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Streit in Bonn: Die Stadt will "gute Bäder für Bonn"

Streit in Bonn : Die Stadt will "gute Bäder für Bonn"

Kaum war das Gutachten zur Neuausrichtung der Bonner Bäderlandschaft am Freitag veröffentlicht, ging sie auch schon los: die Debatte um Pro und Contra, um Schließung und Weiterbetrieb der Hallenbäder. Denn die sollen die Einschnitte treffen.

Die Gutachterin Kim Adam aus Hamburg hatte in der Sondersitzung des Sportausschusses am Donnerstagabend wie berichtet ein negatives Bild der Bäder gezeichnet und empfohlen, das Frankenbad, das Kurfürstenbad in Bad Godesberg und die Beueler Bütt zu schließen. An ihrer Stelle, so schlägt sie vor, sollte ein neues Sport- und Gesundheitsbad auf linksrheinischem Stadtgebiet im Bonner Süden (Kessenich/Dottendorf) gebaut werden.

Die Fakten sind bitter: Vor allem die Hallenbäder sind alt, unmodern und sanierungsbedürftig. Das Angebot lässt zu wünschen übrig, viel mehr als sportliches Bahnenschwimmen ist nicht drin. "Alles, was Spaß macht, ist verboten", so die Gutachterin. Der Gesamteindruck sei vielfach negativ, teilweise sind die Sanitäranlagen und Umkleiden unzumutbar. Hinzu kommen bei den Hallenbädern die sehr unterschiedlichen Öffnungszeiten. Die Freibäder kommen durchweg besser weg, weil sie freizeitgerechter sind und stärker zum Spielen einladen.

Die Stadt Bonn will nun die nächsten Monate nutzen, die vielen Fragen, die das Gutachten aufgeworfen hat, zu klären und anschließend den Ratsgremien ein Konzept und eine Entscheidungsempfehlung vorzulegen. Nach Ostern soll dazu auch ein Verfahren zur Bürgerbeteiligung eingeleitet werden. Wie es aussehen soll, kann die Stadt noch nicht sagen.

Für die schwarz-grüne Ratsmehrheit forderte CDU-Ratsherr Georg Fenninger gestern, dass die Verwaltung dafür möglichst nach den Osterferien erste Vorschläge auf den Tisch legen wird. "Dann tagt der Projektbeirat Bäder. Bis dahin sollten alle das Gutachten gelesen haben", sagte er. Schnellstens konkretisieren müsste sich der potenzielle Standort für das von der Gutachterin vorgeschlagene neue Sport- und Gesundheitsbad, das quasi das Franken- und Kurfürstenbad ersetzen soll.

Zu dem erst vor anderthalb Jahren gefassten Ratsbeschluss, das Frankenbad zu erhalten und zu sanieren, meinte Fenninger, der gehöre wie alles andere dann auch auf den Prüfstand. "Das Ziel muss am Ende auch sein, dass wir einen deutlichen Einspareffekt haben."

Viele kritische Töne zum Gutachten

Gegenwind kommt bereits von der Grünen-Fraktion im Stadtbezirk Bonn und Ratsherr Hartwig Lohmeyer aus der Nordstadt. Das Frankenbad spiele eine unverzichtbare Rolle im sozialen Leben der Nordstadt, eine Aufgabe würde einen massiven Verlust an Lebens- und Wohnqualität in der am dichtesten bevölkerten Nordstadt bedeuten. "Eine Vermarktung und Bebauung des Grundstückes kommt nicht in Frage", erklärte Lohmeyer. "Eine weitere bauliche Verdichtung ist der Nordstadt an dieser Stelle nicht zuzumuten."

Ein Knackpunkt im Gutachten ist für die Vertreter der Schwimm- und Sportfreunde Bonn (SSF) und des Stadtsportbunds die Aussage der Gutachterin , dass für das Schul- und Vereinsschwimmen deutliche Überkapazitäten bestehen. "Das will ich sehen", sagte die Vize-Vorsitzende der SSF, Maike Schramm, ungläubig nach der Sitzung, "wir nehmen gerne jeden Termin, der noch frei ist."

Doch freie Termine gibt es Adam zufolge nicht: "Uns geht es um den Auslastungsgrad, und da ist sowohl beim Schul- wie auch beim Vereinsschwimmen noch viel Luft drin", sagte sie dem GA.

Beim Schulschwimmen rechne man zehn Schüler pro Bahn und Zeitstunde. "Wir haben zwei Monate lang am Beckenrand gezählt und festgestellt, dass dieser Auslastungsgrad nie erreicht wurde." Er lag laut Adams bei cirka fünf Schülern pro Bahn, manchmal noch weiter darunter. Ähnlich falle die Bilanz beim Vereinsschwimmen aus, wenngleich der Auslastungsgrad etwas besser sei. "Hier stellt sich für uns die Frage, wie man diese Belegungszeiten optimieren kann", sagte Adams.

Für Ulrich Dahl vom Stadtsportbund hat das Gutachten vor allem eine Schwäche: "Es ist auftragsorientiert und nicht bedarfsorientiert", kritisierte er nach der ersten Lektüre im Schnelldurchgang. "Eigentlich müssten wir doch erst einmal erfahren, was denn die Bürger wollen", sagte der pensionierte Lehrer außerdem.

Er sieht das präferierte Szenario mit Schließung von drei Hallenbädern äußerst kritisch. "Wenn Wasserflächen reduziert werden, reduziert sich automatisch die Zahl der Schwimmer", glaubt Dahl. Und: "Schwimmbäder müssen erreichbar sein. Nicht jeder hat ein Auto."

Dabei hat er vor allem die Kinder im Blick. Kritische Töne schlägt auch Udo Lehmann vom Stadtschwimmverband an. Er hält die Vorschläge der Gutachterin nicht für "prickelnd", zumal "Volksaufstände" gewiss seien und die Politik dann stets zurückrudere. Er halte Investitionen in den Bestand für den besseren Weg.

Bis zu 50 Millionen Euro müsste man in die Bonner Bäder investieren, um die Technik zu sanieren:

- Kurfürstenbad (mind. 9,43 Mio.)

- Hardtbergbad (mind. 9,96 Mio)

- Frankenbad (mind. 13,99 Mio.)

- Beueler Bütt (mind. 2,5 Mio.)

- Sportpark Nord ( rund 2,5 Mio.)

- Ennertbad (rund 50 000 Euro)

- Römerbad (rund 2,6 Mio)

- Melbbad (rund 2,12 Mio.)

- "Rüngsi" (rund 400 000 Euro) "Friesi" (rund 55 000 Euro)