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1. FC Köln: Dominick Drexler besucht in Bonn Gymnasium auf Brüser Berg

Auf dem Brüser Berg : FC-Profi Drexler besucht sein altes Gymnasium in Bonn

Der Kölner FC-Profi Dominick Drexler hat sein ehemaliges Gymnasium auf dem Brüser Berg besucht. Dabei nimmt er ehrlich zu Höhen und Tiefen seiner Fußballkarriere Stellung.

Aufgeregt wartete Sportlehrerin Dorothee Becker vor dem Hörsaal des Hardtberg-Gymnasiums (HBG) auf ihren ehemaligen Schüler Dominick Drexler. Schon vor zehn Jahren erbrachte der heute 29-Jährige in allen Disziplinen des Sport-Leistungskurses (LK) eine Eins. 2018 wechselte der heutige Profi-Fußballer Drexler für vier Millionen Euro Ablösesumme zum 1. FC Köln, mit dem er seit der Saison 2019/20 in der ersten Bundesliga spielt.

„Am Sonntag rief er an“, so Becker und sagte, dass er bald kommen werde. Wenig Zeit für die Schüler der drei HBG-Sport-LK, Fragen zu Papier zu bringen, die sich mit LK-relevanten Themen auseinandersetzen. Nach Begrüßung durch Schulleiter Günther Schlag, Sportlehrerin Bianca Keune und ihren Kollegen Sören Eglitis stand Drexler 90 Minuten lang Rede und Antwort.

„Als ich den Gong wieder hörte, war das für mich ein komisches und auch ein besonderes Gefühl“, sagte Drexler im Vorgespräch mit dem GA. Nun fand er sich auf dem Podium des Raumes wieder, in dem er 2009 sein Abitur geschrieben hatte. Kurz zuvor hatte der gebürtige Bonner und Wahlkölner noch bei seinen Eltern auf dem Brüser Berg gefrühstückt. Obwohl er betonte, dass er das frühe Aufstehen nicht mehr gewohnt sei, vermittelte er im weiteren Verlauf einen ausgesprochen ausgeschlafenen Eindruck. Mit den Oberstufenschülern entstand ein nahezu intim vertrauter Rahmen, der die Verbundenheit von Drexler zu seiner alten Schule deutlich machte.

Drexler kämpft mit Shitstorm

Einige Fragen beantwortete er so unbefangen ehrlich, dass er darum bat, sie nicht zu veröffentlichen. Später sollte er auch den Grund nennen, als er über den Einfluss der Medien auf sein Leben gefragt wurde. „Ich habe mich bei Facebook und Instagram abgemeldet“, sagte er. Er sei zwar eine starke Persönlichkeit und nicht allzu schnell verletzbar, doch der Shit­storm, der über ihm nach einem verschossenen Elfmeter ausbrach, sei nur schwer auszuhalten gewesen. „Von den 50 000 Menschen im Stadion sind es vielleicht 200, die über dich herfallen“, so Drexler. „Aber du denkst in dem Moment, das sei die ganze Welt.“ Das Problem sei die Ano­nymität des Internets.

In einem früheren Interview sagte Drexler, dass der verschossene Elfmeter zu den schwierigsten Momenten in seiner Karriere gehört habe. Im Hörsaal des HBG machte der bescheiden und aufrichtig wirkende Profi deutlich, wie wichtig ihm seine Familie nicht nur in solchen Situationen ist. „Familie ist alles.“ In der Familie – Drexler hat noch einen Zwillingsbruder und eine Schwester – sei man immer ehrlich miteinander. Man übe zwar auch Kritik, die sei aber immer gut gemeint. Drexler beschrieb seinen harten Weg, den er im Profisport gehen musste und sagte Sätze wie: „Wenn man etwas erreichen will, muss man auch verzichten.“ Er habe auch gelernt, mit seiner Impulsivität umzugehen, die seiner Karriere nicht immer dien­lich war.

Inzwischen wird er als Profi von seinem Verein rundum umsorgt: Neben allen Sportaktivitäten reichen die Angebote vom Mentaltraining bis zu Vorträgen zum gesunden Schlaf. Gesunde Ernährung ist für Drexler selbstverständlich. Das geliebte Fastfood leistet er sich nur im Urlaub. „Mittlerweile trinke ich keine Milch mehr und esse Dinkelflocken mit Sojamilch zum Frühstück“, schildert er amüsiert. Seitdem er für das Olympiakader nominiert ist, muss er per App jeden seiner Schritte festhalten. Täglich mitteilen, wo er schläft. „Eine Dopingkontrolle könnte somit morgens um vier Uhr bei mir klingeln.“

Die Schüler wollten wissen, wie er mit dem Stress vor den Derbys umgeht. „Derbys finde ich cool“, war die Antwort. Denn da, wo es um viel gehe, könne man auch viel gewinnen. Er beklagte, dass es in Deutschland eine ausgeprägte Neidkultur gebe. Man gönne den Fußballern nicht das Geld, das sie verdienen. Doch er müsse bis zum Ende seiner aktiven Zeit so viel sparen können, dass davon ein weiteres Leben möglich sei. Auf die Frage eines Schülers, der selbst als Schiedsrichter auf dem Fußballplatz steht, was der Profi vom Videobeweis halte, meinte Drexler: „Wenn ich ihn abschaffen könnte, würde ich es sofort tun.“ Der Videobeweis habe das Spiel total verändert. Als Spieler könne man sich kaum noch spontan über ein Tor freuen, weil man Angst habe, dass der Videobeweis noch Fehler entdeckt, dass der Ball einen Zentimeter vor der Linie war. „Früher sah man auf den Linienrichter, und wenn die Fahne unten blieb, hatte man Gänsehautfeeling.“ Das haben wohl auch die Hunderte von Schülern erlebt, die nach dem Gespräch auf ein Autogramm von Drexler warteten.