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Falsche Pflanzung in der Lengsdorfer Hauptstraße: Ärger um Apfeldorn und Immergrün

Falsche Pflanzung in der Lengsdorfer Hauptstraße : Ärger um Apfeldorn und Immergrün

In der Lengsdorfer Hauptstraße plante die Stadt, nach der Sanierung neue Bäume zu pflanzen. Statt der Bäume sind dort jetzt Sträucher. Stadtverordneter und Ortsfestausschussvorsitzender Bert Moll ist „verstimmt“.

Eigentlich könnten sich die Bürger in Lengsdorf freuen, dass die Stadt Bonn in der jahrelang von Baustellen geprägten Lengsdorfer Hauptstraße die versprochene Straßenrand-Bepflanzung endlich vorgenommen hat. Doch die Freude fällt eher verhalten aus, berichtet Ortsfestausschussvorsitzender Christoph Schada. Der örtliche Stadt- und Bezirksverordnete Bert Moll (CDU) ist sogar „verstimmt“. Denn statt der versprochenen Bäume haben die Gärtner lediglich Sträucher gepflanzt.

„Das ist bei mir schon auf Irritation gestoßen“, drückt sich Moll verhalten höflich aus. Sträucher entsprächen aus seiner Sicht qualitativ nicht einer nachhaltigen Pflanzung, sie seien sicher auf keinen Fall ein adäquater Ersatz für Bäume. Auch sei das Straßenbild, einst geprägt von einer Baumreihe, dadurch völlig verändert.

Hintergrund: Über Jahre waren im Zuge von Leitungs- und Kanalsanierungsarbeiten in der Lengsdorfer Hauptstraße – die Kanäle waren dort teils mehr als 100 Jahre alt – Bäume gefällt worden, da sie den Arbeiten im Weg standen, berichtet Schada. Vor mehr als zwei Jahren stand dann die Fahrbahnsanierung zwischen dem Dorfplatz und der Frechengasse, bei der wohl die letzten Bäume weichen mussten, erinnert er sich. Damals wurde ein großer Teil das Pflaster auf der Fahrbahn ausgetauscht gegen Flüsterasphalt. Der Pflasterbelag war in die Jahre gekommen. Wenn Autos drüberfuhren, erzeugte das zum Leidwesen der Anwohner stets sehr viel Lärm. Eine Sanierung des Pflasters wäre, so die Verwaltung damals, unverhältnismäßig teuer geworden.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten an der Fahrbahn versprach die Stadt Bonn, die früheren Bäume durch neue ersetzen zu wollen. Das war vor zwei Jahren. Im vorigen Jahr, so berichtet Moll, habe die Verwaltung dann in der Bezirksvertretung Hardtberg eine Vorlage auf den Tisch gebracht, wo ausdrücklich von Baumersatzpflanzungen die Rede gewesen sei. 

„Auch ich habe gestaunt, als ich sah, was da gepflanzt worden ist“, sagt Schada. Einerseits sei er natürlich froh gewesen, dass nach zwei Jahren des Abwartens endlich etwas geschehen sei. Anderseits seien Sträucher nun einmal keine Bäume. Immerhin handele es sich um acht Bäume, die den Straßenrand wieder zieren sollten.

Die Gründe für die Planungsänderung beschreibt die Verwaltung sehr ausführlich in einer Mitteilungsvorlage für die Bezirksvertretung: „Es war schon zu Beginn der Planungen dieser Maßnahme klar, dass aufgrund vorhandener Wasser- und Gasleitungen eine erforderliche Vergrößerung von sieben vorhandenen Baumbeeten nur begrenzt möglich sein wird“, heißt es. Selbst durch die Vergrößerung der aktuell vorhandenen Pflanzgruben auf ein gefordertes Minimum könne es in einigen Bereichen durch eine Baumersatzpflanzung zur Verringerung des Parkraumes kommen. Zudem müssten Versorgungsleitungen verlegt werden. Die Verlegung mit den Anbindungen der einzelnen Hausanschlüsse an das Versorgungsnetz wäre jedoch mit einer größeren Baumaßnahme im Straßenraum und mit „sehr erheblichen Kosten“ verbunden. Deshalb habe die Verwaltung entschieden, Judasbaum und Apfeldorn als Solitärsträucher inklusive der entsprechenden Bodendecker zu pflanzen. Lediglich das Beet neben der Einfahrt des Technischen Hilfswerkes könne planmäßig (ohne Wegfall eines Parkplatzes) mit einem Alleebaum bepflanzt werden.

Eine Begründung, die Moll als „ziemlich technokratisch“ bezeichnet und die ihn nach wie vor nicht überzeuge. „Dort haben doch vorher jahrzehntelang Bäume gestanden. Ich frage mich immer noch, warum, dass jetzt nicht mehr möglich ist.“ Eine Frage, die er in der nächsten Sitzung der Bezirksvertretung mit der Verwaltung diskutieren wolle. Das ist auch im Sinne Schadas: „Schließlich gibt es auch flachwurzelnde Bäume. Wir hätten uns jedenfalls wieder ein einheitliches Baumbild in der Straße gewünscht, in der die Leitungen ja nicht erst seit gestern liegen.“

Auf eine entsprechende Nachfrage des General Anzeigers bei der Stadt Bonn verwies das Presseamt lediglich auf besagte Mitteilungsvorlage für die Bezirksvertretung Hardtberg.