1. Bonn

Bonner Kita: Erzieherin klagt gegen Kündigung der Stadt

Frau zog Kind an den Haaren : Stadt kündigt Erzieherin nach Vorfall in Kita

Weil sie einem widerspenstigen Kind in einer städtischen Kita an den Haaren gezogen hat, erhielt eine Erzieherin, die seit 1994 bei der Stadt Bonn arbeitet, die fristlose Kündigung. Die Frau hat dagegen geklagt.

Es ist eine Horrorvorstellung für Eltern: Sie geben ihr Kind in eine Kita und vertrauen darauf, dass es dort gut und liebevoll betreut wird. Doch dann erfahren sie, ihr Nachwuchs wurde zum Essen gezwungen, geschlagen oder gar eingesperrt. Das hat in Deutschland strafrechtliche Relevanz, in solchen Fällen folgt zumeist die fristlose Kündigung. Wie jüngst im Fall der Erzieherin einer städtischen Kita. Sie war gegenüber einem Vierjährigen rabiat geworden und hatte ihn an seinen Haaren gezogen, weil er nicht spurte. Die Stadt quittierte das Verhalten mit einer fristlosen Kündigung. Dagegen klagte die Frau jetzt vor dem Arbeitsgericht Bonn.

Eltern, die ihr Kind in eine Kita geben, müssen die Gewissheit haben, dass es unversehrt bleibt, begründet eine Vertreterin des städtischen Personalamts den harten Schritt, der langjährigen Mitarbeiterin umgehend den Stuhl vor die Tür zu stellen. Immerhin ist die Frau seit 1994 bei der Stadt Bonn als Erzieherin beschäftigt und hatte sich bis dahin nie etwas zu Schulden kommen lassen. „Was sie aber jetzt getan hat, das geht gar nicht. So ein Verhalten ist untragbar“, betont die städtische Vertreterin.

Die Klägerin habe den Jungen an den Haaren in die Kita gezogen, weil er nicht ins Haus kommen wollte. Das habe eine Kita-Mutter von außen beobachtet, die nicht nur die Einrichtung, sondern auch die Polizei über den Vorfall informierte und Strafanzeige stellte. „Wir haben die Mitarbeiterin natürlich auch angehört“, so die städtische Vertreterin weiter. Die Frau habe zugegeben, übergriffig geworden zu sein, weil der Junge nach ihr getreten habe. Er sei ihr aus dem Frühstücksraum entwischt und in den Garten gelaufen, wo er nicht sein sollte. Wäre das Kind vom Kitagelände auf die Straße gelaufen, hätte der Fall vermutlich anders aussehen können, macht der Vorsitzende Richter deutlich. Dann hätte man das auch als Rettungsversuch werten können. So sei das Ganze „schwierig“.

Erzieherin entschuldigt sich für ihr Verhalten

Der Rechtsbeistand der Klägerin räumt ebenfalls ein, dass das Verhalten seiner Mandantin keineswegs in Ordnung war. „Sie sagt aber, sie habe das Kind an den Haaren gezogen, weil es sie nicht nur getreten, sondern auch gekratzt und bespuckt hat“, so der Anwalt. Sie habe es allerdings nicht an den Haaren in die Kita hineingezogen, sondern dabei lediglich den Arm umfasst. „Sie hat sich doch für ihr Verhalten entschuldigt“, wirbt er um etwas mehr Verständnis für seine Mandantin, die als Erzieherin täglich hohen Belastungen ausgesetzt sei. „In all den Jahren hat sie sich nur einmal nicht im Griff gehabt.“ Er betont, es gebe nicht nur keine dokumentierten Fälle über Fehlverhalten der Klägerin, es gebe sie schlichtweg nicht. Auch verweist er darauf, dass sie in ihrem Alter von mehr als 50 Jahren wohl auch keine guten Aussichten habe, woanders eine adäquate Stelle zu finden. „Sie hat mir gegenüber gesagt, das werde sich nie mehr wiederholen. Sie nimmt sich das Ganze sehr zu Herzen. Das wird nicht mehr passieren.“

Die Mimik der Stadtmitarbeiterin zeigt dagegen Zweifel. Am Ende einigen sich die Parteien auf Widerruf: Die Klägerin soll eine zweite Chance erhalten. Sie wird bis Ende September 2022 befristet in einer anderen städtischen Kita weiterbeschäftigt. Einen Monat vor Ablauf der Frist kann die Stadt entscheiden, ob sie bleiben kann oder nicht. Zudem muss sie ein Deeskalations-Training absolvieren und eine Abmahnung in ihrer Personalakte akzeptieren. Der Vergleich kann bis zum 10. Dezember widerrufen werden.