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Vereinsjubiläum: 1. FC Hardtberg wird 100 Jahre alt

Vereinsjubiläum : 1. FC Hardtberg wird 100 Jahre alt

Der 1. FC Hardtberg besteht im August seit 100 Jahren – über den Vorgängerverein FV Preußen Duisdorf. Die Jubiläumsfeier müssen die Mitglieder aber verschieben, frühestens im Mai 2021 soll es die Fete geben.

Vor einigen Jahren hatte Bernd Schmidt mal gesagt, er wünsche sich zum 100-jährigen Jubiläum seines Fußballvereins zwei Dinge: Auf Kunstrasen in der Kreisliga A zu spielen. Das mit der Liga bleibt vorerst ein Traum, aber den neuen Sportplatzbelag hat der Verein inzwischen. Eigentlich sollte das Jubiläum an diesem Wochenende auf dem Platz gefeiert werden. Bis zu 1000 Besucher hatte sich der Vorsitzende Schmidt vorgestellt. Das Coronavirus zwang den Club, den offiziellen Termin zu verschieben.

Man könnte einwenden, dass der Verein seinen jetzigen Namen erst nach dem Zusammenschluss der beiden Vereine FV Preußen Duisdorf und VF Lengsdorf im Jahr 1971 erhielt und deshalb keineswegs schon 100 Jahre alt sei. Schmidt lässt das nicht gelten, er sieht den 1. FC Hardtberg als Weiterführung des Duisdorfer Vereins. Der wurde am 11. August 1920 offiziell gegründet, mit Johann Schlösser als erstem Vorsitzenden. Aber die meisten Gründungsmitglieder hatten schon Jahre vorher als „wilder Ballspielclub“ auf einer Wiese gespielt, die ihnen damals Johann Brünker zur Verfügung gestellt hatte.

Noch im Gründungsjahr stellte die Gemeinde Duisdorf den Ortsvereinen eine Wiese auf der Hardthöhe als Sportplatz zur Verfügung, auf dem der FV Preußen Duisdorf ab 1921 im Westdeutschen Spielverband kickte. Der Name lautete „Auf der Wesselheide“, der Platz lag dort, wo heute die Reitanlage ist. 1930 wurde dieser Platz auf Wunsch des FV zum Fußballfeld umgestaltet. Neun Jahre später zog der Verein dann auf das Grundstück einer alten Kiesgrube um – dorthin, wo heute noch der 1. FC Hardtberg spielt. Zumindest was den Standort des Vereins angeht, kann man Schmidt hierbei jedenfalls zustimmen.

Aber nach 1939 hatte der Verein wenig von seinem neuen Platz, denn erst 1952, nach dem Zweiten Weltkrieg und den Nachkriegswirren, konnte er fertiggestellt werden. Zehn Jahre später erfolgte ein umfangreicher Ausbau: Der Platz wurde gedreht, erhielt eine Flutlichtanlage, eine Laufbahn und Anlagen für Leichtathletik. Und das Vereinshaus entstand damals auch – seit den 1960ern hat sich daran aber nicht viel getan. „Es müsste saniert werden“, sagt Schmidt.

Im Lauf der Zeit gab es immer wieder Auf- und Abstiege zwischen Kreisklasse und Bezirksliga. Von der Fusionierung im Jahr 1971 mit dem VF Lengsdorf erhofften sich beide Clubs, als sportlich und finanziell gut gestellter Großverein wahrgenommen zu werden. In diesem Jahr nahm der Verein auch den Esel in sein Wappen auf. Aber die Lengsdorfer wollten dann doch nicht auf einen eigenen Verein verzichten und gründeten schon 1972 den VfL Lengsdorf. In den 80er-Jahren hatte der Fußballverein seine erfolgreichste Zeit.

Dieser Glanz ist verblasst. Mit der Verlegung etwa des Sitzes der Bundesregierung nach Berlin vollzog auch Medinghoven einen Wandel „vom Stadtteil für Bundesbedienstete zu über 90 Prozent Migrationshintergrund“, so Schmidt. Und damit änderte sich auch die Bedeutung des Vereins: Der ist heute weniger Sportverein als soziales Standbein, bei dem viele Kinder aus den Migrantenfamilien spielen. Schmidt betont die gesellschaftspolitische Seite des 1. FC Hardtberg, der bei so ziemlich allen Veranstaltungen von Wein-und Derletalfest über Kirmes und Gewerbeschau bis zu Kinderkostümfest und Seniorentag immer mit von der Partie ist, und sei es als Helfer beim Auf- und Abbau oder im Ausschank.

„Andere gehen auf Leistung, das ist definitiv nicht unser Ziel“, sagt Pressesprecherin Verena Zimmer, die den „Fußballkindergarten“ mit trainiert. „Wir wollen Spaß am Fußball vermitteln.“ Dementsprechend hat man beim Verein keine großen Ambitionen, was Ligen über der Kreisliga A angeht. Man will eine Anlaufstelle für die Kids bieten. „Da sind viele dabei, die samstags kommen und sagen, wir haben noch nicht gefrühstückt.“ Die lässt man nicht hungrig spielen.

So will man weitermachen, jetzt auf Kunstrasen, demnächst hoffentlich auch mit überdachten Trainerbänken – die sind Teil des Umbaus, wurden aber noch nicht installiert. Immerhin, das sagt Schmidt nicht ohne Stolz, hat der Verein trotz überwiegend gesponsertem Eigenanteil am Kunstrasen von 43 000 Euro noch ein Plus auf dem Konto. „Wir können keine Riesensprünge machen“, sagt Zimmer, aber wir nagen auch nicht am Hungertuch.“

Bleibt das ausgefallene Jubiläumsfest. Das will man nächstes Jahr im Mai nachholen – sofern das Virus dem nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht.