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Ausstellung im Haus der Natur: Anreize für ein klimafreundliches Verhalten

Ausstellung im Haus der Natur : Anreize für ein klimafreundliches Verhalten

Alternative Lebensentwürfe für nachhaltige Zukunft zeigt die Wanderausstellung „ökoRAUSCH – Wissenswelt“ im Haus der Natur auf. Ein Schulkunstprojekt zur Biodiversität stimmt thematisch darauf ein.

Seit nunmehr drei Wochen sind die Türen des Bonner Hauses der Natur wieder geöffnet. Wer sich hinauf auf den Venusberg zum großen holzverschalten Fachwerkhaus mitten im Kottenforst begibt, wird gleich mit mehreren bedeutenden Themen unserer Zeit konfrontiert. Denn die Wanderausstellung „ökoRAUSCH – Wissenswelt“ des Vereins Stadt-Land-Welt e.V. behandelt nicht nur die Ursachen des Klimawandels durch individuelles Handeln, auch gesellschaftliche Themen wie Geschlechtergerechtigkeit oder Sozialpolitik werden im Lichte der Nachhaltigkeit untersucht. Es werde jedoch nicht mit Effekthascherei oder „mit dem erhobenen Zeigefinger“ gearbeitet, wie Heike Hückesfeld betont. „In der Ausstellung werden Fakten dargestellt und Anreize geleistet, bestimmte Verhaltensweisen zu überdenken“, erklärt die Leiterin des Hauses.

Bereits vor dem Gebäude werden Besucher vom schulischen Kunstprojekt „Faszination Vielfalt“ der Tropenwaldstiftung Oroverde inhaltlich eingestimmt. Die von Schülerinnen der neunten Klasse des St.-Adelheid-Gymnasiums gezeichneten Motive zeugen dabei von einem eher düsteren Blick der Jugend auf die Zukunft der Artenvielfalt. Auch wenn der Großteil der Schülerinnen „von der Thematik Biodiversität fasziniert war“, wie Oroverde-Mitglied Elisa Rödl erklärt.

Im Innern hingegen werden „positive Alternativen für eine nachhaltige Zukunft“ präsentiert, unterteilt in die Themenbereiche „Ressourcenschonung, Digitalisierung, Reparatur, Gendergerechtigkeit, Empowerment und gesellschaftlichen Wandel“. Hinsichtlich der Ressourcenschonung wird den Besucherinnen und Besuchern anhand alltäglicher Beispiele nahegebracht, wie bereits kleine Änderungen der Verhaltensweisen zu einem umweltfreundlicheren Leben führen können. „Die durchschnittliche Einsatzzeit einer an der Kasse gekauften Plastiktüte liegt bei wenigen Minuten. Dann landet sie im Müll“, meint Rödl mit Blick auf Alternativen in Form von Mehrwegbeuteln.

 Heike Hückesfeld (l.) und Elisa Rödl vor einigen Bildern des Schulkunstprojektes „Faszination Vielfalt".
Heike Hückesfeld (l.) und Elisa Rödl vor einigen Bildern des Schulkunstprojektes „Faszination Vielfalt".

Dass auch das Internet eine nicht immer klimafreundliche Menschheitserfindung ist, behandelt ein weiteres Themengebiet. Wer beispielsweise an dem eigens dafür zur Verfügung gestellten Terminal die URL einer Website eingibt, kann anschließend die dadurch verursachten CO2-Emissionen einsehen. Diesbezüglich werden neuartige Optimierungsvorschläge für effizientere Websites vorgestellt. Der Wegwerfgesellschaft und der geplanten Obsoleszenz wird durch kreative Ideen zur Reparatur von Alltagsgeräten und durch den Aufruf zu mehr eigenen Handwerksarbeiten der Kampf angesagt. Die für viele Menschen unbequemen Themen wie Konsumverhalten oder das Streben nach immer größerem Wohnraum pro Kopf sind ein weiterer zentraler Aspekt der Wissensausstellung. So manchem Arbeitgeber könnte wiederum das Plädoyer für eine klimafreundlichere Vier-Tage-Woche sauer aufstoßen.

Eher wesensfremd mag auf den ersten Blick die Einbeziehung der Geschlechtergerechtigkeit in die Klimadebatte erscheinen. Dem widerspricht Hückesfeld jedoch entschieden: „Klimapolitik geht nicht ohne Gendergerechtigkeit. Durch geringe Frauenanteile werden viele Potenziale nicht ausgeschöpft.“ Dabei seien es häufig „gerade Frauen, die sich um die Nachhaltigkeit bemühen“, fügt Rödl hinzu.

Die Ausstellung „ökoRAUSCH – Wissenswelt“ im Haus der Natur läuft bis zum 12. September.