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Bonn: Betrügerin ergaunert 400.000 Euro bei Landsleuten

Prozess in Bonn : 41-Jährige betrügt Landsleute um 400.000 Euro

Eine Betrügerin ergaunerte bei einer flüchtig Bekannten einen fünfstelligen Geldbetrag. Die angebliche Freundin behauptete, das Geld des 40-jährigen Opfers vermehren zu können. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie aus Verbrechen, bei denen die Frau 400.000 Euro erbeutete.

In einer Karaoke-Bar hatten sie stundenlang russische Lieder gesungen, anschließend hatten die beiden Sängerinnen Freundschaft geschlossen. Was die eine nicht ahnte: Die neue Freundin war eine raffinierte Betrügerin und hatte sich singend das Vertrauen der anderen erschlichen. Sie arbeite mit Finanzierungen, habe gute Kontakte in die Schweiz, erzählte die 41-Jährige, sie könne problemlos ihr Geld vermehren. Die 40-Jährige glaubte ihr, setzte einen schriftlichen Vertrag über 33.000 Euro auf und übergab ihr das Geld. Innerhalb von drei Monaten würde sie ihr die Summe nebst 10 Prozent Zinsen zurückzahlen, beteuerte die neue Freundin. Aber das Wunder, das Weihnachten 2018 kommen sollte, blieb aus. Die 40-Jährige hatte alles verloren.

Es sollte nicht bei dem einen Fall bleiben: Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 23 Fällen saß die 41-jährige Deutsch-Kasachin jetzt vor dem Bonner Landgericht in der Berufung. Das Amtsgericht hatte die Mutter von drei Kindern im Herbst 2020 nach vier Verhandlungstagen zu drei Jahren Haft verurteilt. Insgesamt hatten die betrogenen Geldgeber ihr knapp 400.000 Euro - zumeist in bar, aber auch in Gold - anvertraut. Damals hatte die Angeklagte zwar eingeräumt, ihre Investoren - mit denen sie Russisch sang oder Kasachisch plauderte - , nicht ausreichend über „die Art der Anlage, Dauer sowie eventuelles Risiko informiert“ zu haben. Zugleich beteuerte sie, dass sie selber massiv unter Druck gestanden habe: Russische Geschäftspartner hätten sie voll in der Hand gehabt.

Aber das entspreche nicht der Wahrheit, räumte die 41-Jährige jetzt in der Berufungsverhandlung ein - und legte erstmals ein volles Geständnis ab. Die Diplom-Mikrobiologin beichtete, dass sie bereits nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann in finanzielle Probleme geraten sei - und angefangen habe, Landsleuten vorzuspiegeln, dass sie ihr Geld mit angeblich hohen Zinserträgen gewinnbringend anlegen könne. Irgendwann sei sie in ihr eigenes System immer mehr reingerutscht, habe versucht, ein Loch mit dem nächsten zu stopfen. Ein Teufelskreis.

Für die leichtgläubigen Opfer ist der Verlust ihrer Ersparnisse nach wie vor bitter: Einige hatten für die angeblich schnelle Geldvermehrung eigens Kredite aufgenommen, sie stottern bis heute noch ihre Schulden ab. Von ihrem Geld werden sie wohl nichts mehr sehen: Denn, so die Angeklagte, sie habe alles großzügig für Urlaube, Klamotten und gutes Leben mit ihrer Familie verpulvert, nichts mehr sei davon da. Zurückgezahlt hat sie bislang nur 25.000 Euro, der Rest ist weg.

Eine Bewährungsstrafe - wie erhofft - kam auch für Berufungsrichter Eugen Schwill nicht in Betracht. Dafür sei der Schaden zu hoch, ungewöhnlich hoch auch die Skrupellosigkeit, mit der sie ihre Landsleute betrogen habe, hieß es im Urteil, das sie für zwei Jahre und 9 Monate in Haft schickt. Drei Monate Rabatt wurden ihr - wegen ihres Geständnisses - gewährt. Jetzt hofft die 41-Jährige, dass sie ihre Haftzeit im offenen Vollzug verbringen kann: In der Gefängniszeit will sie zwei Semester studieren, um einen in Deutschland anerkannten Abschluss als Mikrobiologin vorlegen - und dann anständig Geld verdienen zu können.