Bonn bekommt ein Münster-Carré

Stadtdechant Wilfried Schumacher führt Geschäftsleute über Großbaustelle der Basilika - Umfrage ergibt: Menschen wünschen sich Raum der Stille und sauberere Stadt

Bonn bekommt ein Münster-Carré
Foto: Barbara Frommann

Bonn. Als Monsignore Wilfried Schumacher vor genau zehn Jahren das Amt des Stadtdechanten am Bonner Münster übernahm, hat er wohl nicht im Traum daran gedacht, einmal als Dombaumeister tätig zu sein.

Zwar hat er den neuen Gebäudekomplex, der zurzeit rund ums Münster zwischen Gangolfstraße und Gerhard-von-Are-Straße entsteht, nicht geplant - seine Handschrift trägt der Neubau, der ab sofort Münster-Carré heißen soll, dennoch.

Am Montag führte Schumacher Mitglieder der City-Marketing über die Großbaustelle der Basilika und erntete nur Lob für das, was die Architekten Martin Saul und Markus Ernst entworfen haben. "Das neue Münster-Carré wird eine der ersten Adressen in Bonn sein", versprach der Stadtdechant den Kaufleuten mit ihrem Vorsitzenden Oliver Hoffmann an der Spitze.

"Die Transparenz der Kirche, die durch den Neubau symbolisiert und auch sicher gelebt wird, halte ich für unbedingt notwendig und wichtig", würdigte der Bonner Juwelier die Planung. Denn mit seinem gläsernen, an die mittelalterliche Basilika angrenzenden Foyer öffnen sich zuvor uneinsehbare Mauern und der Blick wird frei auf das südliche Seitenschiff des Münsters. Ein "Schaufenster der katholischen Kirche in dieser Stadt" soll laut Schumacher das Foyer sein, eine Adresse für Menschen mit Fragen, Problemen, Sorgen und Nöten.

Gleichzeitig sei das Foyer der Zugang zum neuen "pastoralen Zentrum" mit den verschiedenen Referaten des Stadtdekanats und der Citypastoral, erläuterte er seinen Gästen und stellten ihnen anschließend den Leiter des künftigen Münster-Carrés vor: Reinhard Sentis.

Der 33-jährige Theologe ist seit zwei Jahren Pressesprecher des Stadtdekanats und wird künftig neben dieser Aufgabe die Geschicke des neuen Zentrums in der Hand haben. Die Eröffnung des Carrés ist für Ende November geplant. Rund vier Millionen kosteten laut Sentis die Neu- und Umbauarbeiten, das Gros zahlt das Bistum.

Zusätzlich kann das Münster-Carré auch als Ort für Tagungen und Veranstaltungen gemietet werden. "In einer Größenordnung von 20 bis 140 Teilnehmern können ab 2009 in diesem einmaligen historischen Ambiente auch Veranstaltungen und Kongresse durchgeführt werden", sagte Schumacher.

Nach der Führung überreichte er den Geschäftsleuten die ersten Ergebnisse einer Umfrage, die die Münsterpfarrei unter Besuchern und auch online durchgeführt hat. Von 700 Antworten sind bislang 240 ausgewertet worden: So wünschten sich viele der Befragten am Münster einen Raum der Stille und Meditation, zudem solle Kirche Anwalt der Menschen in Not sein. "Das bestätigt uns in unserer Arbeit", freute sich der Stadtdechant.

Zur Frage, was sie von der Innenstadt erwarteten, antworten die meisten, sie wünschten sich mehr Sauberkeit in der City und gehobene Fachgeschäfte. Ergebnisse, wie sie 2002 bei einer ähnlichen Umfrage erzielt wurden und von denen sich die Kaufleute in ihrer Auffassung bestätigt fühlen, dass mehr für die Innenstadt getan werden müsse: "Für uns ist die Diskussion um das Einkaufszentrum im SWB-Haus nicht erledigt", sagte Hoffmann. Die Umfrage wolle er zum Anlass nehmen, mit den Kollegen zu überlegen, wie sie gegen die "innenstadtschädlichen" Pläne weiter vorgehen können.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar " Doch eine Zukunft"

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