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Bonn: Feierliches Gelöbnis anlässlich des 66. Gründungsjahres der Bundeswehr

Vereidigung vor der Villa Hammerschmidt : Ministerpräsident Wüst würdigt junge Soldatinnen und Soldaten

Am 66. Jahrestag der Gründung der Bundeswehr betont Hendrik Wüst bei der Gelöbnisfeier von über 60 Rekruten vor der Villa Hammerschmidt die Rolle und Verantwortung der Bundeswehr. Demonstranten kritisieren die Auslandseinsätze.

Für den frisch amtierenden NRW-Ministerpräsidenten ist es so etwas wie ein Antrittsbesuch bei der Truppe: In seiner Rede zum feierlichen Gelöbnis von über 60 Rekrutinnen und Rekruten vor der Villa Hammerschmidt hat Hendrik Wüst am Freitagnachmittag die Bundeswehr als Wahrer der Sicherheit und als Botschafter der Gesellschaft bezeichnet. Die freiwillige Verpflichtung der Soldatinnen und Soldaten nannte der CDU-Politiker ein „mutiges Bekenntnis in einer Zeit vieler Umbrüche“. Der Termin vor dem ehemaligen Haupt- und heutigen Zweitsitz des Bundespräsidenten war zugleich Festakt zum 66. Gründungsjahr der Bundeswehr, die 1955 nicht weit entfernt in der Ermekeilkaserne in der Bonner Südstadt gegründet wurde.

 Wüst würdigte zudem den Einsatz der Bundeswehr im Inland, zuletzt bei den verheerenden Überschwemmungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Der Dank der Bevölkerung sei ihnen sicher, sagte der neue Ministerpräsident. Gleichzeitig betonte Wüst die Wichtigkeit der Rolle als Nato-Partner und die allgemeine Verpflichtung, „den Menschen in Krisen im In- und Ausland beizustehen“. Angelehnt an eine bekannte militärische Diktion sagte Wüst: „Danke, dass Sie dienen.“ Der oberste Befehlshaber der Bundeswehr im Inland, Generalleutnant Martin Schelleis, griff in seiner Rede als Vertreter des Verteidigungsministeriums auch die Geschichte der bundesrepublikanischen Armee in der Stadt ihrer Gründung auf.

Schelleis: „Der Gehorsam muss längst nicht mehr absolut sein“

 66 Jahre nach Einführung der Wiederbewaffnung des Landes stünden die an diesem Tag vereidigten Soldaten in derselben Verantwortung wie Generationen von Vorgängern. Schelleis ging auch auf die von deutschen Militärs begangenen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs ein. „Der Gehorsam muss längst nicht mehr absolut sein, als Parlamentsarmee verstehen wir uns als überzeugte Verfechter der Demokratie“, sagte Schelleis, der zuletzt den Hilfseinsatz der Bundeswehr im Flutgebiet im Ahrtal kommandiert hatte.

An einem Tag mit erneuten Negativ-Rekordzahlen in Sachen Corona-Neuinfektionen durften sich neben den Rekruten und weiteren Bundeswehr-Angehörigen ausschließlich die Familien der jungen Soldatinnen und Soldaten im Garten der Villa Hammerschmidt versammeln. So geriet das Gelöbnis der Angehörigen des ABC-Abwehrbatallions 7 aus Höxter sowie des ABC-Abwehrbataillons 750 aus Bruchsal pandemiebedingt zur intimeren Veranstaltung als in früheren Jahren – für die frisch Vereidigten blieb es „ein ganz besonderer Tag“, sagte Anna Wallace. Die Soldatin will sich für zwölf Jahre verpflichten, ihre Motivation sei eine Mischung aus „Karrierechance und Abenteuer“.

Gelöbnisfeier gerät durchaus auch zur körperlichen Herausforderung

Zumindest ersteres dürfte die Ambition der Bundeswehr bestätigen, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Der 18-jährige Elyas Agzenay steht für eine weitere Neuerung im Konzept der Truppe. Er absolviert den freiwilligen Dienst im Heimatschutz, der sich in sieben Monate Wehrdienst und weitere fünf Monate Reservistendienst aufteilt. „Die Grundausbildung habe ich jetzt hinter mir“, sagt Agzenay, der als härteste Prüfung aber die Distanz von der Familie angibt: „Das ist wie ein neues Leben.“ Bei herbstlicher Kälte geriet die Gelöbnisfeier durchaus auch zur körperlichen Herausforderung. Bei einem Rekruten versagte zwischenzeitlich der Kreislauf, er musste von Sanitätern behandelt werden, war zum Ende der Feier dann schon wieder wohlauf.

Außerhalb des abgeschirmten Geländes der Villa Hammerschmidt hatten sich am Freitag auch rund 15 Demonstrierende versammelt, die auf Spruchbändern unter anderem die Auslandseinsätze der Bundeswehr „in völkerrechtswidrigen Kriegen“ kritisierten. Martin Singe, Sprecher der christlichen Initiative Pax Christi in Bonn, nannte zudem die Eidesformel eine waschechte Täuschung: „Sie schwören auf das Recht und die Freiheit des Deutschen Volkes, dabei geht es bei den Einsätzen weltweit um die Wahrung wirtschaftlicher Interessen und des Zugriffs auf Ressourcen.“