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Bonn - Friesdorfer Freibad wird in dieser Saison nicht mehr öffnen​

Beckenfolie ist undicht : Das Friesdorfer Freibad wird in dieser Saison nicht mehr öffnen

Eine defekte Beckenfolie und Personalmangel sorgen dafür, dass das Friesi in dieser Saison nicht mehr öffnen kann. Innerhalb der Politik wird die Schließung heftig kritisiert. Derweil gibt es neue Öffnungszeiten bei anderen Bonner Bädern.

Die Hiobsbotschaft für Bad Godesberg verschickte das städtische Presseamt am Donnerstag um 12.46 Uhr. Wobei die Nachricht, dass das Friesdorfer Freibad in dieser Saison nicht mehr öffnen wird, gut versteckt war. „Personalmangel führt zu geänderten Öffnungszeiten in zwei Freibädern“ war der Titel der Pressemitteilung. Erst im vorletzten Absatz wird verkündet, dass das Friesi nicht mehr öffnen wird. Mit den „zwei Freibädern“ war das Hardtbergbad und das Ennertbad gemeint.

„Im Freibad Friesdorf dauern die Arbeiten an der defekten Freibadfolie an. Die Stadt prüft parallel zur Reparatur Möglichkeiten, die Folie, die ihre Lebensdauer überschritten hat, kurzfristig komplett austauschen zu lassen. Entsprechende Firmen sind angefragt“, so das Presseamt. Allerdings sei die undichte Beckenfolie nur einer der Gründe, warum die Saison, die eigentlich am Pfingstsamstag beginnen sollte, in diesem Jahr wieder ausfällt. Personelle Engpässe würden den Betrieb ebenfalls unmöglich machen. „Das Sport- und Bäderamt hat alles getan, um Rettungsschwimmer-Aushilfen zu bekommen, und diese sogar selbst in Kursen ausgebildet. Es wurde unter anderem mehrmals über die Medien und Social Media darauf aufmerksam gemacht, dass Rettungsschwimmer-Aushilfen gesucht werden. Aushilfen sind nicht fünf Tage pro Woche einsetzbar, was die Planung schwierig macht“, so Lea Hoffmann vom Presseamt. Die Saisonkarte für das Friesi würde nun auch für das Rüngsdorfer Freibad gelten.

Vorsitzender der Freibad-Freunde Friesdorf ist sprachlos

Im Gespräch mit dem GA war Rafael Röger, Vorsitzender der Freibad-Freunde Friesdorf ein wenig sprachlos. Er hatte erst kurz zuvor davon erfahren, dass die Saison in diesem Jahr nicht stattfinden wird. „Das alles ist sehr enttäuschend für uns“, so Röger, „ich muss nach den richtigen Worten für die Mitglieder-Rundmail suchen“. Der Vorsitzende wiederholte abermals, dass „endlich etwas gemacht“ werden müsse. Nur die Folie auszutauschen, reiche nicht, im Bad gebe es noch genug andere Baustellen. Daher fordert sein Verein eine Gesamtsanierung des Bades. Dass die Folie porös ist, ist durch ein Gutachten bereits seit 2019 bekannt.

In ihrer Mitteilung von Donnerstag erklärt die Stadt zwar, dass die von den Freibad-Freunden organisierten Ferienschwimmkurse für Kinder in anderen Bädern stattfinden können, sie verrät dabei aber nicht wo. „Da ist auch noch längst nicht alles klar“, erklärte Röger. Sicher sei nur, dass die beliebten Filmnächte im Friesi in diesem Jahr stattfinden werden. „Kommende Woche werden wir das Programm vorstellen“, so Röger. Was die Stadt in der Mitteilung auch offen lässt, ist was sie genau unter „Saison“ versteht. Dem Friesi kommt in Bad Godesberg seit der Schließung des Kurfürstenbads eine besondere und wichtige Rolle zu: Im Winter wird es mithilfe einer Traglufthalle zu einem Hallenbad umfunktioniert, damit die Schulen dort weiterhin ihren Unterricht fortführen können. Erst Anfang des Jahres wurde der Mietvertrag für die Traglufthalle um weitere vier Jahre verlängert. Die Miete beträgt für diesen Zeitraum rund 752.320 Euro – ohne Nebenkosten. Sollte die Beckenfolie bis zu den Herbstmonaten nicht repariert sein, könnte der Betrieb des Friesi auch im Winter auf der Kippe stehen.

Bezirksbürgermeister Jansen: Hiobsbotschaft für Bad Godesberg

Das Saison-Aus sorgt innerhalb der Politik für Fassungslosigkeit. „Dass das Friesi diesen Sommer nicht mehr öffnen wird, ist eine Hiobsbotschaft. Das Friesi ist ein wichtiger Bestandteil der Bonner Bäderlandschaft. Daher muss es auch mit entsprechenden städtischen Investitionen in Stand gehalten werden“, so Bezirksbürgermeister Christoph Jansen (CDU). Er werde bei den anstehenden Haushaltsberatungen hinterfragen, ob „von Seiten der Verwaltung für die nächsten Jahre genug Mittel für das Friesi eingeplant sind“. Den Freibad-Freunden bescheinigte er eine „hervorragende Arbeit“, die auch von Seiten der Stadt anerkannt werden sollte.

Auch aus den Fraktionen kommen deutliche Worte. „Für die Freunde des Schwimmens wird es wieder eine bittere Saison. Wie schön wäre es jetzt, wenn es wenigstens das große Hallenbad im Wasserland als Ausweichmöglichkeit gäbe, welches 2020 an den Start hätte gehen können“, so Wolfgang Heedt von der FDP. Dass dieses verhindert wurde, erweise sich nun „als der klassische Schuss; der nach hinten losging“. Für Bad Godesberg sei dies „eine weitere ganz schlechte Nachricht“, so Jens Röskens von der CDU. „Die Situation wäre vermeidbar gewesen. Spätestens seit 2019 weiß die Verwaltung, dass die Folienauskleidung porös ist und ausgetauscht werden muss“, so Röskens. Er verlangt, dass die Verwaltung die „erzwungene Schließung“ nutzen muss, um auch weitere „dringende Reparaturen“ durchzuführen. „Die Aussage, dass das Friesi auch unabhängig von der defekten Folie aufgrund von personellen Engpässen nicht öffnen könnte, ist nicht zu akzeptieren. Bereits zum ursprünglich geplanten Öffnungstermin Anfang Juni hätte das Personal da sein müssen“, so Röskens weiter.

Ähnlich äußerte sich Corinna Dahmen von den Grünen, die auch sportpolitische Sprecherin der Ratsfraktion ist. „Angesichts des Ferienbeginns und der prognostizierten Zunahme an Hitzetagen ist es sehr bedauerlich, dass nun neben dem Melbbad auch das Friesi nicht in die Saison starten kann. Ein kleiner Trost ist, dass die begehrten Schwimmkurse der Freibad-Freunde Friesdorf trotzdem stattfinden können. Es ist schon länger bekannt, dass die Beckenfolie ausgetauscht werden muss und deshalb ist es mir nicht verständlich, dass darauf nicht eher reagiert wurde“, so Dahmen.

Für Uli Barth von der SPD ist etwas passiert, was viele schon länger befürchtet hatten, nämlich, dass der Sanierungsstau auch noch zur Schließung des Friesi führt. „Noch gravierender wäre, wenn jetzt nicht schnell und unbürokratisch eine neue Folie eingebaut werden könnte. Denn dann hätten wir im Herbst wieder gravierende Einschränkungen beim Schulschwimmen. Das darf nicht passieren“, so Barth. Man stehe in der Stadt „vor den Trümmern einer Politik“, die über viele Jahre zu sehr auf Konsum gesetzt und dafür den Unterhalt der städtischen Infrastruktur vernachlässigt habe, so der SPD-Politiker.

Bürger Bund Bonn fordert schnelle Wiedereröffnung

Auch Ralf Jochen Ehresmann von der Linkspartei wird deutlich: „Das Friesi wird seit einigen Jahren ganzjährig betrieben, um den Ausfall des Kurfürstenbads zu kompensieren. Dass diese intensive Nutzung jetzt Spuren hinterlässt, zeigt, wie prekär die Lage der Bonner Bäderlandschaft insgesamt aufgrund der über Jahre verschleppten Sanierungen ist.“ Er forderte, dass das Bad „wenigstens zur Hallenbadsaison“ wieder einsatzbereit ist, damit das Schulschwimmen im Bezirk nicht gefährdet ist.

„Völlig inakzeptabel“ ist die Schließung für den Bürger Bund Bonn (BBB), wie Marcel Schmitt erklärte. „Wir fordern OB Dörner auf, die auf Antrag der BBB-Fraktion im Finanzausschuss am 22. Juni 2022 beschlossene schnellstmögliche Wiedereröffnung des Bades sicherzustellen. Wir erwarten, dass die OB die an Sportfragen scheinbar wenig interessierte Beigeordnete Schneider-Bönninger entsprechend anweist, die längst überfällige Instandsetzung sofort einzuleiten“, so Schmitt. Die „wegen unterlassener Instandhaltung und verfehlter Personalwirtschaft mutwillig herbeigeführte Situation“ zeige laut Schmitt, die „organisierte Verantwortungslosigkeit, die unter der Ägide von OB Dörner“ in der Stadtverwaltung mittlerweile vorherrsche.

Auch die Alternative für Deutschland (AfD) hat zur Schließung des Friesi eine klare Meinung. „Für den Erhalt der bürgerlichen Infrastruktur wird zugunsten ideologisch begründeter Projekte zu wenig getan“, so Wolfgang Truckenbrodt von der AfD.