1. Bonn

Eine weiße Rose zum Gedenken

Eine weiße Rose zum Gedenken

Anlässlich des 67. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz haben enschen an verschiedenen Orten der Stadt der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

An der Gedenkstätte am Rhein legten Schüler Blumen ab. Die zentrale Bonner Gedenkveranstaltung fand in den Bad Godesberger Kammerspielen statt. Fünftklässler der Marie-Kahle-Gesamtschule besuchten am Morgen die Gedenkstätte für die nach der Pogromnacht am Morgen des 10. November 1938 zerstörte Synagoge am Erzberger Ufer.

Gemeinsam mit ihren Lehrern Janine Schuster und Jona Neusel legten sie nach einer Gedenkminute symbolisch eine Rose nieder. An der Blume war eine Karte mit den Namen aller Schüler angebunden. "Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen und das Andenken auch an die nach uns kommenden Generationen weitergeben", sagte Jona (10).

Stellvertretend für die Schüler durfte er die Blume auf dem steinernen Davidsstern im Zentrum der Gedenkstätte neben der Kennedybrücke niederlegen. Nicht nur in der Schule habe er etwas über die Zeit des Nationalsozialismus gelernt, auch privat habe er bereits einiges darüber gelesen. "Mir ist wichtig, daran zu erinnern, dass das ein Thema ist, das uns alle angeht", sagte Jona.

Bereits 2010, als die Schule im Bonner Norden zur Gesamtschule umgewandelt wurde, hatte der erste Fünftklässler-Jahrgang der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. "Wir sehen das als Verpflichtung gegenüber unserer Namensgeberin an. In einem aufeinander aufbauenden Programm beschäftigen sich unsere Schüler in jedem Jahrgang mit dem Thema", erklärte Schulleiterin Sabine Kreutzer.

Während sich die Kinder der fünften Jahrgangsstufe mit den Spuren jüdischen Lebens in Bonn auseinandersetzten, erfassten die Schüler der sechsten Klassen das Leben und Wirken Marie Kahles. Die Frau eines Bonner Orientalisten und Mutter von fünf Söhnen hatten während der NS-Zeit jüdischen Nachbarn und Studenten geholfen und war von den Nazis verfolgt worden. Die Familie konnte nach London fliehen. In den siebten Klassen steht das Thema Neonazis auf dem Lehrplan.

"Mit dem Programm machen wir mehr als vorgeschrieben. Es fällt aber auf, dass Kinder heute zunehmend falsche oder nur vage Informationen über den Nationalsozialismus haben. Dagegen arbeiten wir an", so Kreutzer. Vorwiegend junge Gesichter waren am Vormittag auch in den nahezu vollbesetzten Bad Godesberger Kammerspielen zu sehen. Dort hatten die Stadt und die Bonner Initiative zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in diesem Jahr das Leben jüdischer Emigranten aus der Sowjetunion zum Schwerpunktthema gemacht, von denen einige als Zeitzeugen im Saal anwesend waren.

Birte Schrein, Nina Tomczak und Falilou Seck, Mitglieder des Ensembles des Bonner Theaters, stellten in einer Lesung Erinnerungen und Gedanken von Menschen dar, deren Familien nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 in Ghettos und in Lager eingesperrt und ermordet wurden. Das musikalische Rahmenprogramm gestaltete der Chor "Sim Schalom" der Synagogengemeinde Bonn unter der Leitung von Irina Müller. Anna Pivovarova begleitete die Sänger am Klavier.

Über den großen Anteil junger Menschen, die für die Gedenkstunde mit ihren Lehrern aus den Schulen herbeigeströmt waren, zeigte sich auch Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch erfreut: Denn je weiter das historische Geschehen zurückliege, desto schwerer sei es "zu verstehen, was damals passiert ist, und wie es dazu kommen konnte".

Umso wichtiger sei es, die Erinnerung mit Hilfe von Zeitzeugen lebendig zu halten. Die Emigranten, die aus der Sowjetunion nach Deutschland übergesiedelt sind, vertrauten darauf, hier sicher leben zu können, so Nimptsch mit Blick auf das diesjährige Schwerpunktthema. Ähnlich formulierte es auch Astrid Mehmel, Leiterin der Gedenkstätte für die Bonner Opfer des Nationalsozialismus. Der 27. Januar ist in Deutschland seit dem Jahr 1996 ein gesetzlich verankerter Gedenktag.