1. Bonn

Buttons und Ausweise für Hundehalter

Buttons und Ausweise für Hundehalter

Chorleiter Hans Peter Reiners will Interessengemeinschaft ins Leben rufen, um Zukunft der "Hundewiese" nahe der Nordbrücke zu sichern

Beuel. Laut knackt es im Gehölz. Grashalme wackeln, ein Stock fliegt in die Luft. "Schnuffi, hast du eine Maus gefunden", ruft Hans Peter Reiners seinem Hund fragend zu. Plötzlich rast Schnuffi, bewaffnet mit einem viel zu großen Ast, auf sein Herrchen zu.

Er lässt seine Beute fallen und dreht ab. "Das Gelände ist der Traum jedes Hundes, doch im Grunde lassen wir die Tiere hier rechtswidrig laufen. In Bonn gibt es aber keine andere Freilaufmöglichkeit. Wo sollen wir denn sonst hin?", sagt der musikalische Leiter von St. Josef. Tatsächlich bewegen sich Reiners und andere Hundehalter beim Gassigehen nördlich der Nordbrücke auf dünnem Eis - juristisch gesehen.

Die Fläche ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen, absolutes Freilaufverbot. Südlich wie nördlich werden die Wiesen vom Landwirt Marcus Vianden zur Futtermittelproduktion genutzt. Aufgrund der außerordentlich großen Verschmutzung durch Hundehaufen und -urin kann er seine Heuballen nicht mehr veräußern ( der GA berichtete).

"Die Situation ist sonnenklar. Vianden ist Pächter des Landes. Wegen der Hunde kann er seine Produkte nicht mehr verkaufen und will den Freilauf untersagen. Ich verstehe ihn vollkommen", sagt Reiners. Es stelle sich nur die Frage, wo die Hundehalter mit ihren Tieren dann hin sollen.

"Die Tierschutzrichtlinien des Bundes fordern von uns, dass wir die Hunde artgerecht halten. Dazu gehört auch der freie Auslauf. Tiere, die nur an der Leine laufen, werden auf Dauer verhaltensgestört und krank. In Bonn gibt es seit Schließung der Hundewiese in der Rheinaue dazu aber keine Möglichkeit mehr", so Reiners.

Ihn ärgert, dass die Stadt nichts tue. Andere größere Kommunen böten ausreichend viele Hundewiesen an. "Warum ist es in Hamburg, Frankfurt, Köln und anderswo kein Problem, Hundewiesen einzurichten?", fragt sich Reiners.

Umso dringlicher sei es, die Sache nun selbst in die Hand zu nehmen. "Es bleibt nichts anderes übrig, als einen Verein zu gründen." Ziel dieser Interessengemeinschaft solle es sein, die "Hundewiese" als solche zu erhalten, ohne dass Vianden zu sehr unter den Ausfällen leiden muss. Rund 50 bis 60 Mitglieder seien nötig, um ihm den Ausfall zu vergüten. Hinzu kämen Versicherungsgebühren und Kosten für Buttons oder Ausweise, die zur Nutzung der Wiese berechtigen.

"Vereinsmitglieder sollen umgehend zu erkennen sein. Fremde können gezielt auf einen Beitritt oder zumindest eine Spende angesprochen werden", so Reiners. Er rechne mit einem Mitgliedsbeitrag von fünf bis sechs Euro pro Monat. Seit November weist er bereits mit Handzetteln auf die Problematik hin und lädt alle Tierführer zum ersten Planungstreffen am Mittwoch ab 19.30 Uhr in die Gaststätte Mertens an der Rheindorfer Straße ein.

Ihm sei klar, dass etliche Hundebesitzer bei einem geschätzten Hundesteueraufkommen von rund einer Million Euro nicht einsehen, warum privat noch einmal für das Wohl des Lieblings gezahlt werden solle. Indes sei, auch wenn die Stadt endlich reagiere, kaum damit zu rechnen, dass den Hunden eine so große Fläche zugesprochen würde.

Vianden kündigte bereits an, sein Pachtverhältnis aufzukündigen, wenn sich die Situation nicht bessere. Wie die Stadt dann die Fläche bewirtschaften will, ist ungeklärt. Auch von Seiten der Politik bekommt Reiners inzwischen Rückendeckung. Die Beueler FDP forderte die Verwaltung in einem Antrag an die Bezirksvertretung auf darzulegen, wie sie Vianden unterstütze, die Hunde fernzuhalten. Außerdem will die FDP wissen, wie die Stadt die Wiesenpflege aufrechterhalten will, falls der Bauer seinen Pachtvertrag kündigt, und inwieweit dann ein Teil des Landes als "Hundewiese" ausgewiesen werden könne.

Interessenten am "Treffen der Hundehalter" werden gebeten, sich unter der Rufnummer (02 28) 47 46 56 oder per E-Mail unter reinershp@yahoo.de anzumelden.