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Corona in Bonn: 20 Soldaten unterstützen Gesundheitsamt bei Kontaktverfolgung

Nachverfolgung von Kontakten : Bundeswehr-Soldaten kämpfen in Bonn gegen Corona

Bei der Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten achtet die Stadt Bonn jetzt besonders auf Infektionsherde in Schulen und Pflegeheimen. Zur Unterstützung wurden nun Soldaten der Bundeswehr angefordert.

Das Headset ist der ständige Begleiter von Markus Ries geworden. Der städtische Mitarbeiter des Bonner Gesundheitsamts ist seit Anfang April damit befasst, die Kontakte von Corona-Infizierten nachzuverfolgen. Er und sein Team kümmern sich derzeit vornehmlich um Bürgerinnen und Bürger, die unter Quarantäne stehen, also diejenigen, die entweder positiv getestet wurden oder sich während des Ansteckungszeitraums in der Nähe von Infizierten befunden haben. Konkret heißt das alleine für Ries: 50 bis 100 Telefonate täglich. „Die können zwei Minuten dauern, aber auch eine Stunde. Je nachdem, wie viele Fragen die Bürger haben“, sagt er. Die meisten reagierten dankbar, dass sie ihre Fragen platzieren können und gäben Auskunft über ihre Symptome, die Ries zu protokollieren hat.

Pro Infiziertem, so erklärt es die kommissarische Leiterin des Gesundheitsamts, Susanne Engel, seien durchschnittlich 17 Kontaktpersonen zu verständigen. Seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr hätten Mitarbeiter des Amts 43.000 Menschen kontaktiert, 41.000 Beratungsgespräche liefen über das eingerichtete Bürgertelefon, in 12.300 Fällen hätten ihre Mitarbeiter Bürger per schriftlicher Ordnungsverfügung in die Quarantäne geschickt. Weitere Zahlen: Im städtischen Abstrichzentrum in der Gotenstraße und im Drive-in-Zentrum an der Petra-Kelly-Allee – beide vom Deutschen Roten Kreuz betrieben – kam es unter anderem mit Hilfe von Ärzten der Kassenärztlichen Vereinigung zu 31.000 Tests, 11.530 davon haben mobile Teams beispielsweise in Seniorenheimen durchgeführt. Der Inzidenzwert, der sich mit Beginn der ersten Welle im Frühjahr bei 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern befand, liegt – Stand Donnerstag – bei 141,82. Er gibt Auskunft über die Zahl der Neuinfektionen innerhalb von sieben Tagen.

Der Arbeitsaufwand, er ist in den vergangenen Wochen derart groß geworden im Gesundheitsamt, dass die Stadt einen Antrag beim Bund gestellt hat, man möge zur Unterstützung Soldaten der Bundeswehr schicken. „Wir wollten es aus eigener Kraft schaffen, aber das war irgendwann nicht mehr möglich“, erklärt Bonns Kämmerin Margarete Heidler am Donnerstag bei einem Pressetermin vor dem Gesundheitsamt. Zugleich habe man die Aufstellung des Personals vorangetrieben. Sie bat um Verständnis, wenn es bei Anrufen und Informationen zu Verzögerungen oder Missverständnissen bei Rückmeldungen komme. Das sei dem großen Arbeitsanfall geschuldet, der mit „größtmöglicher Sorgfalt“ abgearbeitet würde.

Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner hatte zuvor betont: „Das Gesundheitsamt hat auf der bisherigen Strecke viel geleistet, um die Verbreitung des Virus zu beschränken.“ Die Kooperation mit der Bundeswehr nach den von Land und Bund auf den Weg gebrachten notwendigen Verschärfungen mit einem zweiten Lockdown zeige, dass „wir in dieser ernsten Lage alles Notwendige tun, um die Gesellschaft zusammenzuhalten.“ Der Appell an die Bürger, weiter auf die AHA-Regeln (Abstand halten, Hände waschen, Alltagsmaske tragen) zu achten, fehlt auch an diesem Tag nicht.

20 Soldatinnen und Soldaten aus dem Streitkräfteamt Bonn, dem Heeresmusikkorps Koblenz und dem Musikkorps der Bundeswehr Siegburg unterstützen mittlerweile in der Kontaktverfolgung die 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamts. Die Musiker können derzeit ohnehin nicht ihrer Berufung nachgehen. Jessica Henritzi aus Koblenz ist eine von ihnen. Wie Ries telefoniert sie in erster Linie mit Infizierten und erfasst Adressen weiterer Kontaktpersonen. Haben Sie Symptome? Mit wem hatten Sie in nächster Nähe Gesprächskontakt für 15 Minuten? Solche Fragen stellt sie. Und auch sie spricht von meist „sehr freundlichen Gesprächen“. 

Generalleutnant Martin Schelleis, der die deutschlandweite Corona-Hilfe der Bundeswehr leitet, berichtet, die Bundeswehr sei sich ihrer Verantwortung für die Bürger bewusst. Sie leiste in 300 Gesundheitsämtern und sämtlichen Bundesländern Amtshilfe mit fast 7000 Soldatinnen und Soldaten. Weitere 5000 stünden als Reserve zur Verfügung, sollte sich die Situation zuspitzen. Schelleis geht davon aus, dass die Bundeswehr auch bei der bundesweiten Verteilung der Impfstoffe über 60 Verteilzentren eingebunden wird. „Eine Entscheidung dazu erwarten wir in den nächsten Tagen.“

Das Gesundheitsamt verfolgt mittlerweile die Strategie, sich bei der Nachverfolgung auf potenzielle Infektionsherde zu konzentrieren. Auf diese Weise sollen die Corona-Infektionsketten dort unterbrochen werden, wo die Gefahr einer Ansteckung groß ist. „Fälle in Krankenhäusern, Pflegeheimen, Schulen haben Priorität“, sagt Engel.

Auch schaue das Gesundheitsamt genau auf die Situation. Wenn ein infizierter Schüler in einer Klasse gesessen habe, in der die Maskenpflicht eingehalten und gelüftet wurde, würden nur Schüler in Quarantäne geschickt, die in direkter Nähe saßen. Ziel sei es bei aller Vorsicht, Schulen und Kindergärten offenzuhalten.