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Ausstellung im Kulturzentrum Hardtberg : Aus der Schockstarre zum kreativen Prozess

Ausstellung im Kulturzentrum Hardtberg : Aus der Schockstarre zum kreativen Prozess

Eine Ausstellung unter dem Titel „Malen in Zeiten der Zurückgezogenheit durch die Pandemie“ ist im Kulturzentrum Hardtberg eröffnet worden. Alle Künstler sind Teilnehmer des VHS-Kurses von Klaus Ackermann.

Was macht es mit einem Künstler, wenn sich die Welt um ihn herum plötzlich so verändert wie durch das Coronavirus? Das Klischee, dass Künstler doch ohnehin zurückgezogen von der Welt arbeiten, trifft dann nicht zu, wenn sie eigentlich in einem Gruppenverband arbeiten, wie die Teilnehmer des Volkshochschulkurses „Die faszinierende Welt der Ölmalerei“, die Klaus Ackermann leitet.

Dieser Kursus zeigt jetzt im Kulturzentrum Hardtberg Werke, die überwiegend in den vergangenen Monaten entstanden sind. Einige wenige sind auch davor entstanden, zum Beispiel die beiden Bilder von alten Lastwagen von Doris Loebach. „In Coronazeiten habe ich eigentlich weniger gemacht“, berichtete sie bei der Vernissage am Sonntag. „Ich war wie in einer Schockstarre. Ich kann es nicht erklären.“ Maßgeblich fehlten ihr das Treffen, der Austausch und das Arbeiten in der Gruppe. „Für mich ist es wichtig, mit den anderen zusammen zu sein. Es soll ja Spaß machen.“

Gert Friedrich dagegen hat der Lockdown überhaupt nichts ausgemacht, die Malerei ist sein Ruhestands-Zeitvertreib, und damit kann er sehr gut umgehen. In Coronazeiten ist sein Tigerbild entstanden, frei nach Franz Marcs „Der Tiger“. Allerdings trägt der  Mundschutz und das Halsband einer Hauskatze. Auch andere Bilder hat Friedrich beigesteuert, die alle mit Beethoven zu tun haben. Imposant sind zudem seine lebensgroßen Holzfiguren. Eine zeigt Ludwig van Beethoven, eine andere den „Alten Fritz“ mit zwei Hunden. Er wolle noch weitere Figuren aus der Zeit des Bonner Komponisten machen und das Ensemble dann gerne in Bonn ausstellen.

Eigentlich sind es zwei Kurse mit dem gleichen Titel, die derzeit gemeinsam ausstellen. Einer davon findet sonst wöchentlich im Haus der Bildung statt, der andere im Kulturzentrum. Alle Bilder sind Ölgemälde, aber die 14 Beteiligten gehen damit sehr unterschiedlich um. Man sieht Figürliches,  Abstraktes, impressionistische Landschaften, Verfremdungen – etwa Leonardo da Vincis „Dame mit Hermelin“, allerdings hat die Frau ein Hermelingesicht und das Tier auf ihrem Schoß das der Frau. Und dann sind da Klaus Ackermanns Bilder „Fotorealismus, pur“ nennt es Gabriele Tillmanns, Fachbereichsleiterin Kunst und Kultur der VHS. Ackermann hat unter anderem einen Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofs abgebildet, im Vordergrund ein Tisch mit, Kaffee, Milch, Müsli und einer „Spiegel“-Ausgabe aus der Reagan-Zeit. „Frühstück des Bahnwärters“ hat er das Werk genannt, und es lädt bei allem Fotorealismus zum Interpretieren ein.

Die Coronazeit hat Ackermann als Künstler zweigeteilt. erlebt „Zuerst brach alles Mögliche an Gefühlen aus der Vergangenheit heraus“,  berichtete er. Er habe viel Zeit gehabt, in sich hineinzufühlen, weil ihn der Alltag nicht ablenken konnte,  und das habe ihn in seiner Kreativität ausgebremst. „Dann habe ich „in Ruhe zu mir gefunden“,  so der Künstler. Das Kreative brach heraus, „weil ich die Malerei liebe“.  Aber auch er war froh, als er sich wieder mit seinen Kursteilnehmern in die gemeinsame Leidenschaft vertiefen konnte. „Die Leute waren so dankbar, dass sie wieder sozialen Kontakt haben.“ Alle würden den Austausch in der Gruppe jetzt mehr zu schätzen wissen.

Die Ausstellung kann nur während der Öffnungszeiten der verschiedenen Kurse oder bei Veranstaltungen besucht werden. Wer sie an anderen Tagen besichtigen möchte, kann sich per E-Mail an gabriele.tillmanns@bonn.de.melden.