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Fluch oder ein Segen?: Bahn-Haltepunkt an der Helmholtzstraße spaltet die Gemüter

Fluch oder ein Segen? : Bahn-Haltepunkt an der Helmholtzstraße spaltet die Gemüter

Ist der neue Haltepunkt der Regionalbahn 23 an der Helmholtzstraße ein Fluch oder ein Segen für die unmittelbaren Nachbarn? Darüber gibt es ganz unterschiedliche Auffassungen, je nachdem aus welcher Perspektive man die Sache betrachtet.

So sprechen Lothar Ristau und Annette Veithen, die am Maarweg gleich am Zugang zu dem Haltepunkt wohnen, von einer Betonwüste, die sich jetzt direkt hinter dem Haus erstrecke. Dass jede Viertelstunde zwei Züge in 70 Meter Entfernung dort halten, die Lärm und Abgase produzieren, sodass kein Fenster mehr geöffnet und der Balkon nicht mehr genutzt werden könne, stößt ihnen sauer auf.

"Angesichts solcher Beeinträchtigungen unserer Lebensqualität werden wir darüber nachdenken müssen, hier wegzuziehen, wobei der Wiederverkaufswert der Wohnungen natürlich stark gesunken ist", führen sie ins Feld. Aber ist das tatsächlich so, dass der Immobilienwert durch die Inbetriebnahme des neuen Bahnhaltepunkts gesunken ist?

Heiner Eckoldt, früherer SPD-Planungspolitiker, wohnt in demselben Wohnblock, nur eine Tür weiter, und sieht das ganz anders: "Ich finde, die Wohnungen gewinnen an Qualität, weil ich in zweieinhalb Minuten am Bahnsteig und in vier Minuten in der Bonner Innenstadt bin", sagt er. "Das ist für mich ein Stück Lebensqualität. Und ich fahre jetzt nicht mehr mit dem Auto in die Stadt." Dass der Wiederverkaufswert der Wohnungen jetzt geringer ist, kann er sich nicht vorstellen. "Überall zeigt sich eigentlich, dass die Werte steigen, wenn es eine gute Anbindung an den Nahverkehr gibt."

In einem Punkt sind sich beide Anlieger aber einig: Während der Bauphase des Haltepunkts war es laut und schmutzig. Auch wenn es im Vorfeld ein Planfeststellungsverfahren gab, in dem Bedenken und Anregungen abgewogen wurden: Die Baustelle hat auch nächtliche Störungen der Ruhe mit sich gebracht. Dass die Lampen an den beiden Bahnsteigen vorübergehend auch nachts brennen, hat die Bahn übrigens damit begründet, dass die Schaltanlage noch nicht installiert ist.

Eckoldt sieht im Gegensatz zu seinen Nachbarn sogar Vorteile in dem neuen Haltepunkt. "Früher sind hier die Züge mit 70 Sachen durchgebrummt: Das war lauter als heute, wo die Züge langsam ankommen und dann wieder langsam losfahren." Außerdem würden alle Hausbewohner zur Straße hin schlafen und nicht auf der Seite der Gleise. Und die neuen Züge der Bahn sollen angeblich leiser als die alten sein. Ein Ärgernis seien früher die "Taiga"-Loks gewesen, die sehr gerußt haben.

Die Diskussion erinnert stark an die Zeit, als um die Fußgängerzone in Duisdorf gestritten wurde. Damals argumentierten die Gegner, dass die Häuserpreise in der Rochusstraße in den Keller gehen würden, wenn die Autos der Kunden nicht mehr vor den Ladenlokalen parken können. Das Gegenteil war der Fall: Die Fußgängerzone führte zu einem Anstieg der Immobilienpreise. Und in der Folgezeit löste sich auch der Protest der Anlieger gegen die Fußgängerzone in Luft auf.