1. Bonn

Bonn: Familienbildungsstätten protestieren gegen Zuschusskürzung

Bonner Familienbildungsstätten : Geistliche protestieren gegen Zuschusskürzung

Die Entscheidung des Stadtrates, die Zuschüsse für die drei Bonner Familienbildungsstätten um 67.000 Euro auf nunmehr 60.000 Euro zu kürzen, stößt auch bei den Superintendenten der Kirchenkreise Bonn und Region sowie bei Bonns Stadtdechanten Wolfgang Picken auf scharfe Kritik.

 In einem Brandbrief an Oberbürgermeisterin Katja Dörner, die Fraktionsvorsitzenden der Ratskoalition aus Grünen, SPD, Linken und Volt protestieren die Superintendenten der Kirchenkreise Bonn, Bad-Godesberg/Voreifel sowie An Sieg und Rhein und der Bonner Stadtdechant gegen diesen Beschluss als „Signal einer verfehlten Familienpolitik und schlechter politischer Stil“.

 Ungewohnt deutlich Worte finden die Geistlichen der Katholischen und Evangelischen Kirche in ihrem Schreiben. Picken sowie Mathias Mölleken (Godesberg/Voreifel), Dietmar Pistorius (Bonn) und Almut van Niekerk (An Sieg und Rhein) fordern, dass die Bezuschussung der Familienbildungsstätten durch die Stadt Bonn sichergestellt werde und so „Familien die Förderung und Unterstützung erfahren, die sie gewohnt sind und verdienen“. Es handelt sich um das evangelische Haus der Familie in Bad Godesberg, die Werkstatt Friedenserziehung an der Dyroffstraße und die katholische Familienbildungsstätte an der Lennéstraße. Die vier Kirchenrepräsentanten äußern ihr Unverständnis darüber, dass man durch diese Entscheidung ausgerechnet die Familien schwäche, die von der Corona-Pandemie besonders betroffen seien. „Eine angemessene und weitsichtige Familienpolitik hätte vielmehr einen Ausbau der Förderung von Familien und der Arbeit der Familienbildungsstätten gefordert.“

„Irritiert“ zeigen sich die Spitzen der beiden großen christlichen Kirchen in Bonn und der Region auch darüber, dass die Förderung der Familienbildungsstätten vom Rat zugunsten eines Ausbaus der offenen Sozialarbeit eingestellt worden sei. „Es darf unter keinen Umständen der Eindruck entstehen, dass aufsuchende Sozialarbeit und Familienbildungsarbeit in Konkurrenz zueinanderstehen oder eines dieser Anliegen eine höhere Bedeutung für das Sozialwesen besitzen würde“, heißt es.

Deutliche Kritik äußern die Geistlichen auch am Stil der politischen Entscheidungsfindung in der Ratskoalition. So sei erst im Zuge eines spontan eingebrachten Antrags aus der Grünen-Ratsfraktion zu später Stunde im Stadtrat der städtische Zuschuss für die Familienbildungsstätten gekappt worden. „Wir sind extrem darüber befremdet, dass die Ablehnung wirtschaftlich relevanter Zuschüsse und die Beendigung einer langjährigen Kooperation ohne weitere Ankündigung und Beratung durch den Jugendhilfeausschuss und Austausch mit den Trägern umgesetzt wurde.“ Das stelle infrage, mit welcher Verlässlichkeit die Kirchen zukünftig in der Zusammenarbeit mit der Kommune rechnen dürften. „So respektlos und unzuverlässig geht man nicht mit Partnern um.“

Die vorherige Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP hatte bereits 2015 das sukzessive Auslaufen der Fördergelder für die drei Familienbildungsstätten beschlossen. 2018 lag der Zuschuss insgesamt noch bei rund 200.000 Euro. Bis 2024 soll er laut Ratsbeschluss auf null runtergefahren werden. Kurz nach dem Versand des Protestbriefes bedankte sich Katharina Bete vom Haus der Familie bei allen vier Geistlichen für die Unterstützung. „Das gibt Kraft und ist ein wichtiges Signal, dafür bedanke ich mich herzlich.“