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Grabstätte in Bonn: Der Alte Friedhof wird Teil der Europäischen Friedhofsroute

Grabstätte in Bonn : Der Alte Friedhof wird Teil der Europäischen Friedhofsroute

Der Alte Friedhof wird Teil der Europäischen Friedhofsroute. So kommt ihm eine ganz besondere Bedeutung zu. Ohne den Förderverein wäre dabei vieles nicht möglich.

Es ist eine besondere Ehre, die dem Alten Friedhof zuteil wird: Am Dienstag beschloss der Rat die Aufnahme der altehrwürdigen Anlage in die „Europäische Friedhofsroute“. Er reiht sich damit in der Liste des Verbandes bedeutender Friedhöfe in Europa zwischen Bologna und Budapest ein, Bonn wird die dritte deutsche Stadt neben Berlin und Hamburg-Ohlsdorf. Über den Beschluss des Rates, für die Mitgliedschaft im Verband Gelder freizugeben, freute sich besonders Eva Hüttenhain, Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Alten Friedhofs in Bonn.

Der Förderverein kümmert sich seit Jahren darum, dass der Friedhof sehenswert bleibt. Im Jahr 2015 hatte er die Instandhaltung der schmucken Friedhofskapelle veranlasst, die einst Stein für Stein von der Ramersdorfer Kommende nach Bonn umgesetzt wurde. Immer wieder lässt der Verein Gräber restaurieren, im vergangenen Jahr etwa die Grabstätte von August Wilhelm von Schlegel (1767-1845), der unter anderem Shakespeare-Werke in Deutschland bekannt machte und durch sein sehr reiselustiges Leben laut Hüttenhain „ein echter Europäer“ war. Schlegel hatte auch an der Vorbereitung des großen Beethovenfestes 1845 mitgewirkt, dieses aber selbst nicht mehr miterlebt. Der Aachener Blaustein, der schon grau angelaufen war, und das Bronzemedaillon wurden vorsichtig gereinigt, Risse wurden versiegelt und die goldene Inschrift erneuert. Außerdem erhielt die gusseiserne Umzäunung einen neuen Anstrich.

Darauf muss die letzte Ruhestätte von Nikolaus Simrock (1751-1832), Notenstecher und Schreiber unter anderem für Beethoven sowie Vater des berühmten Dichters Karl Simrock, noch warten. Der Stein wurde gereinigt und angestrichen, die Schrift wieder lesbar gemacht, aber für mehr war noch kein Geld da, sodass der Eisenzaun weiter vor sich hin rostet. Hüttenhain will sich nicht beklagen: Das Geld für die Restaurierung, 4100 Euro hat der Philharmonische Chor Bonn 2019 ersungen. Die Arbeit geht weiter: Bonner Bürger haben die Patenschaft für das Grab von Erwin Thiel übernommen, sie lassen es restaurieren und können später in diesem Grab beigesetzt werden, so wie es auch bei Norbert Blüm der Fall ist. Der Förderverein will außerdem eine Infotafel am Grab von Joseph Heinrich Angelbis (1770-1857) anbringen, die durch eine Spende und Geld aus dem Heimatscheck-Programm des Landes NRW finanziert wird. Angelbis hatte einst im Hungerwinter 1816/17 eine Suppenküche organisiert und später die Bonner Armenschule gegründet.

Gelder für diese Arbeit kommen auch über Führungen und Konzerte zustande. Am Wochenende singt der Philharmonische Chor wieder auf dem Friedhof unter freiem Himmel, beide Termine sind aber schon ausverkauft, ebenso wie die musikalischen Führungen am Sonntag. Am Samstag, 26. September, ist in der Kapelle ab 18 Uhr ein Harfenkonzert mit Anna Lück und Hubert Arnold zu hören. Ein Posaunenquartett des Musikvereins aus Weyer in der Eifel spielt dort am Sonntag, 4. Oktober, ab 11 Uhr.

Und am Sonntag, 22. November, kann man ab 16 Uhr Mezzosopranistin Sabine Eichner und Pianist Igot Horvath hören. Alle Konzerte finden unter Corona-Bedingungen statt, sodass zum Beispiel in der Kapelle höchstens 30 Personen Platz haben.

Anmeldung unter ☎ 0228/97 64 95 47 oder per Mail an info@alterfriedhofbonn.de.