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Hass im Netz: Bonner klärt über Cybermobbing und Hate Speech auf

Hass im Netz : Bonner klärt über Cybermobbing und Hate Speech auf

Die Initiative „Liebe wen du willst“ setzt sich für mehr Toleranz gegenüber anderen Menschen ein. Vorstandsmitglied Pavlo Hrosul weiß selbst, wie es ist, gemobbt zu werden. Nun will er anderen helfen und bietet Workshops zum Thema Cybermobbing und Hate Speech in Schulen an.

Mit der #NoHateMe-Kampagne will Student Pavlo Hrosul (27) auf Hass im Internet aufmerksam machen. In seinen Seminaren erklärt er den Unterschied zwischen Hate Speech und Cybermobbing und nennt Beispiele.

Wie es ist, gemobbt zu werden, habe Hrosul selbst erfahren müssen, erzählt er. Heute möchte das Vorstandsmitglied von „Liebe wen du willst e.V.“ anderen Menschen helfen und Aufklärung betreiben. Dafür bietet Hrosul Kurse in Bonn an. „Wir geben ehrenamtlich Workshops in den Schulen und sprechen über Hass im Internet, digitale Schikanen, Stalking und Mobbing“, sagt der Projektleiter. Gerade weil Schüler am meisten von Mobbing betroffen seien. „Für die Opfer hat das fatale Folgen, weil sich Jugendliche noch in der Entwicklung befinden.“

Im ersten Teil des Seminars geht es um die Grundlagen. Die Teilnehmer sollen lernen, was Cyber-Mobbing ist und welche Folgen es für die Betroffenen haben kann. Danach folgt eine Gruppenarbeit, bei der über konkrete Beispiele geredet wird. Die Teilnehmer diskutieren über anonymisierte, aber echte Hasskommentare.

Neben den Workshops betreibt der Verein Infostände auf großen Veranstaltungen, wie dem Christopher Street Day. Bei der Arbeit gehe es ganz allgemein um Antidiskriminierung, sagt Hrosul. Wie wichtig das Thema ist, zeigt eine Umfrage vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest. Darin gaben ein Drittel der Jugendlichen an, Fälle von Cybermobbing im eigenen Bekanntenkreis zu kennen. So haben 31 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen schon einmal miterlebt, dass jemand per Smartphone oder online fertig gemacht wurde. Nach der Studie bekommen Mädchen (35 Prozent) dies häufiger mit, als Jungen (26 Prozent). Acht Prozent wurden schon selbst Opfer von Cybermobbing. Mädchen seien mit elf Prozent hier mehr als doppelt so häufig betroffen wie Jungen mit 4 Prozent.

Für Hrosul seien die Ergebnisse keine Überraschung. Der Projektleiter erklärt die Unterschiede zwischen sogenannten Hate Speech und Cybermobbing. „Bei Mobbing handelt es sich um einen langfristigen Prozess und nicht um einen schnellen Angriff wie bei Hassbotschaften.“ Cybermobbing beginne hingegen, wie beim klassischen Mobbing auch, mit Diskriminierungsmerkmalen. „Dabei geht es nicht immer nur um Herkunft oder Hautfarbe, sondern auch um die Körperfigur, also ob jemand dick oder dünn ist“, erklärt Hrosul und ergänzt: „Oder generell gesprochen, jemand unterscheidet sich im Aussehen von der Mehrheit.“

Die häufigsten Merkmale für Cybermobbing seien Herkunft, sexuelle Orientierung, Krankheiten, Behinderungen und unterschiedliche Meinungen. „Zuerst kommt der Hass und dann das Mobbing.“ Gerade Instagram sei eine interessante Plattform, da die App hauptsächlich mit Äußerlichkeiten arbeite.

Nicht nur Schüler seien hier von Cybermobbing betroffen, sondern auch Erwachsene, wie Hrosul berichtet. „Es gab in NRW eine Lehrerin, die bei Instagram Fotos aus dem Urlaub hochgeladen hat. Die Bilder, wo sie leicht bekleidet zu sehen ist, haben die Schüler anschließend im Internet verbreitet.“ Die Lehrerin sei dann immer weiter gemobbt worden. „Die Fotos waren überall zu sehen.“

Im Gegensatz zu Cybermobbing findet Hate Speech im Internet öffentlicher statt. „Bei Hate Speech geht es vor allem um Menschenfeindlichkeit“, sagt Hrosul. Weit verbreitet seien die Hasskommentare vor allem in sozialen Netzwerken wie etwa Twitter und Facebook. „Durchgehend gibt es dort Beleidigungen, wo man gegen vorgehen muss“, fordert Hrosul, denn nicht nur Prominente seien die Opfer, sondern alle Menschen. „Du Araber, du Schwuchtel kann man dort in den Kommentaren lesen“, schildert Hrosul. Oder: „Wenn zwei Männer sich heiraten können, dann kann ich auch meine Katze heiraten, war ein Kommentar bei Facebook, zur gleichgeschlechtlichen Ehe“, erinnert er sich.

Jugendliche, die digitale Medien am häufigsten nutzen, seien aber von Hate Speech weniger betroffen. „Im Gegensatz zu Erwachsenen steigen sie nicht so in den Diskurs ein“, sagt Hrosul. „Bei den Jugendlichen findet eher die Interaktion umeinander statt. Daher gibt es hier mehr Cybermobbing, das meist auch nicht so öffentlich stattfindet.“ Problematisch seien hier vor allem eng verbundene Kreise. „In WhatsApp-Gruppen kommt Cybermobbing am meisten vor, in Facebook Gruppen begegnet man digitaler Hetze“, sagt Hrosul.