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„Falsche Polizisten“-Trick: Bonner Polizei und Banken wollen stärker gegen Betrüger vorgehen

„Falsche Polizisten“-Trick : Bonner Polizei und Banken wollen stärker gegen Betrüger vorgehen

Einmal im Jahr kommen Vertreter von Polizei und Banken zum „Bankenkreis“ zusammen. Sie wollen die Prävention verbessern. 2019 strichen Kriminelle mit der Betrugs-Masche 750.000 Euro ein.

Es ist eine Masche, die der Bonner Polizei Kopfzerbrechen bereitet. Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten, Staatsanwälte oder andere Amtsträger aus, überrumpeln ihr Opfer und versuchen, es um mehrere Tausend Euro zu bringen.

2019 war das nach Angaben von Kripo-Chef Norbert Wagner rund 2500 Mal in Bonn, Bad Honnef, Köngiswinter und dem linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis der Fall. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Fälle somit mehr als verdoppelt. Die meisten Versuche sind zwar nicht erfolgreich. Gelangen die Täter aber zum Ziel, streichen sie hohe Summen ein. In Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis war das siebenmal der Fall. Mit einem Gesamtschaden von 750.000 Euro.

„Die Tat beginnt mit dem Anruf des Betrügers beim Opfer, und sie endet mit der Geldübergabe vom Opfer an den Betrüger“, stellt Hubert Weis fest, der zwölf Jahre lang Leiter der Abteilung für Handels- und Wirtschaftsrecht im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in Berlin war. Dazwischen lägen wenige Stunden. Nur die Bank könne das Opfer in der Zwischenzeit warnen. Deshalb müsse man sie in den Blick nehmen, meint Weis.

„Falsche Polizisten“ und „Enkel-Trick“

Das ist bereits der Fall. „Jährlich findet im Polizeipräsidium Bonn der sogenannte Bankenkreis statt“, sagt Polizeisprecher Simon Rott auf GA-Anfrage. Dabei handele es sich um ein Gespräch zwischen Vertretern der Geldinstitute und der Polizei. Die Banken erhalten dabei laut Rott Informationen zu Betrugsmaschen wie den Enkeltrick und falsche Polizisten. Außerdem gibt es Faltblätter mit Tipps zu Verhaltenshinweisen für Mitarbeiter und Kunden, um sich vor den Betrügern zu schützen, erläutert Rott. Darüber hinaus habe man im November angeboten, Vorträge für die Mitarbeiter sowie Beratungsstände für die Kunden in den Filialen anzubieten.

Außerdem, so Rott, habe man abgestimmt, welche Informationen weitergegeben werden dürfen. Auf jeden Fall „beraten die Mitarbeiter mögliche Opfer bei ungewöhnlichen Geldabhebungen intensiv“. Dabei wiesen sie auch auf das Vorgehen der Täter hin und böten Unterstützung an, so nehmen sie zum Beispiel auf Wunsch Kontakt zu Verwandten oder der Polizei auf. Aber: „Ohne konkrete Verdachtsmomente dürfen uns die Banken nicht informieren“, betont Rott. Ein Vorteil sei, wenn die Bankmitarbeiter die Geldabheber persönlich kennen.

Bereits viele Abbuchungen der Betrüger verhindert

 Die Zusammenarbeit läuft aus Sicht der Polizei gut. So hätten „wiederholt Geldabhebungen nach vorherigen Anrufen falscher Polizeibeamter verhindert werden können“. Die Bankmitarbeiter seien sensibilisiert und meldeten auch „in Einzelfällen verdächtige Wahrnehmungen. Dabei ist sichergestellt, dass der Datenschutz, das Bankgeheimnis, berücksichtigt wird“, stellt Rott fest.

Die gute Kooperation mit der Polizei bestätigen vier Banken mit Filialen in Bonn, die der GA befragt hat. „Wir sensibilisieren unsere Mitarbeiter in den Filialen und die Kundenberater“, erklärt Wilhelm Wester, Pressesprecher der Volksbank Köln-Bonn. Durch besondere Aufmerksamkeit habe man bereits in mehreren Fällen verhindern können, dass Senioren auf den „Enkeltrick“ reinfallen. „Vielfach besteht ein enges Vertrauensverhältnis der Mitarbeiter zu ihren Kunden, sodass ungewöhnlich hohe Auszahlungen und Geldtransfers auffallen“, erläutert Wester. Man bitte die Kunden dann diskret in einen Nebenraum, um den Fall zu eruieren. Wenn sich ein betrügerischer Hintergrund ergebe, biete man polizeiliche Hilfe an. Eine rechtliche Handhabe sei ihm aber nicht bekannt, fügt Wester hinzu. „Wenn der Kunde im Rahmen seines Guthabens oder Dispos Geld verfügt, müssen wir den Auftrag ausführen.“

Besonders auf ältere Menschen Acht geben

Dirk Kärgel von der regionalen Kommunikation der Commerzbank bestätigt, dass auch in deren Filialen verstärkt darauf geachtet werde, wenn ältere Menschen unangekündigt ungewöhnlich hohe Geldbeträge mit unklarem Verwendungszweck abheben wollen. „Besonders aufgrund guter und langjähriger Kundenbeziehungen fallen solche Auffälligkeiten ins Auge“, meint Kärgel. Der persönliche und vertrauensvolle Kontakt zu den Kunden sei besonders wichtig.

Was auch Elzona Abdija von der Pressestelle der Postbank so sieht. Die praxisorientierten Handlungsempfehlungen ihrer Bank beinhalteten dabei die aktive Ansprache der Kunden, die in das Opferschema des Enkeltricks passen. „Dazu gehören vor allem ältere Menschen, die in Begleitung einer anderen Person in die Filiale kommen, aufgeregt sind oder größere Summen abheben wollen.“ Die Postbank-Mitarbeiter seien dann angewiesen, auf „außergewöhnliche Anhaltspunkte“ zu achten. „Liegen diese allerdings nicht vor, besteht kein Grund für Nachfragen“, sagt Abdija. 2016 habe die Postbank übrigens zum wiederholten Mal eine Broschüre zu Betrugsmaschen aufgelegt, die auch Informationen und praktische Verhaltenshinweise zum Enkeltrick enthalte.

Risiko-Ort Tresorraum

Auf die zusätzliche Gefahr, dass Betrüger mit verschreckten älteren Kunden gar nicht auf die Kassenstellen zusteuern, sondern im Tresorraum verschwinden, weist Tobias Sträter von der Kommunikation der Sparkasse Köln-Bonn hin. Deshalb bestücke man derzeit alle Filialen, die Kundenmietfachanlagen anbieten, mit Kalenderkarten, auf denen der „Falscher-Polizist-Trick“ beschrieben wird. So warne man noch direkt im Tresorraum davor, sich nicht dazu drängen zu lassen, den Inhalt eines Safes an die Betrüger auszuhändigen, erläutert Sträter. Auch im laufenden Jahr seien auf diese Weise wieder Kunden vor Schaden bewahrt worden. „Ein aktueller Fall ereignete sich erst in der Woche vor Weihnachten, als eine Auszubildende in einer Bonner Filiale eine Kundin noch davon abbringen konnte, Goldbarren aus ihrem Schließfach zu holen.“

Die junge Frau habe der Dame das aushängende Plakat des Landeskriminalamts gezeigt und sie auf diese Weise vor der Gefahr gewarnt, so Sträter. Alle Mitarbeiter und Führungskräfte in den Filialen würden dafür regelmäßig zweimal im Jahr anhand von speziellen Unterrichtsmaterialien zum Thema auf dem Laufenden gehalten. Damit sich die extremen Fälle nicht wiederholen.