Rat entscheidet im Juni So äußert sich die Bonner Politik zum potenziellen Nachfolger der Kämmerin

Bonn · Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Michael Fark soll sich bald um die Finanzen der Stadt Bonn kümmern. Was die Ratsfraktionen dazu sagen.

 Im Juni soll IHK-Spitzenmann Michael Fark vom Rat zum Nachfolger von Stadtkämmerin Margarete Heidler gewählt werden.

Im Juni soll IHK-Spitzenmann Michael Fark vom Rat zum Nachfolger von Stadtkämmerin Margarete Heidler gewählt werden.

Foto: CHRISTIAN DAITCHE PHOTOGRAPHY

Die Mehrheit dürfte Michael Fark wohl sicher sein: Durch die Bank positiv bewertet die Ratskoalition aus Grünen, SPD, Linken und Volt den Vorschlag von Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne), ihren Parteifreund und Vize-Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bonn/Rhein-Sieg voraussichtlich in der Ratssitzung im Juni zum neuen Kämmerer zu küren. Verhalten bis kritisch fallen hingegen die Reaktionen der Ratsfraktionen auf der Oppositionsbank aus.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Betriebswirt ist seit 2021 bei der IHK tätig. Vor zehn Monate wurde er zum Stellvertreter von IHK-Hauptgeschäftsführer Hubertus Hille befördert. Fark (47) soll, wie berichtet, die Nachfolge von Amtsinhaberin Margarete Heidler (58) (parteilos) antreten. Ihre Amtszeit endet im Herbst. Bereits im vorigen Jahr hatten Dörner und die Ratsmehrheit Heidler mitgeteilt, sie nicht für eine zweite Amtszeit wiederwählen zu wollen.

„Das sind sehr gute Nachrichten für Bonn, dass wir mit Michael Fark einen erfahrenen Manager aus der IHK gewinnen konnten. Er bringt Expertise aus dem öffentlichen Dienst, der Privatwirtschaft und der Verbandsarbeit mit, was eine hervorragende Grundlage ist, um ein solch anspruchsvolles Dezernat zu leiten“, lobte Grünen-Fraktionsvorsitzender Daniel Rutte den Personalvorschlag der OB. Seine Fraktion gehe davon aus, dass Michael Fark mit diesen Erfahrungen Brücken zwischen Wirtschaft, Ökologie und Sozialem bauen werde. „In Sachen Verkehrspolitik stehen wir in einem guten, konstruktiven und regelmäßigem Austausch mit der IHK“, antwortete Rutte eher ausweichend auf die Frage, wie er denn den Umstand bewerte, dass die IHK mit Fark an der Spitze Hauptinitiatorin der Kampagne „Vorfahrt Vernunft“ ist, die sich unter anderem gegen den geplanten fahrradfreundlichen Umbau der Adenauerallee richtet.

Für SPD-Ratsfraktionschefin Angelika Esch spielt Fark als künftiger Kämmerer eine andere Rolle als bei der IHK: „Aussagen zu Sachthemen sind inhaltlich von der Institution geprägt, für die man spricht.“ Mit Michael Fark werde ein ausgewiesener Fachmann in Sachen Finanzen vorgeschlagen, der zudem über ein hohes Maß an Verwaltungserfahrung verfügt, so machte Esch deutlich, dass ihre Fraktion hinter dem Vorschlag Dörner stehe. Das tut offensichtlich auch die Linken-Ratsfraktion. „Entscheidend für einen Kämmerer ist die Qualifikation, die städtischen Finanzen gut zu managen, nicht aber, ob er in vorheriger Position unsere Verkehrspolitik besonders gemocht hat“, so Fraktionschef Michael Faber. Auch Volt-Fraktionchefin Friederike Martin begrüßt den Personalvorschlag. „Wir erwarten, dass das Controlling künftig in der Stadtverwaltung besser laufen wird.“

Kritische Stimme unter anderem aus den Reihen der CDU

Mit Blick darauf, dass die städtische Verschuldung im Jahr 2027 3,7 Milliarden Euro betragen werde, sehe seine Fraktion es auf den ersten Blick kritisch, dass Fark keine Erfahrung im Bereich der Kommunalfinanzen mitbringe, so CDU-Fraktionschef Guido Déus. „Wir werden uns in der Fraktion aber ein genaues Bild von ihm machen und sind gespannt, welche Konzepte zur Haushaltssanierung er mitbringt.“

Kritisch blickt auch BBB-Ratsfraktionsvorsitzender Marcel Schmidt auf die Personalie, die aus seiner Sicht offensichtlich vorrangig nach Parteibuch vergeben werden solle. „Der von der OB sicherlich auf vorherige Freigabe der Koalition dem Rat vorgeschlagene Kandidat mag geeignet sein, ob er der geeignetste Bewerber war oder ist, wird noch abschließend erörtert werden müssen.“ In dasselbe Horn bläst Werner Hümmrich. Der Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion vermisst Unterlagen der Verwaltung, aus der man die Qualifikation Farks und dessen Abschneiden im Rahmen der Findungskommission ableiten könne. „Aus unserer Sicht wäre kein Wechsel auf dieser Position notwendig, da die Stadt mit Frau Heidler gut aufgestellt ist.“

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge reagierte IHK-Präsident Stefan Hagen auf den möglichen Wechsel Farks zur Stadt Bonn. „Ich kann die Stadt aber nur beglückwünschen. Sie bekommt einen hochkompetenten Mann“, so Hagen.

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