Pandemie, Personalmangel, Energiekrise Diese Bonner Traditionsgeschäfte haben in den letzten Jahren geschlossen

Bonn · Die vergangenen Jahre haben in Bonn ihre Spuren hinterlassen. Insbesondere während der Pandemie mussten viele Läden in der Stadt schließen. Darunter auch echte Traditionsgeschäfte. Wir haben einige gesammelt.

 Die Parfümerie Vollmar gehört zu einer Reihe von Bonner Traditionsgeschäften, die in den vergangenen Jahren schließen mussten.

Die Parfümerie Vollmar gehört zu einer Reihe von Bonner Traditionsgeschäften, die in den vergangenen Jahren schließen mussten.

Foto: Benjamin Westhoff

Der Einzelhandel hat wahrlich keine leichte Zeit hinter und vor sich. Erst litten viele Händler unter Umsatzeinbußen in den Pandemie-Jahren, jetzt bedrohen Unsicherheiten wie Inflation, Fachkräftemangel und Energiekrise ihr Geschäft. Fortwährend beschäftigt sie auch die Frage nach dem richtigen Umgang mit der Digitalisierung. Es ist wenig verwunderlich, dass nicht alle Betriebe diesem Druck standhalten und schließen müssen. In Bonn hat dieses Schicksal viele Traditionsgeschäfte getroffen.

Schuhhaus Landgraf

Bis Ende 2024 sollen alle neun Bonner Filialen des Schuhhauses Landgraf geschlossen werden - und das nicht aus wirtschaftlichen, sondern ausschließlich aus persönlichen Gründen, wie Geschäftsführerin Nicole Landgraf Ende Juli mitteilte. Damit schließt ein Geschäft mit langer Tradition: Den Familienbetrieb gab es bereits seit 1987.

 Seit 1978 gab es das Schuhhaus Landgrab. Bis Ende 2024 sollen alle Filialen geschlossen weden.

Seit 1978 gab es das Schuhhaus Landgrab. Bis Ende 2024 sollen alle Filialen geschlossen weden.

Foto: Landgraf/GA/Sascha Stienen

Bäckerei Knipp

Die Pandemie sorgte für Einbußen, der Nachwuchs fehlte und die steigenden Energiekosten erschwerten den Betrieb: Nach 125 Jahren schließt die Bäckerei Knipp in Oberkassel. Ende 2022 gab Nikolaus Knipp sich den äußeren Umständen schweren Herzens geschlagen.

Kunsthandlung Kessel

Kunstdrucke von Marilyn Monroe, Dagobert Duck und Unikate: Mehr als fünf Jahrzehnte verkaufte die Buchhandlung Kessel Kunst und nahm Rahmungen vor. Jürgen und Ilona Böhm übernahmen das Geschäft in Bad Godesberg, als der ehemalige Inhaber Dieter Kessel nach 30 Jahren einen Nachfolger suchte. Weil die Suche nach einem weiteren Nachfolger erfolglos blieb, entschloss sich das Ehepaar, ihr Geschäft Ende 2022 zu schließen.

Juwelier Jannis Vassiliou

Nach über 50 Jahren ging die Ära des Juweliergeschäfts von Jannis Vassiliou im März 2021 zu Ende. Die meisten Stücke, die der gebürtige Grieche in seinem Laden in der Sternstraße verkaufte, designte er selbst. Sein Geschäft am Kaiserplatz musste er bereits 2002 schließen. Als Vorsitzender des Einzelhandelsverbands setzt Vassiliou sich weiter für den Handel ein.

1995 eröffnete Jannis Vassiliou sein geschäft in der Sternstraße.

1995 eröffnete Jannis Vassiliou sein geschäft in der Sternstraße.

Foto: Jannis Vassiliou/Vassiliou

Der Puppenkönig

Die Bestürzung war groß, als es im Herbst 2019 hieß: Der Puppenkönig schließt. Erst 2016 hatte das traditionsreiche Spielwarengeschäft sein 100-jähriges Bestehen gefeiert. Seit 1947 saß der in Köln gegründete Laden in der Bonner Gangolfstraße. Ausschlaggebend für die Schließung waren letztlich die Konkurrenz des Onlinehandels und die fehlende Nachfolge für die Geschäftsführung. Zumindest blieben die geschichtsträchtigen Räume des Puppenkönigs in Zukunft nicht ungenutzt. Denn im Frühjahr 2023 öffnete der Puppenkönig als Playmobil-Erlebniswelt erneut seine Türen.

 An die Stelle des Puppenkönigs kommt ab 2023 eine Playmobil-Erlebniswelt.

An die Stelle des Puppenkönigs kommt ab 2023 eine Playmobil-Erlebniswelt.

Foto: Benjamin Westhoff

Buchhandlung Goethe+Schweitzer

Ebenfalls aus der Bonner Innenstadt verschwunden ist die Traditionsbuchhandlung Goethe+Schweitzer, die ehemals Behrendt/Witsch+Behrendt hieß. Anfang 2022 verkündete die Geschäftsleiterin, dass der Mietvertrag mit der Universität Bonn nicht mehr verlängert werden würde. Die Umsatzeinbußen der Corona-Pandemie und die geplante Sanierung des Hauptgebäudes der Universität waren dabei die entscheidenden Faktoren. Der Buchladen befand sich seit 1872 in seinem Sitz Am Hof.

Freizeitmarkt Knauber

„Der Ort, an dem ich alles bekomme, was ich brauche.“ So beschrieb eine Bonnerin den Freizeitmarkt Knauber in der Bonner Weststadt. Doch damit war Sommer 2020 Schluss, als die sechs Knauber-Märkte ihre Türen zum letzten Mal schlossen. Von Haushaltswaren bis Handwerkerbedarf reichte das Sortiment des 1880 gegründeten Familienunternehmens. Doch durch die Digitalisierung des Einkaufens konnte das Traditionsunternehmen nicht mehr mit den größeren Konkurrenten mithalten.

Ursprünglich 1880 gegründet, schlossen im Sommer 2020 alle sechs Filialen des Freizeitmarktes Knauber.

Ursprünglich 1880 gegründet, schlossen im Sommer 2020 alle sechs Filialen des Freizeitmarktes Knauber.

Foto: Benjamin Westhoff

Parfümerie Vollmar

Seit 1911 verzauberte die denkmalgeschützte Einrichtung der Parfümerie Vollmar in der Sternstraße mit den dort angebotenen Düften die Bonnerinnen und Bonner. Anfang 2023 folgte dann aber die Überraschung: Das Geschäft wurde im April desselben Jahres nach 111 Jahren schließen und die Räume an die Parfümerie-Kette Becker abgeben. Die Gründe dafür waren die fehlende Nachfolge für die Geschäftsführung, der Personalmangel und der Online-Handel, der aus Lieferanten Konkurrenten machte.

Schuhhaus Schwaeppe

Noch länger als die Parfümerie Vollmar war das Schuhhaus Schwaeppe in der Bonner Innenstadt sesshaft. 1877 eröffnete die erste Filiale in der Sternstraße. Nach 145 Jahren endete der Verkauf in der Innenstadt im August 2022. Nach den Pandemie-Jahren waren die wirtschaftliche Ungewissheit bezüglich der Inflation, der Energiekrise und zudem Probleme bei den Lieferketten zu viel für den Familienbetrieb.

 145 Jahre lang wurden im Schuhhaus Schwaeppe Schuhe verkauft.

145 Jahre lang wurden im Schuhhaus Schwaeppe Schuhe verkauft.

Foto: Meike Böschemeyer

Babyfachgeschäft Wasser

Mit der Entscheidung, das Babyfachgeschäft Wasser an der Oxfordstraße zu schließen, ging eine bewährte Anlaufstelle vieler Bonner Eltern verloren. 70 Jahre gab es bei Wasser alles für den Nachwuchs. Ende 2022 war damit Schluss. Onlinehandel und Pandemie verstärkten den Personalmangel, der einer der Hauptgründe für die Schließung des Geschäfts war. Ein kleiner Trost für die Kunden: Die gleichnamige Filiale in Hennef blieb weiterhin geöffnet.

Traditionsgeschäft Gutenberg in Bad Godesberg

Auch in Bad Godesberg musste der Einzelhandel mit der Pandemie kämpfen. Dabei verlor unter anderem das Traditionsgeschäft Gutenberg in der Alten Bahnhofstraße. Umsatzeinbußen im Lockdown sorgten zunächst für Kurzarbeit, später dann für die Schließung, als nach den Lockerungen der Maßnahmen die Kundschaft ausblieb. Ende März 2021 machte der Laden zu. Seit 1887 führten fünf Generationen das Familiengeschäft.

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