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Nachbarschaftshilfe: Anlaufstelle für ältere und einsame Menschen

Nachbarschaftshilfe : Anlaufstelle für ältere und einsame Menschen

Im Jahr 2017 wurde das Projekt der Nachbarschaftshilfe für Ippendorf und den Venusberg gestartet, 2020 begegnet es einer neuen Herausforderung: der Corona-Pandemie. Die benötigten Hilfen sind nicht immer nur materiell, häufig geht es um Gespräche und Aufmerksamkeit.

Seit Beginn der Corona-Pandemie spielt Solidarität innerhalb der Gesellschaft, aber auch in der Nachbarschaft eine noch tragendere Rolle. Viele Menschen haben sich hilfsbereit gezeigt und beispielsweise die Einkäufe für ältere Menschen erledigt. Bei der Nachbarschaftshilfe „Miteinander-Füreinander“ gibt es diese Hilfsbereitschaft nun schon seit ihrer Gründung im Jahre 2017 durch ihre heutige Leiterin Heike Jakob-Bartels. Anlass für die Gründung: Bis 2015 hatte die Gemeinde der evangelischen Auferstehungskirche im Haager Weg auf dem Venusberg eine Schwester, die ältere Menschen im Stadtteil besucht hat. „Nachdem sie in Rente ging, gab es zwei Jahre keine Angebote der Gemeinde für Senioren mehr“, erklärt Jakob-Bartels, die sich gemeinsam mit Gemeindesekretärin Carla Hornberger infolgedessen in der Pflicht sah, zu handeln.

Jakob-Bartels selbst ist Jugendleiterin der Gemeinde, vor drei Jahren hat sie beschlossen, allen Altersgruppen in Ippendorf und auf dem Venusberg zu helfen. „Das sind ja eher Stadtteile der Bildungsbürger, hier gibt es nicht so viele bedürftige oder arme Menschen. Stattdessen gibt es viele Familien sowie ältere, oft einsame Menschen“. Für sie möchte man „eine Anlaufstelle sein“, beispielsweise durch Kinderbetreuung für Familien. Die meisten Anfragen kämen jedoch von oder für Senioren, „die jemanden brauchen, der für sie einkauft, Beihilfeanträge ausfüllt, ihnen am Computer hilft, sie zum Friedhof fährt, mit ihnen spazieren geht oder im Garten hilft“, so die Projektleiterin weiter.

Angeboten werden diese Hilfen von aktuell etwa 25 Ehrenamtlichen aus Ippendorf und Venusberg, die teilweise „studieren, manche sind mittleren Alters und berufstätig, die meisten Helfer sind allerdings im Rentenalter“, merkt Jakob-Bartels an.

Um diesen Pool zu erreichen, sei nicht viel Werbung nötig gewesen, zu Beginn verteilte man lediglich Flyer. Heute mache man über den Gemeindebrief „Lichtblick“ auf sich aufmerksam. „So erreichen wir zwar nur evangelische Menschen, wir schließen aber ausdrücklich niemanden aus“, betont die Leiterin.

Dies bewiesen die Helfer schon Anfang des Jahres, als in der Jugendherberge auf dem Venusberg zahlreiche Flüchtlinge untergebracht wurden. „Viele Ehrenamtliche wollten etwas für die Flüchtlinge tun“, berichtet Jakob-Bartels, daher bot man ihnen Sprachkurse sowie Zugang zu Musikinstrumenten und der Küche im Gemeindehaus an. Wegen der Pandemie „muss das jetzt leider alles pausieren, weil wir niemanden empfangen dürfen“. Dementsprechend fallen aktuell auch die normalerweise jeden ersten Mittwoch im Monat stattfindenden Treffen der Nachbarschaftshilfe aus. Stattdessen halte man Kontakt über Mails und Telefon. Denn auch jetzt, wenn nicht gerade jetzt, brauchen viele Senioren Hilfe. Vielen gehe es dabei zu Zeiten des Abstandes nicht um Materielles, sondern einfach nur um ein Gespräch und etwas Aufmerksamkeit.

Solche Hilfe passt zum allgemeinen Ziel, das Jakob-Bartels wie folgt formuliert: „Wir wünschen uns, dass wir alle Menschen in unseren Stadtteilen im Blick haben und an Dingen teilhaben lassen, die ihnen vielleicht sonst nicht mehr möglich wären.“