Lebenslängliche Freiheitsstrafe Ein neuer Prozess und dasselbe Ergebnis

BONN/SANKT AUGUSTIN · Ein 53-Jähriger ist erneut wegen Mordes an einer Prostituierten in Bonn verurteilt worden.

Es ist vor fast genau drei Jahren passiert: Am 27. Juni 2009 wurde eine 38 Jahre alte Prostituierte im Bonner Eroscenter an der Immenburg ermordet. Am Dienstag wurde ein jetzt 53-Jähriger aus Sankt Augustin vom Bonner Landgericht wegen Mordes zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt - und das bereits zum zweiten Mal.

Bereits im Juni 2010 hatte der in finanziellen Schwierigkeiten steckende ehemalige Werkstattbetreiber das erste Mal lebenslänglich erhalten. Damals war eine andere Schwurgerichtskammer zu dem Schluss gekommen, dass der herzkranke Angeklagte das aus der Dominikanischen Republik stammende Opfer aus Habgier und zur Ermöglichung einer anderen Straftat getötet hatte.

Eine 37 Jahre alte Kollegin des Opfers war seinerzeit wegen Raubes zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Gemeinsam sollen die Angeklagten den Plan gefasst haben, dem späteren Opfer dessen Einnahmen von geschätzten 40.000 Euro zu rauben. Diese Verurteilung hatte der Bundesgerichtshof (BGH) aufgehoben.

In der Neuverhandlung waren nun seit Dezember des vergangenen Jahres an mehr als 30 Prozesstagen etliche Zeugen gehört worden. Zudem hatte ein Ortstermin in dem Bordell stattgefunden. All das hat dem 53-Jährigen, von dem die Begehung der Tat stets bestritten wurde, nichts gebracht: "Am Ende sind wird zu dem gleichen Ergebnis gekommen wie beim ersten Mal", so der Kammervorsitzende Hinrich de Vries.

Laut Urteil wurde die Prostituierte in der Nacht auf den 27. Juni und nicht erst am folgenden Mittag ermordet. Der Täter hatte ihr eine Tüte über den Kopf gezogen und einen Vorhang um ihren Hals verknotet - das Opfer war erstickt. Dann wurden die nie mehr aufgetauchten Ersparnisse der Frau aus dem Kleiderschrank entwendet.

Die für den Prozess entscheidende Frage des Todeszeitpunkts war ausschlaggebend dafür, dass der BGH die erste Verurteilung aufgehoben hatte. Zwei andere Prostituierte aus dem Eroscenter hatten behauptet, das Opfer mittags noch lebend gesehen zu haben. Doch "die beiden Frauen haben sich geirrt", so der Vorsitzende nun. Der Verteidiger des 53-Jährigen hat bereits angekündigt, dass er erneut gegen die Verurteilung Rechtsmittel einlegen wird.

Bei der Komplizin wurde die ursprünglich dreijährige Strafe auf zwei Jahre und neun Monate reduziert. Dass sie erneut ins Gefängnis muss, scheint unwahrscheinlich: Sie hat mehr als zwei Jahre in Untersuchungshaft gesessen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort