerschlissener Arbeitshose, der gerade noch in den letzten Zügen mit dem Aufbau seiner Basketball-Bude "Hot Shots", muss sich mit einer Wohnwagenlänge von neun Metern begnügen. Im engen Wohnzimmer mit den Möbeln aus hellem Holz und grün-gelben Polstern, steht seine Gitarre bereit.

"Ich glaub' an die Liebe und zieh singend übers Land", trägt er das "Lied der Schausteller" vor. Das habe er selbst mit anderen geschrieben, sagt er. "Schausteller zu sein, ist eine Kultur - wie die Volksfeste selbst." Römer ist Schausteller in der dritten Generation. Sein Vater hatte eine Schaubude mit Hunden und Affen. "Als in den 50er Jahren das Fernsehen kam, war das für die Leute plötzlich nicht mehr so interessant." Auch das Fadenziehen mit Max-und-Moritz-Figuren, das sein Vater, "ein großer Wilhelm-Busch-Fan", danach baute, ist irgendwann aus der Mode gekommen. "Der Zeitgeist ändert sich."

Weil seine Frau schwer krank ist, ist Römer in diesem Jahr alleine unterwegs. "Dann schlafe ich eben mit meinem Keyboard im Bett." Und abends, wenn das Tagewerk geschafft ist, dann kommen auch ab und zu dunkle Gedanken. "Ich habe existenzielle Ängste", sagt er. Denn die Kosten für die Stellplätze, für Wasser, Strom und Benzin würden steigen, die Einnahmen aber nicht. "Ich frage mich , was passiert, wenn ich alt bin und das hier nicht mehr werde machen können", sagt der 67-Jährige. Zum Leben jedenfalls reiche seine kleine Rente sicherlich nicht. "Und im Altersheim hinter einem Fenster zu sitzen, das kann ich mir wirklich nicht vorstellen." Aber bis ins hohe Alter reisen, das wäre wohl auch nichts.

"Ich tendiere zu plötzlichem Herztod", sagt er, "das wäre die richtige Lösung." Schließlich sei er als Schausteller zwar nicht gottesfürchtig, wohl aber gottesgläubig. Dass es ein Leben nach dem irdischen gebe, glaube er ganz sicher. Dort träfe man sich dann wieder, wie auf Pützchens Markt zu einem großen Fest.