1. Bonn

Forsch, zupackend und fröhlich

Forsch, zupackend und fröhlich

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner besucht einen Tag vor den Bauern-Demonstrationen das Seniorenhaus Emmaus.

Plittersdorf. "Echt easy hier." Dieser Morgentermin im Altenheim ist für die schon vor Eintreffen der Ministerin im CBT-Wohnhaus Emmaus herumschwirrenden Herren des Bundespresseamts eine leichte Übung. Da dürfte am heutigen Mittwoch die Stimmung bei den vor dem Landwirtschaftsministerium demonstrierenden Milchbauern der Region handfester werden.

"Das ist aber nett, dass auch Sie mich begrüßen", geht Ilse Aigner, kaum der Limousine entstiegen und nach dem Händedruck mit den Offiziellen, auf zwei rüstige alte Damen vom Bewohnerbeirat zu. Ein Blick auf den Rollator der Einen.

Und schon fachsimpelt sie mit ihr übers Modell. "Meine Mama hat ein anderes. Ich muss mich da über die Neuerungen auf dem Laufenden halten." Was der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hier bei der Basis unbedingt Pluspunkte bringt.

"Die ist ja richtig nett und natürlich", urteilen auf jeden Fall die beiden Seniorinnen Adele Müller und Edith Schild. Da ist die Frau im knallgrünen Jackett schon mit Franz Stoffer, Geschäftsführer des Caritas-Heimträgers CBT, und Pfarrer Wolfgang Picken von der Bürgerstiftung Rheinviertel ins Haus geeilt.

Stoffer breitet vor der Ministerin bald nach dem Motto "Eigenlob stimmt" all die Vorzüge des CBT-Betreuungskonzepts aus, das "immer auch im Zeichen des Kreuzes" handle. Picken informiert umfassend über die karitative Arbeit der Stiftung, die, wie berichtet, hier im Haus Emmaus das Wirken einer Hospizschwester ermöglicht.

"Ich finde die Arbeit, die Sie leisten, existenziell wichtig", lobt Ilse Aigner denn auch sofort die Stiftungsprojekte und nicht zuletzt das Wirken von Schwester Rincy, die bescheiden dabeisitzt. "Wahrscheinlich ist es für Sie aber auch die schönste Anerkennung, wenn Sie in leuchtende Augen blicken", zeigt Aigner Menschenkenntnis. Rincy nickt.

Forsch, zupackend und fröhlich kommt sie daher, die 44-jährige Landwirtschaftsministerin, die bei ihrer letztlich überraschenden Ernennung vor einem Jahr mit Sprüchen wie "Bauer kriegt Frau" begrüßt wurde. Und sie zuckt bei diesem "leichten" Termin auch nur einmal spontan zusammen, als ihr Pfarrer Wolfgang Picken anbietet, aus seinem Arsenal an Messdienern im Handumdrehen mit gut 200 Jugendlichen eine eindrucksvolle Demonstration zu organisieren, wenn sie sie brauche. "Oh nein, keine Demo", stöhnt Aigner schon mal im Blick auf die derzeit rebellischen Bauern.

Da gefällt es ihr viel besser, hier im Seniorenheim ihre druckfrische Broschüre über Ernährung vorzulegen, in der sie einen Leitfaden für Jung und Alt hat zusammenstellen lassen. "Wobei, ich weiß, wie schwer sich gerade ältere Menschen tun, ihre Essgewohnheiten umzustellen. Ich habe einen 84-jährigen Vater und eine 78-jährige Mutter", lächelt die Oberbayerin.

Die sich schließlich auch gerne in das von Bad Godesbergs Bezirksbürgermeisterin Annette Schwolen-Flümann gezückte mobile Gästebuch des Stadtteils einträgt. "Den Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich alles Gute für die Zukunft und Gottes Segen. Ihre Ilse Aigner", steht dort seit gestern.