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Bereits sanierte Sportplätze sind schon hin: Alte Kunstrasen werden erneuert

Bereits sanierte Sportplätze sind schon hin : Alte Kunstrasen werden erneuert

Beläge am Brüser Berg und in Ippendorf sind in solch schlechtem Zustand, dass Verletzungsgefahr für Sportler besteht. Der BCS hat das Training dort daher schon eingestellt. Die beauftragte Firma schafft Erneuerung nicht parallel.

Auf der Liste der alten Fußballplätze in Bonn, die einen Kunstrasenbelag bekommen, stehen die Sportanlagen am Schießstandweg auf dem Brüser Berg und an der Saalestraße in Ippendorf nicht. Kein Wunder, die beiden Plätze haben bereits einen Kunstrasen.

Aber die werden jetzt ausgetauscht. „Das ist uns jetzt von der Stadt mitgeteilt worden“, berichtet Rolf Schäfer, der Vorsitzende des 1. Jugend Fußball Clubs (1. JFC) Brüser Berg. „Eine gute Nachricht für uns, denn das hier ist der erste Platz in Bonn, der überhaupt Kunstrasen bekommen hatte.“ Und er ist hin.

Doch die für Anfang September angekündigten Arbeiten werden sich noch einmal bis auf Weiteres verzögern, bekam er am Mittwoch von der Stadt mitgeteilt. „Das bedeutet wohl dann auf unbestimmte Zeit“, reagierte Schäfer enttäuscht.

Das wohl nicht, aber die Verzögerung liegt daran, dass auch der Sportplatz in Ippendorf einen neuen Belag erhält. Dem Vereinsvorsitzenden der dortigen Sportfreunde, Ralf Weißenfels, ist ebenfalls angekündigt worden, dass die Arbeiten Anfang September starten sollen, erzählt er dem GA auf Anfrage. Aber offenbar hat die Firma, die beide Plätze erneuern soll, ein Personalproblem und schafft es nicht, die Arbeiten parallel auszuführen. Mit der Firma habe es am Mittwoch noch keinen Kontakt gegeben, teilte das Presseamt mit: „Ausgeschrieben und angedacht ist, dass sie die Arbeiten an beiden Kunstrasenplätze parallel übernehmen“, sagte eine Sprecherin.

Erneuerung kostet 500.000 Euro

An dem Platz am Schießstandweg, der mit der daneben stehenden Vereinshausruine (wir berichteten) noch ein ganz anderes Problem hat, zeigt sich jedenfalls, dass die Haltbarkeitszeit eines Kunstrasens in der Praxis nicht mit den Prognosen von zwölf bis 15 Jahren übereinstimmt.

Der Platz war 2007 umgewandelt worden und ist nunmehr – nach bereits gut zehn Jahren – in einem denkbar schlechten Zustand, berichtet das städtische Sportamt. „Der Flor ist insbesondere in der Mittelachse großflächig stark abgenutzt, sodass die Spieleigenschaften negativ beeinflusst sind. Des Weiteren stellen sich lösende Nähte sowie Fehlstellen ein hohes Gefahrenpotenzial für die Sportler dar.“

Der Zustand hatte sich in Bonner Fachkreisen längst herumgesprochen. Heiko Fleck, beim Stadtsportbund für Fußball zuständig, sprach schon im vorigen Jahr davon, dass der Platz total „verdichtet“ sei. Der Bonner SC, der zwischenzeitlich mal auf dem Brüser Berg trainiert hatte, zog wegen der hohen Verletzungsgefahr damals mit seiner Ersten Mannschaft nach Hersel um.

Kein Einzelfall. Auch in Ippendorf tut eine Erneuerung Not. Der Belag ist zwar erst sieben Jahre alt, hatte aber zusätzlich das Problem, dass die niederländische Firma ihn schlecht verarbeitet hatte und die Nähte sich auflösten. Die Firma ist mittlerweile längst insolvent, die Reparaturen übernahmen andere. Dabei mussten mehrere Stellen mit Flicken ausgebessert werden, so dass der Platz eher wie eine Patchworkarbeit als ein ordentliches Fußballfeld aussieht. Auch die Elfmeterpunkte mussten schon erneuert werden. Einige Schäden indes passierten auch durch wiederholten Vandalismus. Ärgerlich für den Verein, der beim damaligen Umbau eine Eigenleistung von insgesamt 50 000 Euro beigesteuert hatte.

Die Erneuerung der Beläge koste für beide Plätze zusammen rund eine halbe Million Euro, hieß es. Knapp 250 000 Euro seien für den Brüser Berg veranschlagt. Und in der Vorlage, die sich die Stadt im Mai von der Politik genehmigen ließ, gibt sie zu bedenken: „Die Maßnahme dient dem Werterhalt des Sportplatzes Brüser Berg und wird somit als Unterhaltungsaufwand eingestuft.“

Zur Finanzierung wurden rückgestellte Mittel aus dem Jahr 2017 aufgelöst. Die Erneuerung des Belages in Ippendorf ist mit knapp 234 000 Euro angesetzt. Der Vorteil bei beiden Plätzen ist allerdings: Die Tragschicht zeigt keine Verschleißerscheinungen und muss aller Voraussicht nach nur an besonders strapazierten Stellen ausgebessert werden.