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Schwimmen in Bonn: Gutachterin: Drei Hallenbäder schließen

Schwimmen in Bonn : Gutachterin: Drei Hallenbäder schließen

Mit Spannung hatte man auf das Gutachten zur "perspektivischen Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft" gewartet, das am Donnerstagabend in der gemeinsamen Sitzung des Sportausschusses und des Projektbeirats Bäder vorgestellt wurde. Es enthält nicht nur eine Analyse der Angebote, des Bedarfs und der Zuschüsse, sondern gibt auch eine klare Empfehlung an die Stadt Bonn und die Politik.

Und die wird nicht jedem gefallen. Denn Unternehmensberaterin Kim Adam aus Hamburg rät nach ihrer Analyse dazu, alle drei reinen Hallenbäder (Frankenbad, Beueler Bütt, Kurfürstenbad) dichtzumachen, die Grundstücke zu vermarkten und dafür ein nagelneues Sport- und Gesundheitsbad auf der linken Rheinseite in Bonn zu bauen. Alle anderen Bäder - auch die Freibäder - sollen erhalten bleiben. Das Ennertbad soll zum Kombibad mit Schwimmhalle ausgebaut, das Hardtbergbad modernisiert werden.

Als "Präferenzkonzept" sei diese Lösung in enger Abstimmung mit dem städtischen Auftraggeber ausgewählt und durch einen Businessplan hinterlegt worden, heißt es in der Zusammenfassung des knapp 300 Seiten dicken Gutachtens. In diesem Zuge müsse auch ein städtischer Eigenbetrieb zur Verpachtung der Bäder und eine Bäder-Betriebs GmbH gegründet werden, rät Adam.

Was den Zeitplan angeht: Sofern noch in diesem Jahr die politischen Entscheidungen für ein neues Hallenbad getroffen werden und man die Bäder GmbH gründe, könne der Neubau 2014 gestartet werden. Die Einschnitte kämen dann zeitnah: Ende 2014 sollte die Beueler Bütt schließen, ein Jahr später das Franken- und das Kurfürstenbad. Der Vorschlag ist eines von vier Szenarien in der Auswahl.

Die anderen drei lauten: Neubau eines Hallenbades auf der rechten Rheinseite am Ennertbad-Gelände (dann würde nur die Beueler Bütt zumachen müssen), zweitens Beibehaltung des Ist-Zustandes (was trotz Sanierungen keine Qualitätsverbesserung wäre). Und drittens eine Reduzierung der Bäderlandschaft auf ein absolutes Minimum. Dann würden aber laut Gutachterin neben dem Frankenbad auch das "Friesi", das Römerbad und das Rüngsdorfer Freibad dichtmachen müssen und zur Vermarktung anstehen. "Das ist für eine Stadt wie Bonn aber nicht ernsthaft zu empfehlen", sagte Adam. Das Motto müsse sein: "Qualität vor Quantität, sonst stimmen die Bäderkunden mit den Füßen ab." In Bonn sei es derzeit so, dass "alles, was Spaß macht, verboten ist".

Zurück zu dem Konzept "aus drei mach eins", für das sich Adam ausspricht: Es wurde bereits von einem Wirtschaftsprüfer durchgerechnet, der viele betriebliche und personelle Vorteile auflistet. "Wirtschaftliche Nachteile sind nicht zu erkennen", heißt es dort.

Das Konzept könne der Stadt aber mittelfristig deutlich geringere Verluste der Bäder als beim Ist-Zustand bescheren und durch gezielte Investitionen gleichzeitig für eine höhere Attraktivität und damit höhere Besucherzahlen sorgen. Einzige Voraussetzung: Für die neue Bäder GmbH müsse die Stadt einen ausreichenden Liquiditätspuffer durch das in bar einzuzahlende Eigenkapital von einer Million Euro sicherstellen, damit die Gesellschaft nicht gleich in eine kritische Situation gerate. Bäder seien Freizeitinvestitionen, und das erfordere eine hohe Flexibilität, so Adam.

Die schwarz-grüne Ratsmehrheit machte unmittelbar nach der Sondersitzung klar: Eine Entscheidung im Schnellverfahren wird es bei den Bädern nicht geben. CDU und Grüne wollen sich auf jeden Fall die nötige Zeit für die Diskussion mit den Bürgern und eine grundsätzliche Entscheidung nehmen. Eine intensive Bürgerbeteiligung auf Augenhöhe sei unverzichtbar. Angestrebt werde aber eine Entscheidung noch in diesem Herbst im Zusammenhang mit den Haushaltsberatungen.

Die Gutachterin

Kim Adam ist Inhaberin der Adam & Partner Unternehmensberatung in Hamburg und seit 1990 als Expertin in Sachen Freizeitwirtschaft tätig - spezialisiert auf Sport, Bäder, Sauna- und Wellnessanlagen. Die Stadt Bonn hatte sie im August 2011 mit dem Gutachten beauftragt, das 60.000 Euro kostet. Das Unternehmen hatte schon Städte wie Münster, Friedrichshafen und Mannheim in ähnlicher Form beraten.

Das sagen...

  • Martin Schumacher, Sportdezernent: "Das Gutachten gibt uns eine gute Grundlage. Wir wollen eine substanzielle Qualitätsverbesserung der Bäder. Das ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit der Stadt."
  • Willi Härling, CDU: "Der Vortrag hat vielleicht den einen oder anderen geschockt, jetzt muss man sich aber erst einmal mit dem kompletten Gutachten befassen.""
  • Peter Kox, SPD: "Für uns ist wichtig, dass die Bäder vor allem unter dem Aspekt der Daseinsfürsorge betrachtet werden und sozialräumliche Kriterien eine sehr wichtige Rolle spielen müssen."
  • Rolf Beu, Grüne: "Ich habe schon mit der einen oder anderen Aussage des Gutachtens meine Probleme, aber man muss da wirklich noch ins Detail gehen."
  • Frank Herboth, FDP: "Das Frankenbad ist die zentrale Schwimmwettkampfstätte Bonns. Es muss gewährleistet sein, dass dieses Angebot auch in Zukunft sichergestellt sein wird."
  • Helmut Joisten, CDU: Die Diskussion Frankenbad haben wir schon seit vielen Jahren geführt. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es bei Abrissplänen massive Bürgerproteste geben wird."

Das Bäder-Gutachten soll ab Freitag unter www.bonn.de für alle Bürger einsehbar sein. Dazu können laut Stadt Anmerkungen abgegeben werden. Sie sollen in die Empfehlung der Verwaltung einfließen.

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