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Joachim Gauck in Bonn: Bundespräsident begibt sich auf Adenauers Spuren

Joachim Gauck in Bonn : Bundespräsident begibt sich auf Adenauers Spuren

Der nächste Montag wird etwas Besonderes für J. Wolfgang Wägele. Der Direktor des Museums Alexander Koenig führt Bundespräsident Joachim Gauck und dessen Lebensgefährtin Daniela Schadt durch sein Reich.

Zuvor nimmt er an einem Mittagessen teil, das die Stadt Bonn in einem ganz besonderen Raum ausrichtet: die frühere Vogelbibliothek Alexander Koenigs, die Konrad Adenauer 1949 zwei Monate lang als provisorisches Arbeitszimmer genutzt hat.

Es ist der offizielle Auftakt des ersten Bonn-Besuchs von Joachim Gauck nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten. Er wird seinen Amtsgeschäften vier Tage lang in der Villa Hammerschmidt nachgehen, seinem zweiten Dienstsitz. In Bonn, Bad Honnef und Rheinland-Pfalz absolviert er zahlreiche Termine.

Trotz aller nötigen Sicherheitsvorkehrungen rechnet Museums-Chef Wägele damit, dass der Besuch in seinem Haus "eine entspannte Sache" wird. "Herr Gauck macht auf mich den Eindruck eines sympathischen Menschen, der wahrscheinlich auch sehr unkompliziert ist", sagt der Direktor.

Zum Mittagessen wird eine Tafel für 14 Personen im Arbeitszimmer aufgebaut, das noch aussieht wie zu Adenauers Zeiten: schwere Edelholzmöbel, kostbarer Deckenstuck im russischen Stil, rote Seidentapeten. Dem ersten Kanzler der Bundesrepublik war der Raum übrigens zu düster, wie Wägele berichtet: Adenauer ließ helle Tücher an die Wände hängen.

Da das Museum montags geschlossen ist, wird der Bundespräsident erst später öffentlich zu sehen sein. Um 15.30 Uhr, so die Planung, begrüßt Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch vor dem Alten Rathaus am Markt das Präsidentenpaar. Ab etwa 17 Uhr läuft Gauck zu Fuß vom Rathaus zum Beethoven-Haus in der Bonngasse - und wird sich wahrscheinlich etwas Zeit für Begegnungen mit den Bürgern am Wegesrand nehmen.

Auch am Dienstag gibt es Gelegenheit, das Staatsoberhaupt aus der Nähe zu sehen. Nach einem Besuch im Adenauer-Haus in Rhöndorf wird Gauck gegen 16.20 Uhr im Haus der Geschichte an der Willy-Brandt-Allee 14 erwartet. Stiftungspräsident Hans Walter Hütter führt ihn durch die Dauerausstellung "Unsere Geschichte. Deutschland seit 1945".

"Das Haus ist während des Besuchs normal geöffnet", sagt Pressesprecher Peter Hoffmann. In der Ausstellung könnte Gauck auf ein Foto stoßen, das ihn in jüngeren Jahren zeigt: 1990 nach seiner Wahl in die damalige Volkskammer der DDR. Der Bundespräsident war übrigens schon zweimal als offizieller Gast im Haus der Geschichte: So diskutierte er 2008 mit Hütter im Rahmen eines Geschichtswettbewerbs das Thema "Helden". Ausrichter des Wettbewerbs: der damalige Bundespräsident Horst Köhler.

Die Bonner Polizei rechnet nicht mit größeren Verkehrsbeeinträchtigungen während des Gauck-Besuchs. Am Montagnachmittag werden Belderberg und Rathausgasse wohl lediglich für wenige Minuten gesperrt, so Polizeisprecher Harry Kolbe.