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Mehr Lebensqualität im letzten Lebensabschnitt: Zwei Beueler Vereine erhalten Preisgeld für ehrenamtliches Engagement

Mehr Lebensqualität im letzten Lebensabschnitt : Zwei Beueler Vereine erhalten Preisgeld für ehrenamtliches Engagement

Auf unterschiedlichen Wegen zu mehr Lebensqualität im letzten Lebensabschnitt: Der Beueler Hospizverein und Birgit Ratz, Gründerin des Vereins Lebensqualität im Alter, wurden mit dem Tenten-Preis für ihr ehrenamtliches Engagement geehrt.

Was kann man mit 6000 Euro alles machen? Birgit Ratz würde sicher vieles einfallen, zumal sie dieses Geld von der Tenten-Stiftung ganz für sich erhält. Denn sie ist seit Neuestem zusammen mit dem Beueler Hospizverein Trägerin des Tenten-Preises, der für herausragenden ehrenamtlichen Einsatz verliehen wird. Aber Ratz denkt nicht daran, es zu behalten. Sie möchte es nutzen, um ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern ein kleines Weihnachtsgeld auszuzahlen, ein Dankeschön für all die Mühen, die sie für ihren Verein LeA – Lebensqualität im Alter geleistet haben. Damit legt sie die Selbstlosigkeit an den Tag, für die der Preis steht.

„Ich bin froh, dass ich mir das Helfersyndrom erhalten habe“, sagte die 62-Jährige bei der Preisverleihung im Tenten-Haus der Begegnung. Sie hat 1978 ihre Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen und in den 1980ern erlebt, wie die Altenpflege professionalisiert wurde. Helfen sei verpönt gewesen, erzählte Ratz, die sich beruflich immer schon für Menschen mit Demenz eingesetzt hat. „Ich habe schon früh festgestellt, dass die an unterster Stelle stehen und schnell ausgegrenzt werden.“ Ihrer Meinung nach sind große Einrichtungen wie Seniorenheime nicht geeignet, dementen Menschen einen würdigen Lebensraum zu geben.

Auch demente Menschen sollten wählen können, ob sie zu Hause gepflegt werden, in einem Heim oder einer alternativen Wohnform leben möchten, sagte Ratz. Deshalb hat sie den Verein LeA gegründet, der ebenfalls 2013 Preisträger wurde. Er will Alternativen schaffen und dafür bürgerschaftliches Engagement einsetzen. Genau wie Menschen mit Behinderungen sollten auch Menschen mit Demenz in einem normalen Umfeld in der Mitte der Gesellschaft leben können. Dafür müssten mehr Angebote aus dem Quartier kommen – eine „Zukunftsaufgabe“, findet Ratz.

Die 62-Jährige arbeitete zuletzt für die Caritas, härte dort aber vor zwei Jahren auf. Jetzt, in ihrem „Vor-Vorruhestand“, sei sie flexibler, sagte Ratz. Sie könne sich so um den LeA-Treff im Komplex des Tenten-Hauses der Begegnung kümmern, die Mitarbeiter für die Seniorenbetreuung in den Wohngemeinschaften auf dem Brüser Berg, in Wachtberg-Pech und in Pennenfeld koordinieren und sich nebenbei für finanzielle Unterstützung vom Staat für soziale Pflegdienste einsetzen. „Und wenn ich einen Mittagstisch für die Menschen machen soll, dann mache ich das.“

Preisgeld für Ehrenamtliche nutzen

Auch im Beueler Hospizverein, der ebenfalls 6000 Euro erhält, soll das Preisgeld laut der Vorsitzenden Bettina Gummel an die Ehrenamtler gehen, die Sterbende begleiten, ihnen die letzten Tage verschönern und sich auch um die trauernden Angehörigen kümmern. Es müssten immer wieder Materialien oder Getränke für die Teamtreffen angeschafft werden, sagte Gummel. Und man könne auch einfach mal etwas zurückgeben, damit sich die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit wohlfühlen und auch Werbung für die Hospizbegleitung machen.

Der erste Schritt in das Ehrenamt kann der vierstündige „Letzte-Hilfe-Kurs“ des Vereins sein, wie bei Barbara Westphal. Die Beueler Logopädin sieht in dieser Aufgabe „eine gute Auseinandersetzung mit mir und meiner eigenen Sterblichkeit“. „Das Ehrenamt hilft mir, keine Angst vor dem Sterben zu haben“, sagte Westphal. Und sie habe immer das Gefühl, sie bekomme mehr zurück als sie gebe, wenn sie Menschen in ihrer letzten Lebensphase und Angehörige in ihrer Trauer begleitet.

Auch hier geht es um mehr Lebensqualität im Alter, sagte Gummel: „Nicht dem Leben mehr Tage geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Das ist aus ihrer Sicht die Aufgabe des nun ausgezeichneten Vereins. Lebensqualität, das könne sein, den Sterbenden mit einem Wattestäbchen etwas von ihrem Lieblingseis oder aus einem Glas Sekt auf die Zunge zu geben, sie das Leben schmecken zu lassen. Oder einfach für sie da zu sein.

Interessierte müssten aber erstmal schauen, ob sie für diese Aufgabe überhaupt geschaffen sind, sagte Gummel. Der 2002 gegründete Verein bietet die Ausbildung zu Hospizbegleitern, die 70 bis 100 Stunden inklusive Praktikum umfasst, kostenlos an. „Dafür Leute zu finden ist nicht schwer“, sagte die evangelische Pfarrerin. Alle anderthalb Jahre gibt es einen neuen Ausbildungskurs, der nächste beginnt im März. „Immer haben wir bis zu 15 neue Ehrenamtliche.“ Die konnte der Verein auch über die Pandemie hinweg halten. In den vergangenen zweieinhalb Jahren seien es eher die Angehörigen gewesen, die sich nicht gemeldet hätten, um sich nicht anzustecken. „Jetzt sind sie schon wieder sehr gefragt.“ Daneben gebe es aber auch Ehrenamtler in der Vorstands- und Koordinierungsarbeit sowie in der Beratung von Trauernden. „Sprechen Sie uns gerne an“, warb Gummel bei der Preisverleihung.