Bonner Maya-Forscher in Nashville erschossen

Der Wissenschaftler Pierre Robert Colas ist in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee erschossen worden. Der 32-Jährige lehrte und forschte an der Vanderbild University als Assistenzprofessor zur Indianerkultur der Maya. Die Polizei geht offenbar von Raubmord aus.

Bonn. Der Wissenschaftler Pierre Robert Colas ist in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee erschossen worden. Der 32-Jährige lehrte und forschte an der Vanderbild University als Assistenzprofessor zur Indianerkultur der Maya.

Einen Teil seiner Ausbildung absolvierte er zuvor an der Universität Bonn am Institut für Altamerikanistik und Ethnologie. "Er war einer der bedeutendsten jungen Maya-Forscher", sagt der Bonner Altamerikanist Professor Nikolai Grube.

Die Polizei in Nashville hat laut Medienberichten inzwischen drei Männer und eine Frau festgenommen, die verdächtigt werden, Colas am vergangenen Dienstag spätabends in seinem Haus erschossen zu haben. Womöglich sind sie durch eine offene Verandatür ins Haus gelangt.

Die Polizei geht offenbar von Raubmord aus. Außerdem wurde auch Colas' 27-jähriger Schwester Marie in den Kopf geschossen, die aus der Schweiz zu Besuch war. Sie überlebte zunächst schwer verletzt, ist aber am Sonntag ihren Verletzungen erlegen.

Die Ermittler kamen den Tätern offenbar durch Überwachungskameras auf die Spur, als diese mit Colas Kreditkarten einkauften. Auch das Auto der Tatverdächtigen wurde gefilmt und inzwischen gefunden. Die Verdächtigen sollen wegen Mord angeklagt werden, berichten US-Medien.

Pierre Robert Colas wurde am 13. Januar 1976 als Sohn eines Diplomaten in London geboren und lebte als Kind in Mexiko, wo er seine Liebe zur Maya-Kultur entdeckte. Er studierte in Hamburg Altamerikanische Sprachen und Kulturen und machte dort im Jahr 1999 seinen Magisterabschluss. Im selben Jahr begann er seine Dissertation über die Namenkunde der klassischen Maya, die er im Jahr 2004 unter der Betreuung des Bonner Altamerikanisten Grube abschloss.

Nach einem weiteren Forschungsprojekt der Uni Bonn ging Colas im Jahr 2006 als Assistenzprofessor nach Nashville. Vor zwei Jahren strahlte das ZDF einen Dokumentarfilm in der Reihe "Schliemanns Erben" aus, der Colas Forschung über die Höhlen der Maya zum Thema hatte.

"Pierres früher Tod ist ein tragischer Verlust für die Mesoamerikaforschung auf beiden Seiten des Atlantiks", schreiben die Dozenten, Mitarbeiter und Studenten der Abteilung für Altamerikanistik und Ethnologie der Universität Bonn in einem Nachruf. "Wir haben einen guten Freund aus unserer Mitte verloren."

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