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Stadtführung „Bonn – Tor zum romantischen Rhein“: Bonner Schifffahrt hat ebenfalls unter Corona gelitten

Stadtführung „Bonn – Tor zum romantischen Rhein“ : Bonner Schifffahrt hat ebenfalls unter Corona gelitten

Die Stadtführung „Bonn – Tor zum romantischen Rhein“ mit Schifffahrt ist bei Touristen beliebt. Wissenswertes über die Bundesstadt wird Interessierten nicht nur in der Innenstadt geboten, sondern auch direkt auf dem Rhein. Die Rheinschiffer blicken jedoch auf eine wenig erfolgreiche Saison zurück.

Gemächlich ging es rheinaufwärts – die „Rheinprinzessin“ hatte beim Niedrigwasser ordentlich gegen die schnelle Strömung zu kämpfen. Für Jean Hilck ist das Tempo immer noch ungewohnt, obwohl sie diese Kombination aus Stadtrundgang und Schifffahrt der Bonn-Information schon oft geleitet hat. „Meistens fahren wir mit dem Bus herum, das geht dann schneller“, erzählte die gebürtige Britin, die seit 1976 in Bonn ist und seit 21 Jahren Führungen anbietet.

Die Tour „Bonn – Tor zum romantischen Rhein“ gehört dazu, ein Spaziergang zu den innerstädtischen Hotspots und zum Rheinufer, wo man in ein Schiff der Bonner Personenschifffahrt einsteigt und nach Königswinter und zurück fährt. Es ist kein Rundgang für Alteingesessene, die meisten Geschichten dürften heimatinteressierten Bonnern bekannt sein. Bei dieser Tour sei nicht genügend Zeit, um ins Detail zu gehen, erklärte Hilck, denn man müsse ja pünktlich beim Schiff sein.

Die Gruppe am Samstag war mit zehn Personen relativ klein. Hilck vermittelte den Teilnehmern – eine Gruppe aus Rosenheim und zwei Paare aus Eisenach und Vechta – Basisinformationen. Die Beethovenstatue: Bei ihrer Enthüllung 1845 regnete es, die hohen Gäste, darunter Queen Victoria mit ihrem deutschen Mann Albert, saßen überdacht auf dem Balkon der heutigen Post – und mussten dann feststellen, dass der metallene Komponist ihnen den Rücken zuwandte.

Das Münster und die Universität

Das Münster: Die dritte Kirche an diesem Standort, wenn man die römische „Cella Memoriae“ aus dem Ende des dritten Jahrhunderts mitzählt, in deren Nähe die Heilige Helena auch die Gebeine von Cassius und Florentius fand. Sie ließ ihnen zu Ehren über der Totengedenkstätte eine Saalkirche bauen, die später durch das heutige Münster ersetzt wurde, ein Bau im „Rheinischen Übergangsstil“ zwischen Romantik und Gotik.

Es ging dann weiter zur Universität, dem ehemaligen Kurfürstenschloss. Dieses sei Ausgangspunkt des dreitägigen Brandes in der Innenstadt gewesen, weil sich ein Feuer im Schloss auf das Schießpulverarsenal ausgebreitet hatte, erklärte Hilck. In der späteren Uni haben Persönlichkeiten wie Heinrich Heine, Karl Marx, Friedrich Nietzsche, Konrad Adenauer und Joseph Ratzinger studiert. Und dann noch das Alte Rathaus: Viele große Staatsleute hätten auf der Treppe gestanden, so Hilck, und am meisten hätte sie Nelson Mandela beeindruckt: Sie habe zwei Jahre in Kapstadt gelebt, als der spätere Präsident dort noch im Gefängnis saß.

An Board der „Rheinprinzessin“

Dann ging es an Bord der „Rheinprinzessin“, und vom Rhein aus erläuterte Hilck einiges etwa zur Villa Hammerschmidt, dem Regierungsviertel, der Rheinaue, dem Mausoleum von Wilhelm Adolf von Carstanjen und der Fähre, mit der Konrad Adenauer oft über den Rhein setzte und sich dabei mit anderen Passagieren unterhielt. Neben Infos zum Petersberg, von Adenauer liebevoll „Monte Veto“ genannt, dem Drachenfels und Königswinter blieb viel Zeit zum Entspannen. Für die Frau aus Eisenach war vieles erhellend. Sie war überzeugt: „Bonn bleibt für mich die eigentliche Hauptstadt.“

Für die Betreiber der Schiffe geht demnächst eine nicht sehr entspannte Saison zu Ende. „Es passiert schon mal, dass ein Schiff voll ist“, meinte Andrea Vogel, Miteigentümerin der „Rheinprinzessin“ und Aufsichtsratsvorsitzende der Bonner Personenschifffahrt. Allerdings bedeute „voll“, dass die Hälfte der sonst verfügbaren Plätze besetzt sei. „Aber ohne Tagungen, Schulklassenfahrten, Betriebsfeiern und Feuerwerke bleibt nicht viel übrig.“ Immerhin seien die Stammgäste trotz Corona-Auflagen wiedergekommen, auch wenn es ein wenig gedauert habe. Vogel lobte, dass sich die Fahrgäste in Bonn an die Regeln hielten – aus anderen Städten habe sie öfters mal von Maskenverweigerern und ähnlichem an Bord gehört.

Die Führung „Bonn – Tor zum romantischen Rhein“ bietet die Bonn-Information noch am 10. und 17. Oktober an, danach erst wieder im kommenden Jahr, wenn die PBS den Schiffsbetrieb wieder aufnimmt.

Infos gibt es auf www.bonn.de/stadtrundfahrten.