Neues Buch mit Anekdoten Auf 96 Seiten zu den Wurzeln von Ippendorf

Ippendorf · Im zweiten Band der „Anekdoten aus Ippendorf“ lässt der Ortsausschuss wieder viele Alteingesessene mit ihren Geschichten zu Wort kommen. Zahlreiche Geschichten drehen sich um fast vergessene Menschen und ihre Eigenheiten.

 Die Röttgener Straße trug früher den Namen Hauptstraße. Im Hintergrund ist der Kirchturm von Sankt Barbara zu erkennen.

Die Röttgener Straße trug früher den Namen Hauptstraße. Im Hintergrund ist der Kirchturm von Sankt Barbara zu erkennen.

Foto: Privat

Das waren noch Zeiten, als eine Grundschullehrerin an der alten Ippendorfer Schule ihren zutiefst rheinischen Kindern das Hochdeutsche beizubringen versuchte; „Nein, Raymund, es heißt Fünf, nicht Fünnef!“. Oder als Frau M. dort günstig ein Haus erwarb und sich über die reservierte Reaktion der Nachbarn wunderte – das Haus war früher ein „Püffchen“. Und früher sollen im Wasserturm, zu dessen einstigem Standort es diverse „glaubwürdige“ Theorien gibt, unerlaubt Kinder gebadet haben. Tolle Ippendorfer Geschichten, man müsste sie in einem Buch festhalten. Das hat der Ortsauschuss auch getan, schon zum zweiten Mal.

 Die Ippendorfer Fußballmannschaft: Das Bild wurde um 1960 aufgenommen.

Die Ippendorfer Fußballmannschaft: Das Bild wurde um 1960 aufgenommen.

Foto: Privat

Seit dem 20. Dezember sind die „Anekdoten aus Ippendorf, Teil 2“ auch erhältlich (siehe Infokasten). Die Idee wurde bei verschiedenen Aktionen rund um den offenen Bücherschrank geboren, und dort auf dem Dorfplatz erzählten auch einige Bewohner ihre Geschichten. Andere sendeten sie bei der Ortsauschussvorsitzenden Barbara vom Dorp ein. Und ein Fundus an Gedichten des früheren Schul-Konrektors Erich Böger, von dessen Sohn zur Verfügung gestellt, lockert die Erzählungen auf.

 Das Pümpchen neben der alten Kapelle wurde von Erich Böger in einem Gedicht verewigt.

Das Pümpchen neben der alten Kapelle wurde von Erich Böger in einem Gedicht verewigt.

Foto: Privat

Allerlei Schauergeschichten um die Gruft der Kirche

Man findet zum Beispiel einen Bericht von Georg Fobes, der die Arztpraxis seines Vaters in Ippendorf übernommen hatte. Er wurde in seiner Kindheit als Messdiener öfters von den Mönchen des Franziskanerordens für Gottesdienste in der Kreuzbergkirche herangezogen. „Einmal wurde ich belohnt mit einem Besuch in der Gruft unter der Kirche“, erinnert er sich. In dem unterirdischen Gemäuer, um das sich allerlei Schauergeschichten im Dorf rankten, zeigte man ihm die zum Teil offenen Särge: „Darin lagen mumifizierte Servitenmönche in schwarzem Habit“.

Der Servitenorden war von 1637 bis 1802 im Kloster, wurde dann von den Franzosen vertrieben. Fobes zitiert einen GA-Artikel, in dem erklärt wurde, warum die Gruft seit den 70ern gesperrt ist: „Ein Kaplan ging mit ein paar Pfadfindern hinein, die dort ihre Mutprobe ablegen sollten, und wurde dabei erwischt.“ Dem jungen Geistlichen sei nicht klar gewesen, dass er etwas Verbotenes tat. Jetzt wird die Gruft nur noch zu Forschungszwecken geöffnet. Fobes hatte „Glück“, dass er sie vorher sehen konnte.

Neben vielen anderen Geschichten liest man auch die von Hermann Behn, früherer CDU-Stadtverordneter, der vor 60 Jahren aus Hamburg in die damalige Bundeshauptstadt kam – und prompt von Bürgermeister Peter Ohlenhardt begrüßt wurde. „Als wir uns umschauten, stellten wir fest, dass wir in einer schönen Landschaft leben“, schreibt der heute 86-Jährige. „Der Osthang und der Westhang waren noch fast unbebaut und es gab auch innerhalb des Ortes nicht so viele Häuser wie heute.“

Tochter eines Wirts hat viel zu erzählen

Er erinnert sich an die Eingemeindung nach Bonn und erzählt von seiner kommunalpolitischen Tätigkeit. Ihm ist es zum Beispiel zu verdanken, dass heute die Buslinien 602 und 603 getrennte Strecken fahren und die Menschen in der Ferdinandstraße eine eigene Haltestelle haben. „Die Stadtwerke haben sich gewehrt, weil sie dann mehrere Haltestellen hätten einrichten müssen.“ Aber die Gremien hätten letztlich dafür gestimmt.

Und wenn man Ursula Thüner-Gaitandjiev nach Geschichten von früher fragt, sollte man viel Zeit mitbringen. Als Tochter des Wirtsehepaares von Thüners Gaststätte und spätere Inhaberin hat sie die besten Storys parat: von Männern, die zum Dämmerschoppen nach dem „Labörchen“ – ein nettes Wort für Schwarzarbeit – auf ein Bierchen vorbeikamen „und dann nach Hause gingen, zur Mam, die gekocht hatte“; von den Herren der Schöpfung, die sonntags im besten Zwirn zum Gottesdienst gingen, aber bis zum Wandlungsläuten stattdessen bei Thüners pichelten; darüber, wie die Kinder einst bei Müllers Mia Bonbons stibitzen, während sie zum Getränkeholen in den Hinterhof ging.

Viele ehemalige Schauplätze gibt es nicht mehr

Oder die Mitglieder des Sportvereins, diese Rabauken, die sich durch die Hintertür von Thüners Gaststätte verdrückten, wenn der Vereinskassierer vorne reinkam, um den Mitgliedsbeitrag einzutreiben – „mit den 50 Pfennig gingen sie lieber ins Kino“, erzählt die 72-Jährige. Die Kneipe, in deren Garten die Ippendorfer Schützen nach ihrer Gründung zunächst ihren Schießstand hatten, bevor sie ins ehemalige Feuerwehrgebäude einzogen, gibt es nicht mehr. „Das war auch ein bisschen Familie. Ich kannte alle Vorlieben von den Kunden.“ Das ist alles vorbei, viele Geschäfte gibt es nicht mehr. „Viele trauern dem hinterher, aber es ist halt so.“

Aber deshalb sind solche Bücher wichtig. „Ippendorf ist sehr groß geworden, die neu Zugezogenen kennen das gar nicht.“ Sie findet das Buch gut, ebenso wie Fobes. „Ich hoffe, dass viele Neu-Ippendorfer das lesen und dadurch zu den Wurzeln ihres Wohnortes gelangen.“

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