Fahrgast ruft Polizei an und bezichtigt Bonner Busfahrer der Trunkenheit

60-Jähriger muss wegen falscher Verdächtigung 400 Euro Strafe zahlen - Ankläger nennt Tat heimtückisch

Bonn. Heimtückisch und rachsüchtig nennt Staatsanwalt Jens Schiminowski die Tat des Angeklagten: Aus Wut rief der 60-Jährige am 27. Januar 2005 als Fahrgast eines Linienbusses die Polizei an und bezichtigte den Fahrer der Trunkenheitsfahrt.

An jenem Abend bestieg der arbeitslose Handwerker vorn beim Fahrer einen Bus der Linie 612, präsentierte erst nach langem Suchen seinen Fahrschein - und wurde renitent, als der Fahrer ihn bat, den Schein am hinteren Automaten zu entwerten, da der vordere defekt sei.

Der 60-Jährige behauptete, das sei ihm nicht zuzumuten, da er behindert sei, der Fahrer müsse das für ihn tun. Doch als der Fahrer den vor ihm stehenden kräftigen und stabil wirkenden Kerl nach dessen Schwerbehinderten-Ausweis fragte, musste der passen.

Und nachdem er ein paar kräftige Beschimpfungen gegen den Busfahrer losgelassen hatte, ging der 60-Jährige in den hinteren Teil des Busses, entwertete sein Ticket und setzte sich. Für den Busfahrer war der Fall erledigt. Was er nicht ahnte: Der krawallige Fahrgast sann auf Rache, griff zum Handy, wählte den Notruf der Polizei und meldete, er habe Angst, denn der Busfahrer der Linie 612 sitze betrunken hinter dem Steuer.

Vier Minuten später schon fing eine Polizeistreife den Bus an der Bad Godesberger Stadthalle ab, holte den Fahrer aus dem Bus - und merkte sofort, dass der Mann stocknüchtern war. Der aber ahnte, wer dahintersteckte, und wenig später war der 60-Jährige als Täter identifiziert.

Ein Polizist rief ihn auf dem Handy zurück - und wurde ebenfalls wüst beschimpft. Nachdem ihn das Amtsgericht wegen falscher Verdächtigung zu 400 Euro Geldstrafe verurteilt hatte, saß der 60-Jährige nun in der Berufung vor der 5. Kleinen Strafkammer dem Landgerichts und beteuerte erneut:

Er habe wirklich gedacht, der Busfahrer sei betrunken. Doch auch die Strafkammer glaubte den Zeugen und nicht ihm und verwarf die Berufung. Und der Staatsanwalt hielt ihm zum Schluss vor: "Was Sie getan haben, ist nicht nur strafbar, sondern auch unmännlich." Das saß sichtlich.

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