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Bäckerei Schell’s Eck in Duisdorf: Bonner Bäcker hilft in Corona-Zeiten

Christstollenverkauf statt Geschenkaktion : Bonner Bäcker hilft in Corona-Zeiten

Weil die übliche Geschenkaktion für bedürftige Familien coronabedingt nicht stattfinden kann, sammelt die Bäckerei Schell’s Eck nun über den Gebäckverkauf Spenden.

Die Menschen in Duisdorf warten schon seit Wochen darauf, dass Bäcker Markus Schell wieder mit der Päckchenaktion beginnt. Seit Jahren ist das so: Da scharren sie nahezu mit den Hufen, um bunt verpackte Geschenke für die Kinder in Schell's Eck abzuliefern. Die kommen üblicherweise Kindern aus bedürftigen Familien zugute, die sonst wenig bis nichts unterm Weihnachtsbaum vorfinden – und wahrscheinlich nicht mal einen Baum haben. Aber in diesem leidigen Corona-Jahr ist natürlich alles ein wenig anders.

Die Familien, die sonst von der Aktion profitieren, kommen normalerweise im Begegnungscafé der Kirchengemeinde Sankt Thomas Morus zusammen, das im Pfarrsaal von Sankt Antonius in Dransdorf organisiert wird. Das ist ein buntes Miteinander, in den vergangenen Jahren waren viele Flüchtlingsfamilien dort. Derzeit findet das Café nicht statt, es gibt keine Gemeinschaftsveranstaltungen und keine Lebensmittelausgabe. Und deshalb kann man dort auch keine Geschenke verteilen. Und in Zeiten, in denen man alles tun muss, um eine Ansteckungsgefahr auszuschließen – etwa indem Kinder zur eigenen Geburtstagsfeier nur abgepacktes Gebäck mit in den Kindergarten bringen dürfen –, kann man Fremden auch keine selbst verpackten Geschenke machen.

Mit anderen Worten bedeutet das, „dass man sehr kreativ werden muss, wenn man Gutes tun will“, sagt Margret Hünten-Schuld. Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates von Sankt Thomas Morus will genauso wenig auf die Aktion verzichten wie Bäcker Schell. „Die Leute leiden sowieso schon unter Corona.“ Schell wusste zunächst nicht, was er auf die vielen Nachfragen antworten sollte. Dann beschloss er, stattdessen Christstollen zu backen. Die würden ohnehin von der Kundschaft viel nachgefragt, sagt er. Vom Verkauf geht der Reinerlös nach Abzug der Produktionskosten als Spende an die Kirchengemeinde, zudem kann man auch schlicht Geld in eine Spendenbox in der Bäckerei werfen.

Ein 300-Gramm-Stollen ist für 8,50 Euro zu haben, davon hat er zunächst mal 100 Stück hergestellt, aber er kann ja nachbacken. Auch größere Stollen seien auf Bestellung möglich, sagt Schell. Natürlich sei da Marzipan drin. Die Aktion geht bis Heiligabend. Das Geld kommt den Kindern im Begegnungscafé zugute, man will davon Ausflüge und andere Aktivitäten bezahlen, wenn das alles mal wieder möglich ist.

Also Stollen essen statt Päckchen packen. „Klar werden die Leute das vermissen“, meint Hünten-Schuld. Schell weiß: „Durch Corona haben viele Leute aufgeräumt und Sachen extra aufgehoben, um sie verschenken zu können.“ Sein Appell: Einfach die Sachen für nächstes Jahr irgendwo aufbewahren. Denn irgendwann werde es auch wieder eine Geschenkaktion geben. Natürlich freut sich Schell auch über Kundschaft. Denn das Thekengeschäft an der Rochusstraße 257 laufe zwar in Coronazeiten besser als vorher, weil die Gastronomie geschlossen ist, sagt er. Aber die Einnahmen aus dem Café, das er nicht öffnen darf, fallen dafür komplett weg.