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Der kleine Laden: Bonner Kinderbuchhandlung erhält Deutschen Buchhandlungspreis

Der kleine Laden : Bonner Kinderbuchhandlung erhält Deutschen Buchhandlungspreis

Seit diesem Wochenende kann sich „Der kleine Laden“ zu den besten Buchhandlungen in Deutschland zählen. Denn in diesem Jahr erhielt sie den Deutschen Buchhandlungspreis, der mit 25.000 Euro dotiert ist.

„Der kleine Laden“, der Literatur für Kinder und Jugendliche anbietet, ist seit Jahrzehnten eine feste Institution in der Bonner Innenstadt. Die langjährige Erfahrung der Mitarbeiter, die Auswahl der Bücher und Veranstaltungen an Schulen oder in der Buchhandlung selbst macht das Geschäft zu etwas Besonderem. Das ist wohl auch der Grund, dass es nun auch offiziell zu den besten Buchhandlungen Deutschlands zählt: Unter 118 Bewerbern konnte sich der Laden durchsetzen und erhielt den Deutschen Buchhandlungspreis, der mit 25 000 Euro dotiert ist.

Angefangen hat alles im Mai 1950. Damals gründeten mehrere Bonner Jugendverbände den Verein „Der kleine Laden“ mit einem kleinen Büdchen an der Ecke Brüdergasse und Markt. Seit 1959 ist das Geschäft zwischen Friedensplatz und Stadthaus zu Hause. „Der Gedanke für die Gründung damals war, dass es einen Buchladen gibt, wo man keine braune Literatur kaufen kann“, sagt Gisela Schruff-Tyrichter, seit 40 Jahren die Geschäftsführerin. Denn solch fragwürdige Schriften waren auch fünf Jahre nach dem Krieg noch im Umlauf. Stattdessen wollten sich die Gründer von Anfang an dem Nachwuchs etwas bieten. Doch leider gab es zu der Zeit noch kaum Kinderliteratur, sodass zunächst vor allem Zeitschriften in den Regalen standen. Erst später kamen dann nach und nach Bücher dazu.

Als Verein ist der Laden unabhängig von den Gesetzen des Marktes

Da die Buchhandlung einem Verein gehört, seien sie in einer etwas anderen Situation als andere Buchhandlungen. „Wir können uns den Luxus leisten, auch Bücher anzubieten, die mal etwas länger im Laden liegen“, sagt Schruff-Tyrichter. Und fast jedes Buch, das in dem kleinen Pavillon liegt, hat sie oder einer der Mitarbeiter auch selbst gelesen. „Die Menschen kommen vor allem hierher, um sich beraten zu lassen.“ Schruff-Tyrichter etwa habe sich auf Literatur für Kinder mit Leseschwäche spezialisiert. Neben drei festangestellten Mitarbeitern und vier Minijobbern helfen Vereinsmitglieder ehrenamtlich, etwa indem sie während des ersten Lockdowns Bücher auslieferten oder Werbung für das Angebot machten.

Die Geschäftsführerin ist überzeugt: „Es gibt für jedes Kind das richtige Buch.“ Und das Klischee, dass Mädchen häufiger Bücher lesen, stimme nicht. „Jungs lesen genausoviel“, sagt sie. Es gebe in der Kinderliteratur nur viel mehr Bücher für Mädchen als für Jungen. Um ein Kind zum Lesen zu bringen, sei es vor allem wichtig, herauszufinden, wofür es sich interessiere. Ein Junge habe ein Buch über Fische angefangen zu lesen, was sein Interesse weckte. Oder ein anderer schnappte sich ein Bastelbuch. Und wenn die Kinder nicht lesen wollen, dann müsse man sie locken, so die Händlerin. Auch Sachbücher, zum Beispiel über Fußball, könnten die Neugierde der Kinder wecken.

Eine derzeit größere Lust auf Bücher stellt Schruff-Tyrichter bei ihren Kunden fest, obwohl ihre Zahl abgenommen habe. „Die kaufen aber ganz gezielt gleich einen ganzen Stapel Bücher ein“, sagt Schruff-Tyrichter und vermutet, dass manche befürchten, dass wohl befürchten, der Lockdown könnte wieder strenger und mehr Geschäfte wieder geschlossen werden.

Bücher von Astrid Lindgren und Otfried Preußler sind immer noch sehr beliebt

Der Buchhandel ist einem ständigen Wandel unterzogen. Doch manche Geschichten bleiben ein Dauerbrenner. „Die Bücher von Astrid Lindgren oder Otfried Preußler etwa“, so Schruff-Tyrichter. Aber auch der „Räuber Hotzenplotz“, die Kinderbücher über Latte Igel und die Wimmelbücher der Kinderbuchautorin Rotraut Susanne Berner. Und nach wie vor „Harry Potter“. Danach würden sogar in letzter Zeit vermehrt Kinder fragen. „Es kommen Zehnjährige, die sich für die Bücher interessieren. Die haben dann auch genau das richtige Alter dafür.“ Sehr gefragt seien auch kleine Biografien von großen Persönlichkeiten.

Anderes wiederum ändert sich im Laufe der Zeit: „Früher hat noch sehr gezählt, wer den Deutschen Jugendliteraturpreis erhalten hat“, sagt Schruff-Tyrichter. Bekannte Bücher wie „Momo“, „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ oder „Krabat“ wurden mit dem renommierten Preis ausgestattet. „Im Geschäft wird aber nicht mehr so stark danach gefragt, wer der diesjährige Gewinner ist.“

Als Schruff-Tyrichter in den 70ern in dem „Kleinen Laden“ angefangen hatte, waren es vor allem Problembücher, die gelesen wurden: „Es ging in ihnen immer darum, welche Probleme die Kinder und Jugendlichen hatten.“ Derzeit sei vor allem Fantasy beliebt. „Überall wo gezaubert wird oder magische Wesen vorkommen, ist das für die Kinder interessant.“ Das Thema Corona hat sich hingegen in der Literatur für die Jüngsten bisher kaum niedergeschlagen. „Wir haben zwei, drei Bücher, die erklären, was Corona ist“, sagt Schruff-Tyrichter.